Geschichte des Blauen Fadenfisches von Sumatra

Blauer Fadenfisch, Portrait - Gerhard Ott
Blauer Fadenfisch, Portrait - Gerhard Ott
Der Blaue Fadenfisch ist nicht so selten wie die Blaue Mauritius, aber seine Herkunft ist noch nicht befriedigend geklärt.

Der Gepunktete Fadenfisch wurde 1770 von dem Naturforscher Peter Simon Pallas im achten Band seiner Spicilegia Zoologica in lateinischer Sprache als Labrus trichopterus beschrieben. Heute heißt der Fisch Trichopodus trichopterus (Pallas, 1770). (Früher wurden er als Mitglied der Gattung Trichogaster betrachtet.) Eine blaue Farbform soll 1933 aus Sumatra eingeführt worden sein. Für dieses findet sich seit 1934 der Name Trichopodus (früher Trichogaster) trichopterus sumatranus in der aquaristischen Literatur.

Trichogaster trichopterus sumatranus (Ladiges, 1934)

Dr. Werner Ladiges erwähnte 1934 in einem Katalog des Großhändlers „Aquarium Hamburg“ in der Richardstraße der Hansestadt erstmalig die Bezeichnung Trichogaster sumatranus für einen blauen Fadenfisch von der indonesischen Insel Sumatra. Eine Zeichnung illustriert den Fisch.

1949 und 1954 erscheint dieselbe Zeichnung in zwei unterschiedlichen und doch fast gleichen Büchern. Das Erste ist Ladiges‘ Buch „Tropische Zierfische“, welches in einer Schwarz-Weiß-Zeichnung auf der Seite 65 den Blauen Fadenfisch mit der Bildunterschrift „Blaue Mutante von den Sundainseln“ zeigt. Die zweite Auflage dieses Buches erscheint 1954 zweisprachig unter dem Titel “Tropische Fische/Tropical Fishes“. Die Abbildung 43 auf Seite 45 ist mit der zuvor genannten identisch. Trichogaster trichopterus sumatranus (Ladiges, 1934) ist im Sinne der Regeln der zoologischen Nomenklatur ein Nomen nudum, ein nackter Name (ohne Beschreibung).

Blauer Fadenfisch – Art, Unterart oder Zuchtform?

In dem Buch „Fremdländische Süßwasserfische“ von Johann Paul Arnold und Ernst Ahl aus dem Jahre 1936 wird der Blaue Fadenfisch als Trichogaster trichopterus var. sumatranus Ladiges, 1933 bezeichnet. Und es heißt auf Seite 420 er käme aus Sumatra, „woselbst er aus der typischen Art herausgezüchtet worden sein soll.“

Damals war es durchaus üblich „Unterarten“ auch als „Varietäten“ zu bezeichnen. Und dennoch hat sich hier ein weiterer Fehler eingeschlichen, denn Ladiges hat sumatranus erst 1934 und nicht 1933 benutzt.

Fehler in der aquaristischen Literatur

Der Fehler mit der Unterartenbezeichnung Trichogaster trichopterus sumatranus Ladiges, 1933 ist in der aquaristischen Literatur noch in der „Enzyklopädie der Aquaristik und speziellen Ichthyologie“ von Prof. Günther Sterba (1978) zu finden; der übrigens auch die Jahreszahl der Erstbeschreibung von T. trichopterus von Pallas falsch angibt (1777 statt richtig 1770); ein Fehler, der immer wieder fortgeschrieben wurde, wie auch im Mergus-Aquarienatlas von Rüdiger Riehl und Hans A. Baensch.

Richtigstellung von Werner Ladiges zum Blauen Sumatra-Fadenfisch

Der erwähnte Fischkatalog ist zwar von Werner Ladiges bearbeitet, aber von Christian Brüning Korrektur gelesen worden. Aus einer Biografie über Werner Ladiges‘ im Jubiläumsheft 1994 und 2004 des Aquarienvereins „Roßmäßler Hamburg“, erfahren wir von Prof. R. Geisler: „… Seit 1928, also seinem 18. Lebensjahr, stand er in engen Kontakt mit der jahrzehntelang führenden Importfirma „Aquarium Hamburg der Herren Schnelle und Griem. Es war ein großer Vertrauensbeweis dieser Kaufleute, Werner Ladiges 1934 mit einer Forschungs- und Sammelreise nach Guayana zu beauftragen, …“.

Ladiges war gar nicht in Deutschland, als der Katalog gedruckt wurde. Und Brüning habe von der Bildunterschrift Trichogaster trichopterus sumatranus schlichtweg den Artnamen trichopterus gestrichen, wie Dr. Ladiges zwanzig Jahre später klarstellt.

1954 bringt Dr. Ladiges ein wenig Licht ins Dunkel über die Herkunft des Blauen Fadenfisches. In einer Aquarien-und Terrarien-Zeitschrift (DATZ) berichtet er, dass 1933 ein Seemann eines HAPAG-Dampfers aus Sumatra die Blauen Fadenfische mitgebracht habe. Er, Ladiges, habe sie dann in der Folge zunächst für eine Unterart des punktierten Fadenfisches (T. trichopterus) gehalten und als T. t. sumatranus bezeichnet. Später habe erst selbst in Medan auf Sumatra bei dem Händler B. Berthold erfahren, dass die Fische tatsächlich aus einem sumatranischen Wildgewässer stammen sollen.

Bis heute sind keine Blauen Fadenfische mehr aus Sumatra zu uns gekommen. Alle die Formen, die in den Aquarien schwimmen, sind offensichtlich Nachfahren des ersten Imports von 1933. Gibt es noch blaue Fadenfische auf Sumatra?

Quellen:

Arnold, J. P. & E. Ahl (1936): Fremdländische Süßwasserfische. – Gustav Wenzel & Sohn, Braunschweig,

Ladiges, W. (1934): Tropische Zierfische. – Aquarium Hamburg.

Ladiges, W. (1949): Zierfisch-Bilderbuch. – Gustav Wenzel & Sohn, Braunschweig. 1. Auflage

Ladiges, W. (1954): Tropische Fische (Tropical Fishes). – Gustav Wenzel & Sohn, Braunschweig. 2. Auflage des Zierfisch-Bilderbuchs

Ladiges, W. (1957): Über einige Farbabweichungen bei Fischen. – Die Aquarien-und Terrarien-Zeitschrift 10 (6), 153-156.

Riehl, R. & H. A. Baensch (1982): Aquarien-Atlas. – Verl. für Natur- und Heimtierkunde Mergus, Melle

Sterba, G. (1978): Enzyklopädie der Aquaristik und speziellen Ichthyologie. – Neumann-Neudamm, Melsungen, Berlin, Basel, Wien.

Sterba, G. (1987): Süßwasserfische der Welt. – Urania Verlag Leipzig, 1. Aufl.

Gerhard Ott, Annegret Ott

Gerhard Ott - Ott, Gerhard Manchmal genutztes Pseudonym: Perdurus Eus *11. Febr. 1954 in Walsum am Niederrhein, Studium Erziehungswissenschaften ...

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