
- Henning Smolka ließt aus dem Geschichtsbuch vor - Patricia Kutsch
Eine überaus gelungene Premiere hat das erste Theaterstück von Oberweimar am Freitag gefeiert. Mehr als 350 Zuschauer sind dabei gewesen, als die Laienschauspieler die Geschichte ihres Heimatortes, der in diesem Jahr 850. Geburtstag feiert, auf die Bühne gebracht haben.
Eine Theatertradition oder Erfahrungen mit dem Schauspiel haben die Oberweimarer nicht. Dennoch fiel bei den Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zur urkundlichen Ersterwähnung des Dorfes die Entscheidung, etwas auf die Bühne zu bringen.
Geschichte auf besondere Weise erzählen
Statt die Geschichte um die Entstehung dieser Urkunde einfach zu erzählen, sollte sie auf besondere Weise dargestellt werden, unterhalten und im Gedächtnis der Besucher bleiben. Das ist den Laienschauspielern von Oberweimar auch gelungen: Mit dem sorgfältig recherchierten Drehbuch des weimarers Henning Smolka und der Erfahrung von Regisseur Peter Mayer bescherten die Darsteller ihrem Publikum einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend. Trotz Regen und Kälte bei der Premiere ließen mehr als 350 Zuschauer sich nicht abschrecken und füllten die Bänke im Pfarrgarten um dem Geschehen auf zwei Bühnen zu folgen.
Erste Erwähnung im Jahr 1159
Im ersten Teil spielten die Darsteller nach, wie es zur Ersterwähnung kam, auf deren Grundlage in diesem Jahr auch Fronhausen sein 850-jähriges Bestehen feiert. Die Kirche von Fronhausen gehörte ursprünglich der Kirche von Oberweimar an. 1159 zog der Pfarrer zur Synode nach Mainz, denn seit nunmehr 30 Jahren zählte Fronhausen zum Reichsstift Essen. Um auf die reichen Pfründe nicht länger verzichten zu müssen, wollte Oberweimar sein Recht durchsetzen. Auf der Synode wurde jedoch entschieden, dass Fronhausen weiterhin Essen angehört. Die Männer aus Oberweimar gerieten indes in einen Aufstand der mainzer Bürger und sind nie wieder zurückgekehrt.
Diese dramatische Geschichte wurde geschickt umgesetzt und mit viel Humor aufgelockert: Der Bischof Arnold von Selen als saufender und ahnungsloser Schwerenöter entlockte dem Publikum allein durch seine Mimik und Gestik zahlreiche Lacher, ebenso wie Tobias und Hannes aus Oberweimar: nicht gerade die Intelligentesten, dazu ängstlich und verfressen. Sie sollten den Pfarrer auf seiner Reise beschützen. Mit dabei war als Dompropst auch der heutige Pfarrer Burkhard zur Nieden. Er ließ es zu, dass zur Darstellung des mainzer Aufstands ein Holzkreuz im Pfarrgarten brennen durfte.
Zweiter Teil erzählt vom Neubau der Martinskirche
Nach einer Pause erzählte das Stück – natürlich auf „Platt“ – von einer zweiten Reise eines oberweimarer Pfarrers einige Jahrhunderte später: Er zog nach Hanau um dort Geld für den Neubau der Kirche zu holen. Diese Reise endete erfolgreicher für den Pfarrer, seine Begleiter und die Einwohner von Oberweimar bei Marburg. Das Ergebnis steht noch heute in Oberweimar: Die Martinskirche ziert das Panorama des Dorfes in der Gemeinde Weimar. Die Linedancer des Ortes - eine Tanzgruppe die einen stepptanzartigen Tanzstil ausübt - beendeten das Stück mit einer tänzerischen Darstellung des Lebens rund um ihre Kirche: Ehe, Taufe und Beerdigung verbinden alle mit dem Gotteshaus. So endete das Stück auch mit dem Tod. Natürlich ließ Petrus die Verstorbenen in den Himmel – dafür reichte allein die Tatsache aus, dass sie Oberweimarer sind.
Gelungene Premiere
Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail wurde das Stück „elf-fünf-neun“ von den Schauspielern umgesetzt. Humor, Drama und historische Darstellung wurden geschickt vermischt und fast das gesamte Dorf stand hinter den Vorbereitungen: Jeder Verein des Ortsteils der Gemeinde Weimar war beteiligt, die Mitglieder übernahmen verschiedene Rollen. So wurde der Posaunenchor zur Hofkapelle von Kaiser Barbarossa, die Sänger zu Dorfbewohnern umgewandelt, die Burschenschaft spielte die aufständischen Mainzer. Die aufwändigen Kostüme wurden größtenteils selbst hergestellt und von erfahrenen Händen genäht.
Herzblut zeigten die Schauspieler für ihr Stück. So war auch Ortsvorsteher Manfred Möller mit vollem Einsatz von Haut und Haar dabei: Für seine Rolle als Kaiser Barbarossa ließ er einen Vollbart wachsen und blondierte sein dunkles Haupthaar und den Bart, um sie anschließend in einem leuchtenden Rot färben zu können.
Nach dieser erfolgreichen Premiere bleibt zu hoffen, dass „elf-fünf-neun“ das erste Stück einer langen Theatertradition von Oberweimar ist.
