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Geschichte und Kultur der Inkas

Das mächtige Inka-Reich und die Anden-Region

Über drei Jahrhunderte hinweg beherrschte die Hochkultur der Inkas weite Teile der Region zwischen südamerikanischer Pazifikküste und den Gebirgsketten des Anden-Raums.

Der Aufstieg der Inkas, eines ursprünglich wohl aus dem Amazonas-Tiefland stammenden Volkes, begann etwa zu Beginn des 13. Jahrhunderts europäischer Zeitrechnung. Um diese Zeit entstand inmitten des peruanischen Anden-Hochlands ein erstes Herrschaftszentrum der Inkas: Cusco. Cusco war nicht allein Ausgangspunkt späterer Machtentfaltung der Inkas, sondern bald auch Hauptstadt eines südamerikanischen Riesenreichs.

Der Aufstieg des Inka-Reiches

Von den peruanischen Hochebenen der Anden aus eroberten die Inkas zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert ein riesiges Territorium im Gebiet der heutigen südamerikanischen Staaten Peru, Bolivien, Chile und Ecuador. Dabei entstand ein hoch entwickelter und straff durchorganisierter Handels- und Militärstaat. Dessen Stabilität und Expansion baute zunächst vor allem auf das mächtige und äußerst schlagkräftige Heer der Inkas.

Die Rolle der Beamtenschaft im Reich der Inkas

Neben dem gewaltigen Berufsheer der Inkas war es jedoch gerade die Beamtenschaft des Inka-Staates, die durch ihre Fähigkeiten zur einzigartigen Machtentfaltung des Inka-Reiches vor der Ankunft der Spanier beitrug. Die Beamtenschaft organisierte und kontrollierte vor allem das Tributsystem der Inkas. Dieses System regelte minutiös dörfliche Fronarbeiten auf Mais- und Kartoffelfeldern, in Bergwerken oder im Straßenbau. Ebenso überwachte die Beamtenschaft die regelmäßige Abgabe von Naturalien. Dies gewährte eine kontinuierliche Nahrungsversorgung für das Riesenreich und half damit, Macht und Stabilität im Inneren zu sichern.

Informationen aus allen Teilen des Inka-Reiches

Mithilfe einer gemeinsamen Verkehrssprache – Quechua – sowie einer komplizierten „Knotenschrift“ (Quipu) war die Beamtenschaft der Inkas jederzeit über die Lage im Reich unterrichtet. Mittels umfangreicher statischer Erhebungen sammelte sie zudem sämtliche verfügbaren Informationen aus allen Teilen des Inka-Reiches über Wirtschafts- und Tributleistung, Bevölkerungszahl oder Viehbestand.

Das Straßensystem der Inkas

Militär wie Beamtenschaft profitierten zudem von einen vorzüglich ausgebauten Straßensystem, welches auf einer Gesamtlänge von rund 40.000 km das gesamte Inka-Reich durchzog. Es diente ebenso der schnellen Nachrichtenübermittlung wie der raschen Verlegung von Truppen in dem multi-ethnischen Land.

Das Städtewesen der Inka-Kultur

Das Inka-Reich war ebenso durch eine Vielzahl von Garnisonen und Provinzhauptstädten durchzogen, die der insgesamt eher bäuerlich-geprägten Inka-Kultur häufig auch eine sehr urbane Prägung gaben. Dies galt im besonderen Maße natürlich für die erwähnte Hauptstadt des Inka-Reiches Cusco mit ihren Tempeln, Palästen und Archiven.

Cusco – Hauptstadt des Inka-Reichs

Cusco als Hauptstadt und Machtzentrum des Inka-Reichs war jedoch nicht allein Herrschersitz des gottähnlich-verehrten Königs der Inkas, dem „Sapa Inka“, von welchen sich die Volksbezeichnung der Inkas direkt ableitete, sondern Cusco war auch kultisches Hauptzentrum des Inka-Staates. Im Mittelpunkt stand dabei die Verehrung des Inka-Sonnengottes „Inti“, der auch mit dem mystischen Ursprung der Inka-Kultur auf der Sonneninsel im Titicaca-See verbunden war. Anders als bei den Azteken wurden in den Tempeln der Inkas jedoch kaum Menschenopfer dargebracht.

Der Hochadel der Inkas

In Cusco konzentrierte sich auch der Hochadel der Inkas, die aristokratische Herrschaftselite des kriegerischen Anden-Reichs. Zudem erhielten in Cusco junge Adlige aus allen Teilen des Inka-Reichs höhere Bildung, etwa in der Poetik, Astronomie oder in der Waffen- und Kriegskunst.

Die Ankunft der Spanier in Peru

Trotz des enorm hohen Entwicklungsstandes der Inka-Kultur und der gewaltigen Ausdehnung ihres Reiches waren die Inkas dem Ansturm der Spanier im ersten und zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts nicht gewachsen. Dies war jedoch mitnichten eine Folge der kulturellen Überlegenheit der spanischen Eroberer um den Konquistadoren Francisco Pizarro (1476/78-1541): Als die Spanier unter Pizarro 1532 an der peruanischen Küste landeten, trafen sie bereits auf ein von schweren Aufständen und Epidemien erschüttertes Inka-Reich, dass sich mit schnellen Schritten seinem Untergang näherte.

Blutige Kämpfe um die Nachfolge im Inka-Reich

Seit etwa 1527 war unter den Söhnen eines der letzten Inka-Herrscher, Huayna Cápac (ca. 1476-1527), ein blutiger Kampf um die Nachfolge ausgebrochen. Dieser ging bald in einem brutalen Bürgerkrieg über, der das Inka-Reich im entscheidendsten Moment seiner Geschichte empfindlich schwächte.

Der Untergang des Inka-Reichs

Pizarro und seine kleine Truppe von spanischen Abenteuern profitierte jedoch nicht allein von Chaos, internen Rangkämpfen und einer weit verbreiteten Unzufriedenheit vieler Völker des Inka-Reichs mit dem Militär- und Tributwesen der Inka-Aristokratie: Mit ihren Pferden, Feuerwaffen und Kanonen wussten die Spanier ihre indigenen Gegner in entscheidenden Augenblicken zu verunsichern. Gleichwohl ermöglichte erst die Hilfe zahlreicher indigener Verbündeter eine effektive Eroberung des Inka-Reichs durch Pizarro und seine Nachfolger. Sie konnte überdies erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts abgeschlossen werden, als der verbliebene Rest der inkaischen Führungsschicht damit begonnen hatte, sich immer mehr in unzugängliche Wälder und Bergregionen zurückzuziehen.