
- Geschichten aus der Gruft Staffel Eins - '84 Entertainment (über ofdb.de)
"Geschichten aus der Gruft" ("Tales from the Crypt") lief von 1989 bis 1996 über insgesamt sieben Staffeln. Die Serie selbst folgte, was das Konzept angeht, den verfilmten Comics: Die einzelnen Episoden wurden vom Cryptkeeper präsentiert, der die Geschichte jeweils an- und abmoderierte und dabei seine mitunter sehr makaberen Späße trieb. Die Geschichten selbst drehten sich um Menschen, die - vereinfacht gesagt - am Ende durch eine oft bizarre Wendung des Schicksals genau das bekommen sollten, was sie aufgrund ihrer Handlungen auch verdienten.
Bislang waren im deutschsprachigen Raum, obwohl sich die Serie auch hierzulande großer Beliebtheit erfreute, nur etwas mehr als die Hälfte aller Folgen zu sehen. Dies wird sich nun dank '84 Entertainment ändern. Erstmals sollen alle Folgen der Serie auf Deutsch veröffentlicht werden, die ersten drei Staffeln sind bereits erschienen. Hier folgt nun eine komplette Rezension der ersten Staffel, die aus insgesamt sechs Folgen besteht.
Folge Eins: "Wer zuletzt stirbt" ("The Man Who Was Death")
Als die Todesstrafe abgeschafft wird, verliert der Scharfrichter einer Justizvollzugsanstalt seinen Job. Da er aber erstens seinen alten Beruf als Elektriker auch nicht mehr ausüben kann und es ihm zweitens viel zu viel Spaß gemacht hat, den ganzen Abschaum salopp formuliert zu "grillen", entschließt er sich dazu, in Sachen Todesstrafe selbst aktiv zu werden und die Sache mit den Hinrichtungen in die eigene Hand zu nehmen.
Die erste Folge der Serie unter der Regie von Walter Hill ist leider auch gleich eine der schwächeren Episoden der ersten Staffel. Zwar werden hier schon die Themen aufgegriffen, welche "Geschichten aus der Gruft" später noch bekannt machen sollten, allerdings ist das alles so spannungsarm und vorhersehbar inszeniert, dass man auch beim erstmaligen Sehen immer treffsicher vorhersagen kann, was in den nächsten fünf Minuten passieren wird.
Folge Zwei: "Stille Nacht, blutige Nacht" ("And All Through the House")
Eine Frau möchte ihren Ehemann unbedingt loswerden, um mit ihrem Geliebten und dem Geld des bald toten Gatten in Saus und Braus leben zu können. Am Weihnachtsabend entschließt sie sich dazu, ihren Gatten mit einem Schürhaken zu erschlagen. Nun muss sie nur noch die Leiche entsorgen und sich darum kümmern, dass ihre kleine Tochter nichts davon mitbekommt. Nur ist das alles leichter gesagt als getan, wenn vor der Tür ein axtschwingender Verrückter sein Unwesen treibt, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat.
"Stille Nacht, blutige Nacht" stammt von Regisseur Robert Zemeckis. Die Folge ist wesentlich unterhaltsamer als "Wer zuletzt stirbt". Zwar kann man auch hier die Pointe bereits am Anfang erahnen, allerdings ist der Weg dorthin wesentlich unterhaltsamer, wenn man dabei zusieht, wie die Protagonistin erst in Panik verfällt, um später auf die (naheliegende) Idee zu kommen, den Mord an ihren Mann dem durchgeknallten Santa Claus in die Schuhe zu schieben, nur um hinterher an ihn ihr Leben zu verlieren. Außerdem sieht man hier den schon beinahe klassischen Handlungsablauf einiger Episoden von "Geschichten aus der Gruft": Jemand tut etwas Böses (es geschieht ein Mord) und erleidet hinterher deshalb ein ganz ähnliches Schicksal als höhere Gerechtigkeit (die Täterin wird selbst grausam ermordet).
Folge Drei: "Der lebende Tote" ("Dig That Cat... He's Real Gone")
Ein Mann lässt sich die neun Leben einer Katze implantieren und tritt fortan als Jahrmarktsattraktion auf. Er lässt sich erschießen, erhängen und begraben und steht dennoch immer wieder von den Toten auf. Das Problem dabei ist nur: Er hat sich bei den verbleibenden Leben verrechnet.
Folge Nummer Drei könnte eigentlich recht unterhaltsam sein. Sie hat nur ein Problem: Die Zuschauer sollen der Geschichte abkaufen, dass ein ansonsten relativ gerissener Kerl anscheinend nicht bis neun zählen kann. Die Schauspieler fallen weder positiv noch negativ auf, was "Der lebende Tote" trotz der Tatsache, dass Richard Donner Regie geführt hat, zu einer recht durchschnittlichen Angelegenheit macht.
Folge Vier: "Schön wie die Sünde" ("Only Sin Deep") mit Lea Thompson
Ein Callgirl (Lea Thompson) möchte sich einen reichen Playboy aufreißen. Dafür braucht man allerdings einige Dinge - wie zum Beispiel sexy Klamotten - für die ihr schlichtweg das Geld fehlt. Deshalb macht ihr ein Pfandleiher ein unmoralisches Angebot. Er bietet dem Callgirl an, dass sie ihm ihre Schönheit verpfänden könnte. Leider gelingt es ihr nicht, das Pfand rechtzeitig auszulösen. Die Folgen für sie sind fatal.
Eines gleich vorweg: Lea Thompson ("Caroline in the City") ist in der Rolle des Callgirls leider eine glatte Fehlbesetzung. Sie hat vor allem mit den Szenen, in welchen sie einen Vamp spielen soll, doch so einige Probleme. Dennoch ist "Schön wie die Sünde" die beste Folge der ersten Staffel. Das liegt daran, dass hier eine eher ungewöhnliche Geschichte präsentiert wird, deren Ende man vielleicht nicht sofort erraten kann.
Folge Fünf: "Die perfekte Hochzeitsnacht" ("Lover Come Hack To Me") mit Amanda Plummer
Ihren Grundbesitz, ihren Kontostand, ihre Aktien... Charles liebt einfach alles an Peggy (Amanda Plummer, "Pulp Fiction"). Deshalb möchte er in der Hochzeitsnacht auch sicherstellen, dass die Sache mit "Bis das der Tod euch scheidet" sich vielleicht ein wenig beschleunigt und er die ganzen schönen Sachen für sich alleine hat. Dumm nur, dass Peggy ihm noch nicht alle Familiengeheimnisse anvertraut hat.
"Die perfekte Hochzeitsnacht" fällt vor allem durch zwei Dinge auf. Erstens handelt es sich dabei um die blutigste Folge der ersten Staffel und zweitens ist sie auch diejenige mit der meisten unfreiwilligen Komik. Letztere erreicht ihren Höhepunkt, als Charles versucht, gegen eine Geistererscheinung (die im Übrigen völlig überflüssig ist) zu "kämpfen", indem er einfach versucht, auf die Geister zu springen und ihnen eine reinzuhauen. Für Trashfans empfehlenswert, für alle anderen eher nicht. Regie führte Tom Holland ("Fright Night").
Folge Sechs: "Das Prunkstück der Sammlung" ("Collection Complete")
Wenn man sich in der Pension befindet, braucht man ein Hobby, damit man etwas mit der vielen Freizeit anfangen kann. Das denkt sich auch Jonas, der bereits weiß, was er als frisch gebackener Rentner machen will. Ihm gehen die vielen Haustiere seiner Frau nämlich so sehr auf den Geist, dass er damit beginnt, die armen Tiere auszustopfen. Jonas' Frau gefällt das naturgemäß überhaupt nicht.
Die letzte Folge der ersten Staffel hat das Problem, dass Jonas' Frau und ihre "Freunde" so nervenaufreibend charakterisiert werden, dass man als Zuschauer nach spätestens zehn Minuten alle verfügbaren Daumen drückt, damit er die ganze Baggage endlich zum Schweigen bringt. Außerdem lässt sich die Episode viel zu lange Zeit, um endlich in die Gänge zu kommen oder haben die Macher am Ende wirklich geglaubt, das Publikum würde sich dafür interessieren, wenn Jonas mit einem Kumpel über Modellflieger redet?
Fazit zur ersten Staffel von "Geschichten aus der Gruft" ("Tales from the Crypt")
Die erste Staffel kann - mit wenigen Ausnahmen - durchaus empfohlen werden. Außerdem ist die DVD Veröffentlichung von '84 Entertainment sehr gut gelungen. Bild und Ton sind hervorragend und die Bonus-DVD ist großartig ausgestattet. Darauf findet man mehrere Dokumentationen über die Geschichte der ersten Staffel und die Geschichte der Comicvorlage, die in den 50er Jahren in den USA eine Diskussion auslöste, welche dazu führte, dass Comics dort jahrzehntelang strengster Zensur unterlagen. Diese Edition ist wahrlich ihr Geld wert.
