
- Die Gartenanlage im Morgenlicht - Elisabeth Ornauer
Ganz im Osten Österreichs findet man nach Osten hin ausgerichtet zwischen Wien und Bratislava, an der Hainburger Pforte im Marchfeld Schloss Hof, das größte und bedeutendste der Marchfeldschlösser. Prinz Eugen von Savoyen hat es 1725 als Burg erworben und in den folgenden Jahren vom berühmtesten Baumeister des Barock in Mitteleuropa, Johann Lucas von Hildebrandt, zu einem Schloss erweitern lassen, das ihm neben einigen anderen Palais in Wien als Sommer- und Jagdresidenz diente.
1755 erwarb Kaiserin Maria Theresia das Schloss, und so gelangte die prächtige Anlage in den Besitz der Habsburger. 1766 heiratete in der Schlosskapelle die Lieblingstochter von Maria Theresia, Erzherzogin Marie Christine, und 1772 erweiterte Maria Theresias Sohn Joseph II. das Schloss um ein Stockwerk.
Unter Kaiser Franz Joseph – dem Gemahl von Kaiserin Sisi – wurde in Schloss Hof die k.u.k. Armee untergebracht, das Mobiliar kam in verschiedene Depots nach Wien, und während des Zweiten Weltkriegs wurden die Räumlichkeiten von der deutschen Wehrmacht und in der Besatzungszeit danach von der Roten Armee bewohnt. Und zunehmend verfielen sowohl das Schlossgebäude, alle anderen Gebäude rundherum, der Meierhof, die Schule und auch die barocke Gartenanlage. Das gesamte Anwesen verwilderte.
Der einzigartige Barockgarten
Die in Europa einzigartige barocke Gartenanlage, die auf sieben Terrassen sanft zur March, dem Grenzfluss zur Slowakei, abfallend angelegt ist, wurde in den vergangenen Jahren, seit 2003, liebevoll und wissenschaftlich genau nach drei alten historischen Stichen Bernardo Bellottos (genannt Canaletto, alle Ansichten sind im Kunsthistorischen Museum in Wien zu bewundern) von der Republik Österreich revitalisiert.
Das Areal ist insgesamt 50 Hektar groß, und unzählige Pavillons, Brunnen, Kaskaden und Statuen zieren den Garten. Alle sieben Terrassen – bis auf eine – wurden restauriert. Für die Wiederherstellung der Großen Kaskade, welche die Mittelachse der sechsten Terrasse bildete, fehlte bislang noch das Geld, die öffentlichen Mittel sind ausgeschöpft. Aber die Hoffnung besteht weiterhin, dass das barocke Gesamtkunstwerk in den kommenden Jahren vollendet werden kann.
Da alle Pflanzenbeete mit Originalpflanzen aus der damaligen Zeit bestückt werden und in der Farbgebung sogar der prozentuelle Anteil jeder Farbe mit den entdeckten Dokumenten übereinstimmt, hat der Besucher das Gefühl, in eine andere Zeit versetzt zu sein, mitten in das Barock.
Der Meierhof
Zur Vervollkommnung der barocken Anlage trägt auch der erhaltene und restaurierte Gutshof, der Meierhof, bei. Dort finden sich die Wohnungen der Gärtner, die in der Barockzeit auf Schloss Hof tätig waren, teilweise sogar im Originalzustand erhalten. Spannende Einblicke bieten auch die Töpferwerkstatt oder die Schnapsbrennerei, und das verspielte und romantische „Naschgärtlein“ lädt zum Verweilen und zum Ernten der gereiften Früchte ein.
Auch Haustiere der besonderen Art findet man im Meierhof, und zwar genau die Haustiere, die auch damals bereits in Schloss Hof beheimatet waren: Noniuspferde, Brillenschafe, Kamele und einige der weltweit letzten weißen Esel aus der Österreichisch-Ungarischen Monarchie können dort bewundert werden.
Adel verpflichtet
Unter dem Namen Prinz Eugen (geboren 18.10.1663 in Paris – gestorben 21.04.1736 in Wien) bekannt, war er einer der berühmtesten Feldherren aus dem Hause Österreich, über dessen menschliche und soziale Züge viel gesprochen wurde. Auch als Bauherr und Kunstsammler machte er sich einen Namen und war damit einer der bedeutendsten Mäzene der Barockzeit.
Sein Lieblingsarchitekt war eindeutig Johann Lucas von Hildebrandt, von dem er sich mehrere Schlösser entwerfen ließ. Obwohl er ein so erfolgreicher Feldherr war, stellt sich heute dennoch die Frage, wie er seine Bautätigkeit finanzieren konnte. Auch die Erhaltung der Schlösser muss äußerst kostspielig gewesen sein, unzählige Gärtner und Hausangestellte wurden benötigt, auch wenn das Schloss nicht bewohnt war.
Stararchitekt der Barockzeit
Johann Lucas von Hildebrandt galt als Stararchitekt seiner Zeit. Geboren am 14.11.1668 in Genua, gestorben am 16.11.1745 in Wien war er einer der bedeutendsten und aktivsten Baumeister des Barock. Geprägt haben ihn ganz klar seine Studien in Rom bei Carlo Fontana (linker Brunnen auf dem Petersplatz, Brunnen auf der Piazza di Santa Maria in Trastevere, Sixtinische Kapelle in der Basilica di Santa Maria Maggiore, Taufkapelle im Petersdom, Jesuitenkloster von Loyola in Spanien, Ausbau des Borromäischen Palastes auf der Isola Bella im Lago Maggiore u.v.m.).
Seit 1701 arbeitete Lucas von Hildebrandt in den Diensten des Kaiserlichen Hofes, wo sein Konkurrent der Erste Hofbaumeister Johann Bernhard Fischer von Erlach war. 1720 erfolgte die Aufnahme in den Adelsstand und 1723, nach dem Tod von Fischer von Erlach, wurde er zum Ersten Hofbaumeister ernannt. Sein Wohnsitz befand sich in der Schlösselgasse 12 im heutigen 8. Wiener Gemeindebezirk.
Eine Auswahl der Werke von Johann Lucas von Hildebrandt:
- Stadtpalais des Prinzen Eugen in der Wiener Innenstadt (1695 - 1698)
- Palais Schwarzenberg am Schwarzenbergplatz in Wien (1697 - 1723)
- Peterskirche in der Wiener Innenstadt (1702)
- Schloss Laxenburg in Niederösterreich, südlich von Wien (um 1710)
- Unteres und Oberes Belvedere in Wien (1714 - 1716 und 1721 - 1723)
- Piaristenkirche Maria Treu in der Wiener Josefstadt (8. Bezirk) (1716)
- Gesamtplan für Stift Göttweig in Niederösterreich (1719), Bau 1738 eingestellt
- Reichskanzleitrakt in der Wiener Hofburg (1723 - 1730)
Die Gartenanlage mitsamt dem Schloss vor den Toren von Wien ist vor allem im Frühjahr, Sommer und Herbst einen Besuch wert! Die Blumenpracht ist üppig und verzaubert jeden, der sich in ihren Bann ziehen lässt...
