
- Die Schmuckausgabe der Weihnachtsgeschichte - Oetinger
Jedes Jahr erscheinen zu Weihnachten neue Bücher für Kinder mit Geschichten rund um das Fest. Erwachsene jedoch, erinnern sich auch gerne an die alten, die sie selbst in ihrer Kindheit gelesen haben und von denen einige zu Klassikern wurden. Da bietet sich in der (Vor-)Weihnachtszeit die Gelegenheit, einige gemeinsam mit dem Nachwuchs neu kennenzulernen oder einfach nur für sich selbst wieder zu entdecken. Charles Dickens Weihnachtsgeschichte, Erich Kästners Fliegendes Klassenzimmer oder Astrid Lindgrens Michel muss mehr Männchen machen werden immer wieder neu aufgelegt. Wer sie nicht ohnehin besitzt, weil er sie als Kind geschenkt bekommen hat, muss nur in eine Buchhandlung oder Bibliothek gehen, wo er die Weihnachtsklassiker kaufen oder ausleihen kann.
Weihnachten mit Charles Dickens
A Christmas Carol, auf deutsch Eine Weihnachtsgeschichte, heißt die von Charles Dickens 1843 verfasste Geschichte über Ebenezer Scrooge, einen beinharten Geschäftsmann, für den Weihnachten bislang lediglich bedeutete, dass man kein Geld verdient. Eines Tages aber, sucht ihn an Heiligabend der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Marley heim und mahnt ihn zur Umkehr. Auf Marley folgen die Geister der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Weihnacht und was Scrooge mit ihnen erlebt, ist nicht angenehm: Er blickt zurück auf seine Kindheit, sieht wie sein armer Schreiber Cratchit und sein von ihm ignorierter Neffe mit ihren Familien Weihnachten feiern, erlebt schließlich seinen eigenen Tod und muss feststellen, dass niemand um ihn trauert. Als er am Weihnachtstag erwacht ist es noch nicht zu spät, um Cratchit einen riesigen Truthahn liefern zu lassen, das Fest im Hause seines Neffen zu feiern und ein besserer Mensch zu werden.
Dickens Weihnachtsgeschichte gehört auch heute noch zu den bekanntesten Weihnachtsgeschichten nicht nur für Kinder – manche Anspielungen, etwa jene auf Hamlets Vater, dürften Kinder sogar überfordern −sondern auch für Jugendliche und Erwachsene. Der poetischen Qualität taten auch die geschäftlichen Interessen des Autors keinen Abbruch. Dickens, so heißt es in der dtv-Ausgabe der Weihnachtserzählungen, die alle fünf noch bekannten Weihnachtserzählungen des Schriftstellers enthält, schrieb „als einer der ersten Autoren termingerecht für das buchhändlerische Saisongeschäft“. Für Dickens, der aus einem verschuldeten Elternhaus stammte, spielten „geschäftliche Erwägungen“, wie Siegfried Schmitz im Nachwort schreibt, „stets eine gewisse Rolle, so auch hier“. Die Weihnachtsgeschichte verkaufte sich gut und so veröffentlichte er auch in den folgenden drei Jahren zu Weihnachten jeweils eine Erzählung, eine weitere erschien mit einem Jahr Abstand 1848, später veröffentlichte er sie zusammen in dem Buch Weihnachtserzählungen.
Erhältlich sind die Weihnachtsgeschichte und die Weihnachtserzählungen in verschiedenen Ausgaben. Hier eine Auswahl:
- Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte. Vierfarbig illustrierte Schmuckausgabe für alle Altersstufen, 160 Seiten, erschienen im September 2007 im Dressler Verlag, Preis: 19,90 Euro.
- Charles Dickens: Eine Weihnachtsgeschichte. Für Kinder ab 10 Jahren, 152 Seiten, 5. Auflage, erschienen 2009 im Arena Verlag, Preis: 7,95 Euro.
- Charles Dickens: Weihnachtserzählungen. Mit den Illustrationen der Erstausgaben, 592 Seiten, 21. Auflage, erschienen im Januar 2010 im dtv Verlag, Preis 9,90 Euro.
Martin Thaler fährt Weihnachten doch nach Hause
Ein geläuterter Ebenezer Scrooge steht Martin Thaler aus Erich Kästners 1933 erschienenem Roman Das fliegende Klassenzimmer nicht zur Verfügung, dafür aber der Hauslehrer Dr. Bökh, seiner Gerechtigkeit wegen Justus genannt. Er schenkt Martin das Geld für eine Fahrkarte, das seine armen Eltern nicht aufbringen können, damit er über Weihnachten aus dem Internat nach Hause fahren kann. So kommt Martin am Heiligabend doch noch zuhause an und sorgt für ein Lachen und Weinen zugleich und für ein glückliches Ende des Romans, der damit beginnt, dass Kästners Mutter von ihrem Sohn verlangt, nun endlich die Weihnachtsgeschichte zu schreiben, die er schon in den vorangegangenen Jahren schreiben wollte. Doch wo schreibt man mitten im heißen August eine Weihnachtsgeschichte? Der Beamte am Fahrkartenschalter erklärt Mutter Kästner, auf der Zugspitze liege auch im August Schnee und so fährt er los, um am Fuße der Zugspitze seine Weihnachtsgeschichte zu schreiben, die von Internatsschülern, deren Angst und Mut, von Herausforderungen und Zusammenhalt und eben von Weihnachten handelt
Erich Kästner war nicht nur Kinderbuchautor, aber seine größten Erfolge feierte er doch mit seinen Geschichten, die er für Kinder schrieb. Das fliegende Klassenzimmer hat seinen Zauber bis heute nicht verloren und er selbst, so heißt es in der gebundenen Ausgabe des Oetinger Verlags, soll die Internatsgeschichte für sein bestes Kinderbuch gehalten haben.
- Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer. Für Kinder ab 10 Jahren, 176 Seiten, 162. Auflage, erschienen 2006 im Dressler Verlag, Preis: 12 Euro.
Michel aus Lönneberga beschert die Armen
Michel muss man eigentlich nicht vorstellen, wer kennt nicht den Lausebengel, der mit seinen Eltern, Schwester Ida, dem Knecht Alfred und der Magd Lina auf dem Katthult-Hof im Dorf Lönneberga in Småland lebt. Obwohl Michel berühmt dafür ist, dass er ständig Unfug anstellt, hat er im Grunde ein großes Herz und dieses zeigt sich auch in Michel muss mehr Männchen machen, denn Michel bringt zu Weihnachten einen von seiner Mutter gefüllten Korb mit Lebensmitteln ins Armenhaus. Als er erfährt, dass die Aufseherin Maduskan alles für sich behalten hat, ist Michel erbost. Er lockt sie aus dem Haus und bringt gemeinsam mit Alfred die Armen auf den Katthult-Hof, wo er sie − die Eltern sind ja nicht da – verköstigt. Klein Ida ist sich nicht sicher, ob das nicht doch ein Streich ist, denn eigentlich waren die leckeren Speisen für die Verwandten gedacht, die für den folgenden Tag angekündigt sind. Michel aber findet, diese seien dick genug und besser sei das Essen in den Mägen der Armen aufgehoben. Und dann fällt Maduskan auch noch in seine Werwolfsfalle.
Astrid Lindgrens in den 60er Jahren entstandene, jedoch wohl einige Jahrzehnte früher spielende Erzählungen über Michel, der eigentlich Emil heißt und bei uns umgetauft wurde, um Verwechslungen mit Erich Kästners Emil zu vermeiden, sind bis heute sehr beliebt. Das liegt wohl daran, dass der angeblich so schreckliche Michel nur in den Augen engstirniger Erwachsener schrecklich ist, in Wahrheit ist er sehr gutherzig und seine Streiche unterlaufen ihm eher versehentlich. So etwas gefällt Kindern – und vielen Erwachsenen auch.
- Astrid Lindgren: Michel muss mehr Männchen machen. Für Kinder ab 8 Jahren, 144 Seiten, 8. Auflage, erschienen im Februar 1990 im Oetinger Verlag, Preis: 9,90 Euro.
