Geschichten und Mythen um den Storch

Adebar - Störche am Horst - Heike Dommnich
Adebar - Störche am Horst - Heike Dommnich
"Auf unsrer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe..." Dies Kinderlied vom Storch kennt jeder. Er bringt kleine Kinder sowie Glück und kann noch viel mehr.

Der Weißstorch zählt zu den gut erforschten Tieren im Tierreich. Er brütet in der Nähe der Menschen und ist doch ein Wildtier geblieben. Vom März bis August ziehen die Störche ihre Jungen groß. Drei bis sechs Eier hat die Störchin dann gelegt. Nach dem Ausschlüpfen werden die schnell heranwachsenden Küken liebevoll von beiden Eltern betreut. Seit jeher ranken sich Mythen um den Storch. In Europa ist er allerdings erst weit verbreitet, seit die Menschen durch massive Waldrodungen für den entsprechenden Lebensraum sorgten. Diese begannen zwischen 1000 und 1350 nach Christus. Durch die Rodungen entstand offenes Grünland, in dem der Storch nach Nahrung sucht.

Mythos vom kinderbringenden Storch

Es steht nirgends in einem Märchen oder in alten, überlieferten Schriften, dass der Storch die Kinder bringt. Dennoch wird von Generation zu Generation immer noch diese Geschichte erzählt. Zahlreiche Glückwunschkarten zur Geburt eines Kindes zieren sich mit dem Symbol des Storches. Vielleicht liegt es daran, dass mit der Ankunft der Störche im Frühjahr der Beginn neuen Lebens verbunden wird. Erinnern Sie sich an Kindersprüche wie „Storch, Storch guter, bring mir einen Bruder“ oder „Storch, Storch bester, bring mir eine Schwester“. Wenn eine Frau ein Kind bekam, erzählten die Erwachsenen den Kindern, sie wurde vom Storch ins Bein gebissen. Da lag es nahe, dass sie eine Weile krank im Bett lag. Dass der Storch schon lange mit der Geburt in Verbindung gebracht wird, zeigt auch die griechische Göttin Hera. Sie ist die Göttin für Ehe und Geburt und achtete den Storch als heiliges Tier.

Störche als Glücksbringer

Störche bringen Glück. Der in Norddeutschland verbreitete Name Adebar bedeutet Glücksbringer. Sie gelten in vielen Ländern als solche. In Dänemark ist zwar der Höckerschwan das offizielle Nationaltier, der Storch hat sich jedoch als heimliches Nationaltier erhalten. Häuser, auf denen ein Storchenpaar seinen Horst errichtet, sollen vor Blitzschlag geschützt sein. Auch ist die Treue der Tiere bei den Menschen hoch angesehen. Laut NABU wird diese jedoch überschätzt. Der Storch ist zwar seinem Brutort treu, aber nicht immer seinem Partner. Seit jeher verbinden die Menschen auch Reinheit, Fruchtbarkeit, Freude, Traditionsbewusstsein, Liebenswürdigkeit und weitere positive Eigenschaften mit dem Storch. Damit erklärt sich auch, warum der stolze Vogel sehr häufig als sympathieträchtiges Symbol in der Werbung eingesetzt wird. In vielen Gedichten und einigen Kinderliedern hat sich der Storch verewigt.

Der Storch in China und bei den Muslimen

Im alten China galt der Storch als Sinnbild für die Langlebigkeit. Dies geht vermutlich auf sein langes Festhalten am einmal gewählten Brutplatz zurück. So ganz stimmt dieses Sinnbild nicht. Von den inzwischen zahlreich beringten Störchen ist selten mal einer älter als 20 Jahre alt geworden.

In der arabischen Welt herrscht der Volksglauben, dass ein Storch die Seele eines verstorbenen Menschen verkörpert, der es in seinem Leben nicht schaffte, nach Mekka zu pilgern. Diese nehmen die Reise nun als Storch auf sich. Daher haben alle Muslime vor den Störchen großen Respekt. Kein Muslim würde einen Storch töten.

Eigenheiten bei den Störchen

Bevor Störche in den Süden ziehen versammeln sie sich zahlreich. Dabei werden schwache und verhaltensabweichende Tiere vertrieben, teilweise auch mit harten Gefechten. Diese Tötung der Artgenossen prägte den Begriff „Storchengericht“.

Sterben im Storchennest Jungvögel, so werden diese, wenn sie noch nicht zu groß sind, von den Alttieren gefressen. Es kommt auch vor, dass ein Alttier einen kranken oder schwachen Jungvogel frisst. Diese Verhaltensweise nennt man Kronismus, nach dem Göttervater Kronos, der seine Kinder, die Geschwister Zeus, selbst verzehrt hat.

Bezeichnend für Störche ist deren Fürsorge beider Eltern für die Jungen. In den ersten Wochen nach dem Schlüpfen der Jungen fliegt ein Partner auf Futtersuche aus und der andere bewacht in der Zeit den Horst. Fällt nun einer von beiden aus, verhungern die Jungen, denn der Wachhabende verlässt das Nest nicht.

Quellen und weitere Informationen:

  • Urania Tierreich Band Vögel
  • Webseite der dänischen Stadt Ribe
  • Webseite hopsala.de und gedichte-schmieden.de
  • Nabu-Artikel von Alfons R. Bense in „Naturschutz heute“
Heike Dommnich, Heike Dommnich

Heike Dommnich - Heike Dommnich schreibt als freie Autorin für verschiedene Internetportale, fotografiert als gärtnernde Imkerin vor allem ...

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