Gonorrhoe, oder umgangssprachlich auch Tripper genannt, ist eine der häufigeren Geschlechtskrankheiten und wird durch eine bakterielle Infektion verursacht. Sie zählt neben Syphilis und den in Europa inzwischen seltenen Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum zu den klassischen sexuell übertragbaren Krankheiten STD.
Epidemiologie: Erreger, Verbreitung und Ansteckung mit Tripper
Gonorrhoe wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt, verursacht. Das Bakterium ist weltweit verbreitet. Gonorrhoe tritt nur beim Menschen auf.
In Westeuropa liegt die Inzidenz für Tripper, also die Zahl derer, die sich pro Jahr neu mit der Krankheit infizieren, bei etwa 5 Personen pro 100.000 Einwohnern. In Osteuropa etwa bei 20 pro 100.000. Da Tripper allerdings seit Beginn des neuen Jahrtausends in Deutschland nicht mehr meldepflichtig ist, gibt es nur eine unzureichende Erfassung und es wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Auch muss beachtet werden, dass die Werte bei verschiedenen Gruppierungen, etwa bei Personen mit hohem Partnerwechsel weitaus höher liegen können.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch ungeschützten Sex, wobei diese nicht nur bei genitalem, sondern auch bei oralem oder rektalem Kontakt stattfinden kann. Andere Ansteckungsarten, wie etwa Schmierinfektionen, sind theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich, da das Bakterium außerhalb des Körpers sehr schnell durch Licht, Trockenheit und Kälte inaktiviert wird. Auch kann bei einer infizierten Mutter die Krankheit während der Geburt auf das Kind übertragen werden.
Symptome und Folgen der Gonorrhoe
Bei etwa 25% der infizierten Männer und 50% der infizierten Frauen treten keine Symptome auf, sie können aber die Bakterien übertragen. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Eindringen des Erregers und Auftreten der ersten Symptome, beträgt etwa 2-7 Tage. Die klassische Gonorrhoe kann dann in eine akute und eine chronische Phase unterteilt werden.
Die akute Infektion beginnt meist mit einer Urethritis, einer Entzündung der Harnröhre, bei Mann und Frau. Es kann zu Schmerzen beim Harnlassen sowie einer Rötung und Schwellung kommen. Des Weiteren tritt ein eitriger Ausfluss aus der Harnröhre auf. Bei der Frau verläuft die Krankheit meist gutartiger als beim Mann, weshalb sie auch oftmals unerkannt bleibt. Sollte es allerdings zur Entzündung der Bartholin-Drüsen der Vagina kommen, also einer Bartholinitis, so ist der Verlauf sehr schmerzhaft.
Bei unbehandelter Infektion klingen die lokalen Symptome der akuten Phase nach etwa 4-6 Wochen langsam ab und die Krankheit kann in die chronische Phase übergehen, in welcher sich der Erreger weiter im Gewebe ausbreitet.
Beim Mann kommt es dabei als Folge meist zu einer Prostatitis, einer Entzündung der Prostata sowie einer Epididymitis, einer Entzündung des Nebenhodens. In seltenen Fällen können diese Entzündungen auch zu Unfruchtbarkeit führen. Der Ausfluss wird schleimiger und tritt oftmals nur noch als „Bonjour-Tröpfchen“ vor dem ersten Harnlassen an der Spitze der Harnröhre auf.
Bei Frauen sind die möglichen Folgen zwar seltener, aber meist schmerzhafter. Es kann zu einer Entzündung der Eierstöcke und in seltenen Fällen auch des Bauchfells kommen. Die Symptome können sich während der Regel auch noch verstärken. Als schwerwiegende Komplikation kann eine Entzündung der Eierstöcke zu deren Verklebung und in weiterer Folge zu Sterilität führen.
Komplikationen und Sonderformen der Gonorrhoe
In seltenen Fällen, etwa bei 1-3% aller Infektionen, gelangen die Erreger auch ins Blut und können sich somit im Körper verteilen. Als Folge kann eine Arthritis auftreten, eine Gelenksentzündung, wobei meist die Kniegelenke betroffen sind. Des Weiteren kann es zu einer Konjunktivitis, einer Entzündung der Augenbindehaut und in seltenen Fällen zu einer Entzündung am Herzen kommen.
Die Gonorrhoe kann auch an Stellen außerhalb der Genitale auftreten, etwa am Rektum oder im Rachen. In den meisten Fällen machen diese extragenitalen Infektionen jedoch keine oder eher milde Symptome, so dass eine Diagnose meist nicht gestellt wird. Die Krankheit heilt nach einigen Wochen oft von selbst ab, in dieser Zeit sind die Betroffenen jedoch ansteckend.
Eine Sonderform der extragenitalen Infektion stellt jedoch die Entzündung der Augen dar. Die Erreger gelangen oftmals über Reibung mit kontaminierten Händen in die Augen. Eine Infektion kann symptomlos verlaufen, aber auch schwere Symptome ausbilden. Vor allem eine Rötung und Schwellung der Augenlider sowie Eiterbildung an den Augen können auftreten. In diesen Fällen sollte so bald wie möglich ein Arzt aufgesucht werden, um schlimmere Folgen zu vermeiden.
Tripper bei Schwangeren
Eine Gonorrhoe in der Schwangerschaft kann ernsthafte Folgen auch für den Fötus haben. Sollte sich die Entzündung etwa auf die Eileiter oder das Bauchfell ausbreiten, so kann dies in der frühen Schwangerschaft zu einem Verlust des Babys führen.
Bei der Geburt selbst kann das Neugeborene durch Kontakt mit der mütterlichen Gebärmutter- und Vaginalschleimhaut mit dem Erreger infiziert werden. Besonders die Augen sind hierbei gefährdet. Schlimmstenfalls kann eine Augeninfektion beim Neugeborenen zur Blindheit führen. Um das Kind davor zu schützen, werden meist nach der Geburt antibiotische Augentropfen gegeben, welche die Bakterien aufhalten sollen.
Therapie und Prophylaxe bei Tripper
Zur Therapie der Gonorrhoe wurden früher Antibiotika der Gruppe der Penicilline eingesetzt. Da es aber eine zunehmende Resistenzentwicklung der Bakterien gegen diese Art der Antibiotika gibt, werden heute als Therapie der Wahl bei Erwachsenen Antibiotika der Cephalosporingruppe verabreicht. Jedoch ist auch hier der Anteil der resistenten Bakterien am Zunehmen.
Bei einer Behandlung sollten auch der oder die letzten Sexualpartner mitbehandelt oder zumindest untersucht werden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Als wirksamste Schutzmaßnahme gilt nach wie vor das Kondom.
Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.
Verwendete Literatur:
Herbert Hof, Rüdiger Dörries; Medizinische Mikrobiologie – Duale Reihe; 4. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009
Gerd Herold und Mitarbeiter; Herold - Innere Medizin 2009; Selbstverlag
