Die Lymphogranuloma venereum, auch venerisches Granulom, Lymphopathia venerea, Lymphogranuloma inguinale oder Nicolas-Durand-Favre-Krankheit genannt, ist eine durch Bakterien übertragene Infektionskrankheit, deren Infektion vor allem bei sexuellen Kontakten erfolgt. Sie gehört wie die Syphilis, die Gonorrhoe und das ebenfalls seltene Ulcus molle zu den klassischen Geschlechtskrankheiten. In Europa tritt sie eher selten auf und führt bei Infektion meist zu Entzündungen im Genitalbereich und einer Schwellung der Lymphknoten.
Epidemiologie: Erreger und Verbreitung
Die Lymphogranuloma venereum wird durch Bakterien der Gruppe der Chlamydien ausgelöst. Es handelt sich hierbei um die Unterarten L1-L3 der Gattung Chlamydia trachomatis. Laut der WHO machen Infektionen mit Chlamydia trachomatis weltweit die häufigsten durch Bakterien verursachten sexuell übertragbaren Krankheiten aus. Hauptsächlich handelt es sich dabei aber um die Unterarten D-K, welche vor allem Entzündungen der Harnröhre verursachen und A-C, welche als Hauptursache für das Trachom, eine Entzündung des Auges, gelten.
Lymphogranuloma venereum tritt vor allem in warmen tropischen Gebieten auf. Hauptbetroffen sind Regionen in Afrika, Asien und Südamerika sowie Teile der Karibik. Besonders in jenen Ländern mit niedrigem sozialem Status liegt sie oft endemisch vor. Die Inzidenz, also die Anzahl der Neuerkrankungen, ist jedoch laut Robert-Koch-Institut seit Jahren am Abnehmen.
In Europa kommen immer wieder vereinzelte Ausbrüchen der Krankheit vor. 2004 kam es etwa in den Niederlanden und Frankreich mit jeweils rund 100 Betroffenen zu einer kleinen Epidemie, die sich im darauf folgenden Jahr verstärkte und auch auf andere Länder wie Großbritannien und Deutschland ausbreitete. Die Gesamtzahl der Betroffenen blieb aber relativ gering. So verzeichnete beispielsweise Großbritannien bis 2007 insgesamt 648 Fälle und war damit Spitzenreiter. Da Infektionen mit Chlamydien aber in Deutschland, wie auch in vielen anderen europäischen Staaten, nicht meldepflichtig sind, beruhen die aktuellen Zahlen meist auf Schätzungen und Erhebungen. Über die aktuelle Situation in Europa, speziell in Deutschland, informiert die Homepage des Robert-Koch-Institutes.
Ansteckung und Symptome
Die Übertragung der Lymphogranuloma venereum findet durch sexuellen Kontakt hauptsächlich bei ungeschützten Geschlechtsverkehr statt. Eine Risikogruppe in Europa stellen dabei Männer, die homosexuellen Geschlechtsverkehr praktizieren, dar. Besonders sie waren auch von den Ausbrüchen in Europa 2004/05 betroffen. Ebenfalls haben Personen mit einer HIV-Infektion aufgrund ihres geschwächten Immunsystems ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Nach einer Inkubationszeit von etwa 3-12 Tagen kommt es am Infektionsort zum Auftreten der Primärläsion. Es handelt sich dabei um ein schmerzloses Bläschen, welches nach einer Weile in ein oberflächliches Geschwür übergeht. Ohne Behandlung bildet sich dann nach etwa 3-4 Wochen das Sekundärstadium aus. Es tritt dabei eine schmerzhafte Schwellung der lokalen Lymphknoten auf, oft verbunden mit Fieber, Muskelschmerzen und Hautrötung. Meist ist hiervon die Leistenregion betroffen.
In Folge kann die Krankheit in ein chronisches Stadium übergehen, bei dem es zu einem Verschluss der Lymphbahnen kommt. Die Lymphe kann somit nicht mehr abfließen und eine Elephantiasis der betroffenen Gebiete, etwa der Schamlippen oder des Skrotums, kann entstehen. Unter einer Elephantiasis versteht man eine abnorme Vergrößerung von Körperteilen aufgrund eines Lymphstaus. Eine weitere mögliche Komplikation ist eine chronische Entzündung des Darms.
Therapie und Schutz
Die Standardtherapie bei einer Infektion mit Chlamydien ist die Gabe von Antibiotika der Gruppe der Tetrazykline oder der Makrolide. Aufgrund der Möglichkeit des Wiederauftretens der Erkrankung bei unzureichender Therapiedauer empfiehlt das Robert-Koch-Institut eine mindestens 14 Tage anhaltende Behandlung. Um eine Rückinfektion sowie die Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern, sollten auch der oder die Sexualpartner der letzten 60 Tage untersucht und behandelt werden.
Eine Impfung gegen Chlamydieninfektionen existiert momentan noch nicht, allerdings wird in diese Richtung geforscht. Die wirksamste Schutzmaßnahme besteht jedoch in der Verwendung von Kondomen und einer gewissen Achtsamkeit bei wechselnden Sexualpartnern.
Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.
Verwendete Literatur:
Robert-Koch-Institut: Merkblätter für Ärzte: Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis
Herbert Hof, Rüdiger Dörries; Medizinische Mikrobiologie – Duale Reihe; 4. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009
E. J. Savage, M. J. van der Laar und Mitarbeiter; Lymphogranuloma venereum in Europe, 2003-2008; Eurosurveillance; December 2009; Volume 14; Issue 48
WHO-Initiative for Vaccine Research (IVR): Sexually Transmitted Diseases – Chlamydia trachomatis
