Geschlechtskrankheit Syphilis: Übertragung, Symptome und Therapie

Infektionen mit der Infektionskrankheit Syphilis sind in den letzten Jahren wieder am zunehmen, können in den meisten Fällen aber leicht behandelt werden.

Syphilis auch Lues, Lues venerum oder harter Schanker genannt, zählt neben der Gonorrhoe und den in Europa nur noch selten vorkommenden Ulcus molle und Lymphogranuloma venereum zu den klassischen Geschlechtskrankheiten. Es handelt sich um eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, welche in drei Stadien ablaufen und im Endstadium zur Zerstörung des Nervensystems führen kann.

Epidemiologie: Geschichte, Erreger und Vorkommen der Syphilis

Über die Ursprünge der Syphilis besteht bis heute Unklarheit. Ihre Verbreitung in Europa betreffend haben sich verschiedene Theorien herausgebildet. Die präkolumbianische Theorie geht davon aus, dass die Syphilis bereits in der Antike in Europa verbreitet gewesen ist, wohingegen die kolumbianische Theorie besagt, dass sie durch Matrosen im Gefolge Christoph Kolumbus aus Amerika eingeschleppt wurde. Die erste gesicherte Epidemie in Europa fand in den Jahren 1449 und 1495 ihren Ursprung bei der Belagerung von Neapel durch den französischen König Karl VIII. Durch sie erhielt die Syphilis auch den Beinamen Französische Krankheit oder malade francais.

Der Erreger der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum subspecies pallidum. Es hat als einziges Reservoir den Menschen und kann außerhalb des menschlichen Organismus nur kurze Zeit überleben. Die Bakterien sind weltweit verbreitet und sehr ansteckend. Die WHO geht von rund 12 Millionen Fällen pro Jahr aus.

In Deutschland gibt es nach Angaben des Robert-Koch-Institutes seit 2001 wieder einen relativ starken Anstieg an Neudiagnosen mit Syphilis. Da es sich bei einem Großteil der Neudiagnosen um eine Übertragung durch homosexuellen Geschlechtsverkehr unter Männern handelt, nimmt man als Ursache ein möglicherweise gestiegenes sexuelles Risikoverhalten in dieser Gruppe an. Auch bei HIV-positiven Männern wurden steigende Infektionszahlen mit Syphilis in den letzten Jahren registriert und auch hier mit einer Zunahme ungeschützten Geschlechtsverkehrs, etwa bei einem ebenfalls HIV-positiven Partner, erklärt. Genaue und aktuelle Daten und Fakten können auf der Homepage des Robert-Koch-Institutes eingesehen werden.

Ansteckung und Infektion mit Syphilis

Die Syphilis wird in den meisten Fällen durch ungeschützte Sexualkontakte übertragen. Meist kommt es dabei zu kleinen Verletzungen, sogenannten Mikroläsionen, auf Haut und Schleimhäuten und das Bakterium kann in den Organismus eindringen. Der ungeschützte Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person führt in etwa 30% zu einer Infektion.

Die Übertragung durch infizierte Nadeln oder Gegenstände ist theoretisch auch möglich, kommt aber nur sehr selten vor. Dank ausgeprägter Testverfahren bei Blutprodukten ist die Übertragung der Syphilis etwa bei der Bluttransfusion in Deutschland und in den Ländern mit ähnlichem Testaufwand sehr unwahrscheinlich. In Deutschland gab es seit 20 Jahren keinen solchen Fall mehr.

Bei Schwangerschaft kann das Bakterium ebenfalls auf das Kind übertragen werden. Der Erreger kann über die Plazenta, meist nach dem 4. Schwangerschaftsmonat, auf den Fötus übergreifen und diesen infizieren. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, diese Form der Syphilis, auch Lues connata genannt, weltweit zu verhindern. Kommt es aber zu einer Infektion des Fötus, so führt diese entweder zu dessen Tod oder zur Geburt eines schwer körperlich und geistig behinderten Kindes.

Symptome und Stadien der Syphilis

Nur bei etwa der Hälfte aller Infektionen kommt es zum Ausbruch von Symptomen. In der Regel laufen diese dann unbehandelt in drei Stadien ab. Im Primärstadium, auch Lues I genannt, kommt es nach einer Inkubationszeit von etwa 3 Wochen zum Auftreten erster Symptome. An der Infektionsstelle bildet sich der sogenannte Primäraffekt aus. Es handelt sich hierbei um ein hoch ansteckendes, schmerzloses Geschwür welches auch als harter Schanker oder Ulcus durum bezeichnet wird. In weiterer Folge kommt es zu einer schmerzlosen Anschwellung der in dieser Region befindlichen Lymphknoten. Nach etwa 4 Wochen klingt die erste Phase wieder ab.

Etwa 4-8 Wochen später entwickelt sich dann das Sekundärstadium, auch Lues II genannt. Es kommt zu einer Verbreitung der Erreger über Lymph- und Blutbahnen. Symptome treten in dieser Phase entweder gar keine auf oder sie entsprechen unspezifischen Allgemeinsymptomen. Es kann zu Fieber, Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen kommen. Die Lymphknoten im ganzen Körper können vergrößert sein. Als typisches Symptom kann sich ein juckender Hautausschlag vor allem am Rumpf, den Beugeseiten der Extremitäten sowie den Handflächen und Fußsohlen bilden. Auch kann es zum Auftreten kleiner Knötchen besonders in den Hautfalten und bei den Schleimhäuten zur Bildung grauweißlicher Flecken kommen. Auch diese Phase ist hochansteckend und klingt in der Regel nach etwa 2-3 Wochen von selbst wieder ab.

In den folgenden Jahren kann es immer wieder zu einem Aufflackern des Sekundärstadiums kommen, es kann sich aber auch das Tertiärstadium, die Lues III ausbilden. Die Syphilis hat sich in diesem Stadium bereits auf den ganzen Körper verteilt, das Immunsystem hat jedoch die meisten Erreger beseitigen können. Nur noch Restpopulationen sind vorhanden, welche die Entzündung aufrecht erhalten. Als Folge der Entzündungen kommt es aber zur Bildung von Knoten gummiartiger Konsistenz in den Organen und auch an den Knochen sowie von narbenartigen Geschwüren an der Haut. Bei einer Knotenbildung auf der Aorta besteht die Gefahr einer Aortaruptur, eines Zerreißens der Hauptschlagader.

Komplikationen, Therapie und Prophylaxe bei Syphilis

Bei etwa 15-40% der unbehandelten Infektionen kommt es zum Eindringen der Bakterien in das Zentralnervensystem und somit zur möglichen Ausbildung einer Neurosyphilis. Es kann zu einem fortschreitenden Abbau des Nervensystems kommen, der mit Bewusstseins- und Sprachstörungen sowie Problemen bei der Bewegungskoordination einhergehen kann. Auch eine Degeneration des Rückenmarks mit Sensibilitätsstörungen an Unterbauch und Beinen ist möglich.

Die Therapie der Wahl bei Syphilis, egal in welchem Stadium, ist die Gabe von Antibiotika der Gruppe der Penicilline. Resistenzen der Erreger gegen das Medikament sind bisher keine bekannt. Als mögliche Nebenwirkung kann aufgrund des plötzlichen Absterbens der Erreger im Blut eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion auftreten. Diese äußert sich meist durch eine anaphylaktisch Reaktion mit Schüttelfrost, Fieber und Kopfschmerzen und kann mit Kortikosteroiden behandelt werden.

Eine Impfung als Prophylaxe existiert nicht. Als besten Schutz vor der Infektion mit Syphilis gilt das Vermeiden von Risikosituationen, insbesondere durch Verwenden von Kondomen bei sexuellen Kontakten. Wichtig ist auch das gleichzeitige Behandeln des oder der letzten Sexualpartner.

Bitte beachten Sie, dass Suite101-Artikel niemals fachlichen Rat – zum Beispiel durch einen Arzt – ersetzen können.

Verwendete Literatur:

Herbert Hof, Rüdiger Dörries; Medizinische Mikrobiologie – Duale Reihe; 4. Auflage; Georg Thieme Verlag Stuttgart 2009

Robert-Koch-Institut: Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblatt für Ärzte: Syphilis (Lues)