
- Geschlossene Fonds investieren z. B. in Windkraft - pastitio
Geschlossene Fonds machen es auch Privatpersonen möglich, sich an Projekten zu beteiligen, für die ihnen normalerweise das Geld fehlen würde. Die Investitionsobjekte können dabei unterschiedlichster Natur sein. Sie reichen von Immobilien über Schiffe bis hin zu Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie (etwa Windkraftanlagen). Geschlossene Fonds sind langfristige Anlageobjekte, die eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren haben können. Als Teilhaber tragen Anleger zwar das Risiko eines Komplettverlusts, haften aber maximal bis zur Höhe ihrer Einlage. Nicht immer bestätigen sich dabei die prognostizierten Renditen von etwa fünf Prozent, mit denen die großen Emissionshäuser werben. Trotzdem können sich Investitionen in wirtschaftlich sinnvolle Objekte langfristig positiv entwickeln.
Geschlossene Fonds und wie sie funktionieren
Das ausgebende Emissionshaus (Initiator) gründet zunächst eine Personengesellschaft (meist KG) und erstellt ein genehmigungspflichtiges Verkaufsprospekt. Im Anschluss daran beginnt die Zeichnungsphase, während der sich interessierte Anleger an den Objekten beteiligen können. Wurde das benötigte Kapital beschafft, wird der Fonds geschlossen. Daraufhin werden die vereinbarten Objekte, meist unter Aufnahme weiterer Kredite, gekauft (die Fremdkapitalquote beträgt bei vielen geschlossenen Fonds etwa 40 bis 70 Prozent). Der Initiator beteiligt die Gesellschafter in jährlichen Ausschüttungen an den Einnahmen.
Die Mindesteinlage beträgt bei geschlossenen Fonds meist zwischen 5.000 und 20.000 Euro (zuzüglich eines Ausgabezuschlags von bis zu fünf Prozent). Die vereinbarte Laufzeit der Beteiligung beträgt oft mehr als zehn Jahre. En Ausstieg ist häufig frühestens nach fünf Jahren möglich. Die meisten Emissionshäuser investieren, je nach Vertrag, lediglich 95 bis 85 Prozent der Einlagen in den Erwerb der vereinbarten Objekte. Der Rest wird zur Deckung der Nebenkosten, wie Vertriebskosten, verwendet (Weichkosten).
Woran sind geschlossene Fonds zu erkennen?
Da geschlossene Fonds bei Privatanlegern als relativ riskant gelten, werden sie nicht immer als solche beworben. Mangels gesetzlicher Definition sind sie manchmal lediglich anhand typischer Merkmale geschlossener Beteiligungen zu erkennen. Hierzu zählen:
- Finanzierung genau festgelegter Objekte
- Anleger werden Gesellschafter einer Personengesellschaft und müssen einen Gesellschaftervertrag akzeptieren
- Das Kapitalvolumen des Fonds ist genau festgelegt
- Nach erreichen der benötigten Summe wird der Fonds geschlossen, das heißt eine Beteiligung ist, bis auf Ausnahmen, nicht mehr möglich
- Ein Mittelverwendungsplan regelt Art und Umfang der Investitionen
Chancen geschlossener Fonds
Für geschlossene Fonds existieren, neben dem Umfang des Verkaufsprospektes, keine Vorgaben oder staatlichen Kontrollen. Defacto kann also jeder solch einen Fonds gründen. Erwerben Anleger ihre geschlossenen Beteiligungen bei großen Emissionshäusern, wie MPC oder HCI, können sie zumindest sicher sein, nicht auf schwarze Schafe hereinzufallen.
Die Risiken sind nicht bei allen geschlossenen Fonds als gleich hoch einzustufen. Längst haben sie sich als langfristige Ergänzung der persönlichen Anlagestrategie bewährt. Zu den Chancen zählen:
- Beteiligung an Großprojekten mit relativ niedrigen Beträgen und sich daraus ergebende Gewinnausschüttungen
- Steuerliche Vorteile aufgrund niedrig zu besteuernder oder steuerfreier Ausschüttungen
- Hohe Transparenz, da Anleger über Art und Umfang der Investitionsobjekte aufgeklärt werden
- Geringerer Verwaltungsaufwand des Anlegers im Vergleich zu direkten Investitionen
- Die persönliche Haftung ist, in der Regel, auf die Höhe der Einlage begrenzt, wodurch das Verlustrisiko gut abschätzbar ist
Geschlossene Fonds bergen auch Risiken
Wie bei allen Anlageformen, bergen auch Investitionen in geschlossene Fonds Risiken. Allerdings können diese durch eine sorgfältige Auswahl, häufig bereits im Vorhinein minimiert werden. Folgende Punkte gilt es zu beachten:
- Es existiert keine Einlagensicherung, was bei bestimmten wirtschaftlichen Entwicklungen zum Totalverlust führen kann
- Staatliche Kontrollen und Reglementierungen fehlen
- Jeder kann geschlossene Fonds auflegen und Beteiligungen daran vertreiben
- Das investierte Kapital ist langfristig gebunden, eine Kündigung innerhalb der ersten Jahre oft nicht möglich
- Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte der Anleger beschränken sich häufig auf die Gesellschafterversammlung
- Haftungsrisiken sollten auf die Einlage beschränkt sein. Eine Nachschusspflicht ausgeschlossen werden. Versäumt der Anleger die Prüfung dieser Vertragspunkte, kann er Gefahr laufen sich finanziell zu übernehmen
Risiken geschlossener Fonds richtig einschätzen
Bevor Anleger in geschlossene Fonds investieren, sollten sie diese einer Risikoprüfung unterziehen. Dadurch kann das Risiko von Fehlentscheidungen deutlich gesenkt werden, auch wenn sie zur Bewertung möglicher Verlustrisiken ungeeignet sind. Nur wenn die ermittelten Risiken zur persönlichen Anlagestrategie passen, sollte man sich eine Investition in den betreffenden Fonds überlegen. Eine Risikoprüfung sollte folgende Punkte beinhalten:
- Leistungsbilanz des Emissionshauses
- Laufzeit
- Ausgabeaufschlag
- Höhe der Weichkosten
- Nennung der Investitionsobjekte im Prospekt (gegebenenfalls Hintergrundinformationen)
- Garantien
- Fremdkapitalquote
- Anzahl der Investitionsobjekte im Fonds
- Rechtsform
- Möglichkeiten Anteile vorzeitig zu verkaufen
Sonderfall Projektentwicklungsfonds
Auch Projektentwicklungsfonds zählen zu den geschlossenen Fonds. Allerdings steht hier das Investitionsobjekt bei Ausgabe noch nicht fest. Auch über das Investitionsvolumen kann bei Projektentwicklungsfonds zu diesem Zeitpunkt keine Aussage getroffen werden (Blind Pool). Anleger die auf ein gewisses Maß an Sicherheit setzen, sollten daher nicht in Projektentwicklungsfonds investieren und lieber nach anderen Anlagemöglichkeiten Ausschau halten.
Steuervorteile
Seit Einführung des §15b EStG wurden die Steuervorteile für Investitionen in geschlossene Fonds, deutlich beschnitten. Daher sind viele Emissionshäuser dazu übergegangen, die Erträge möglichst steuerfrei zu halten. Dank der Tonnagesteuer ist dies bei Schiffsfonds relativ einfach. Auch bei Auslandsimmobilienfonds gelingt dies, durch Freibeträge und niedrigere Steuersätze relativ gut. Ob möglich Steuervorteile eventuell höhere Risiken allerdings rechtfertigen, muss jeder Anleger für sich entscheiden.
Der Autor dieses Artikels weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich hierbei um keine Anlageempfehlung handelt. Der Artikel dient lediglich der Information.
Quellen:
