Gestalttherapie – Selbstgestaltungspotentiale entfalten

Frei sein - Dörthe Huth
Frei sein - Dörthe Huth
Die Gestalttherapie geht davon aus, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, selbst kreative Lösungen zu entwickeln. Dazu leitet die Gestalttherapie an.

Die Gestalttherapie bietet Unterstützung dabei, eigene Bedürfnisse zu erforschen, sie wahrzunehmen, mitzuteilen und einzufordern. Die Klienten entdecken dabei im gegenwärtigen Kontakt mit dem Gestalttherapeuten oft neue Perspektiven, die es Ihnen ermöglichen, von Ihren bisherigen Gewohnheiten abzuweichen und neue, kreative Lösungswege zu erkunden. Entwickelt wurde die Gestalttherapie in Abgrenzung zur Psychoanalyse von dem Ärzteehepaar Fritz und Laura Perls sowie dem Soziologen Paul Goodman. Die drei Begründer nahmen in die Gestalttherapie die Einflüsse aus verschiedenen Bereichen auf, wie zum Beispiel aus der Gestaltpsychologie, der Existenzphilosophie, der Phänomenologie, dem Psychodrama sowie aus dem Zen-Buddhismus. Heute wird die Gestalttherapie nicht nur als Methode der Psychotherapie genutzt, sondern ebenso im Coaching, in der sozialen Arbeit oder in der Organisationsentwicklung eingesetzt.

Gestalttherapie in Psychotherapie, Coaching und Organisationsberatung

Ein Gestalttherapeut stellt sich als dialogisches, annehmendes Gegenüber zur Verfügung. Die Gestaltarbeit weitet den Blick, kann neue Wege eröffnen und neue Sichtweisen hervorbringen. Der Klient lernt, seine Selbstgestaltungspotentiale zu entfalten und sein Leben in seiner eigenen, ihm wohltuenden Weise selbst neu zu entfalten und zu gestalten. Das gilt nicht nur für die psychotherapeutische Gestalttherapie sondern auch für Gestaltberatung, Gestalt-Coaching, Gestalt-Supervision, Gestalt-Organisationsentwicklung oder Gestalt-Unternehmensberatung. Die gestalttherapeutischen Konzepte können fließend in alle Formen des sozialen Miteinanders übertragen werden. So hat die Gestaltarbeit auch ihren Weg in die Altenarbeit, in die Kinder- und Jugendarbeit gefunden. Darüberhinaus finden sich mittlerweile grundlegende Übungen und Vorgehensweisen in verschiedenen anderen psychotherapeutischen Verfahren wieder. Überall dort, wo es um Veränderungsprozesse geht, ist die Gestalttherapie ein aktivierendes Instrument, den Einzelnen, das Team oder die Organisation wieder "in einen guten Kontakt" zu bringen.

Unsere offenen Gestalten oder unerledigte Situationen

All die Erfahrungen, die wir in unserem bisherigen Leben mit unseren Mitmenschen und uns selbst gesammelt haben, bilden den Hintergrund für unsere jetzigen Kontakterfahrungen. Einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit binden wir dabei an unerledigte Situationen (offene Gestalten), die aus früherer Zeit stammen oder auch erst vor kurzem entstanden sind. Diese unerledigten Situationen drängen wir zwar gerne in den Hintergrund, sie stören jedoch den Kontakt zur Gegenwart im Vordergrund, indem sie Energie verbrauchen, die eigentlich im Hier und Jetzt zur Bereinigung der Situation gebraucht würde. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn man immer wieder an eine längst vergangene Situation denken muss oder auch immer von ihr träumt. Die Gestalttherapie wird als ganzheitliches, wachstumsorientiertes Therapieverfahren, gemeinsam mit dem Klienten diese "Störungen" aufspüren und versuchen, die notwendige Energie für den Vordergrund wieder freisetzen. Der Klient lernt, seine Selbstgestaltungspotentiale zu entfalten und sein Leben in seiner eigenen, ihm wohltuenden Weise selbst neu zu entfalten und zu gestalten.

Unsere offenen Gestalten oder unerledigte Situationen

All die Erfahrungen, die wir in unserem bisherigen Leben mit unseren Mitmenschen und uns selbst gesammelt haben, bilden den Hintergrund für unsere jetzigen Kontakterfahrungen. Einen großen Teil unserer Aufmerksamkeit binden wir dabei an unerledigte Situationen (offene Gestalten), die aus früherer Zeit stammen oder auch erst vor kurzem entstanden sind. Diese unerledigten Situationen drängen wir zwar gerne in den Hintergrund, sie stören jedoch den Kontakt zur Gegenwart im Vordergrund, indem sie Energie verbrauchen, die eigentlich im Hier und Jetzt zur Bereinigung der Situation gebraucht würde. Die Gestalttherapie wird als ganzheitliches, wachstumsorientiertes Therapieverfahren, gemeinsam mit dem Klienten diese Störungen aufspüren und versuchen, die notwendige Energie für den Vordergrund wieder freisetzen. So eignet sie sich besonders für Menschen, die etwas hinter sich lassen wollen, um sich dem Leben wieder zuwenden zu können. Bei Burnout, zur Trauerbegleitung, bei Ängsten oder auch einfach bei Alltagsproblemen.

Bewusstheit im Hier und Jetzt für passende Lösungen

Die Gestalttherapie stellt nicht die Suche nach dem Grund unseres Handelns in den Vordergrund, sondern die Arbeit im Hier und Jetzt. Es geht also weniger darum, warum ein Mensch so geworden ist, sondern noch viel mehr darum, wie es sich ein Leben in einem Lebenssystem schaffen kann, in dem es ihm gut geht. Typische gestalttherapeutische Fragen sind daher: Wie erleben Sie das? Wie fühlen Sie das? Wie können Sie das erreichen? Die Gestalttherapie zentriert die Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt auf lebendige Prozesse. Was körperlich gespürt, gedacht oder gefühlt wird, rückt in den Vordergrund der Wahrnehmung. Dieser Bewusstwerdungsprozeß gilt in der Gestalttherapie als der entscheidende Faktor, der Veränderungs- und Wachstumsprozesse in Gang setzt. Der Gestalttherapeut fragt nicht danach, wie weit ein Klient in oder außerhalb der Norm liegt, sondern danach, ob sich der Klient in seinem selbst geschaffenen Lebenssystem wohlfühlt. Ein Gestalttherapeut bewertet nicht, er nimmt wahr, ohne zu interpretieren. Das Erklären übernehmen die Klienten oft selbst. So muss sich kein Therapeut zu Über- oder Fehlinterpretationen verleiten lassen und kann den Prozess im Tempo des Klienten anleiten. Perls drückte das folgendermaßen aus: „Don´t push the river, it flows by itself".

Persönliches Wachstum durch die Vielzahl an Möglichkeiten

Absicht der Gestalttherapie ist es nicht, Verhalten zu verändern oder zu verbessern, sondern Wachstum zu ermöglichen. Wachstum geschieht in der Gegenwart, in der Auseinandersetzung mit der Umwelt, insbesondere mit dem eigenen Erfahrungs- und Erlebnismaterial. Im gegenwärtigen, vertrauensvollen Kontakt zum Gestalttherapeuten erarbeitet sich der Klient seine jetzigen Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle zu vergangenen oder zukünftigen Ereignissen. Immer wieder wird der Kontakt zum Hier und Jetzt hergestellt. Der Gestalttherapeut achtet dabei auf körperliche Signale, den Klang der Stimme, die muskulären Verspannung und spricht an, was ihm auffällt. Die Gestalttherapie bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, Übungen und Experimente einzusetzen. Beispielsweise kann man, sich im therapeutischen Setting künstlich einer befürchteten oder ersehnten Situationen aussetzen, um sie so bereits zu erfahren und bewusst zu erproben. Bekannt ist beispielsweise der "leere Stuhl", mit dem der Klient die Möglichkeit erhält, mit Personen zu arbeiten, die nicht anwesend sein können, weil sie zum Beispiel verstorben sind.

Literaturhinweise:

Lotte Hartmann-Kottek: Gestalttherapie. Springer 2008.

Erhard Doubrawa und Stefan Blankertz: Einladung zur Gestalttherapie. Peter Hammer 2010.

Dörthe Huth, privat

Dörthe Huth - Als Autorin ranken sich meine Themen rund um Körper, Geist und Seele. In den folgenden Bereichen kenne ich mich besonders gut ...

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