
- Anprobe mit Thema - Christine Teichmann
Es beginnt schon beim leidigen Thema der Beschriftung. Da steht der Kunde/die Kundin mit dem frisch ergatterten Beutestück mitten im Geschäft und will wissen, ob das Stück am eigenen Körper auch hält, was es am Präsentationsständer verspricht. Er/sie blickt suchend um sich. Jetzt sollte es eindeutig ersichtlich sein, wo dies möglich wäre. Je nach Größe des Shops oder der Abteilung und je nach Wertigkeit der Ware sind verschieden lange Wege akzeptabel. Dabei gilt die einfache Regel:
Je länger der Weg desto besser die Ersichtlichkeit
Wer seinen Kunden zumutet, zur Anprobe die Etage zu überqueren, der sollte diese Möglichkeit auch eindeutig kennzeichnen. Wenn kleinere Einheiten bedient werden, kann sich die Kabine auch etwas dem Blick verbergen, besonders wenn in der Abteilung bedient wird.
Das Zusammenfassen der Umkleidekabinen in Kabinenblöcke hat – wie alles im Leben – Vor- und Nachteile. Allein durch die Größe ist die Anprobe leichter zu finden, sie lässt sich mit anderen Serviceeinrichtungen wie Ruhezone, Wasserspender besser verbinden und – leider nicht unwichtig – besser gegen Ladendiebstahl überwachen.
Die Umkleidekabine ist ein beliebter Ort für Diebstahl
Hier gilt es die Balance zwischen Privatsphäre des Kunden und Sicherheitsrisiko zu wahren. Ein direkter Einblick in die Kabine ist außer in Diskontläden nicht zumutbar. Im Idealfall bilden die Kabinen mit einem eigenen Vorraum eine abgeschlossene Einheit, die allerdings – vor allem zu Stoßzeiten – von einem eigenen Mitarbeiter bedient wird. Die hochwertigeren Varianten bieten wohnliche Atmosphäre mit hochflorigen Teppichen, großformatigen Spiegeln und Sitzgelegenheiten für Begleitpersonen.
Auf die Größe kommt es an
Jede Einheit sollte ausreichend Raum für den Kunden und seine Sachen bieten. Das absolute Mindestmaß ist bei 110 cm im Quadrat zu sehen, alles was größer ist, ist besser. Es gibt keine zu große Umkleidekabine – außer bei den Quadratmetererträgen, deren Erzielbarkeit sie ganz von selbst wieder auf ein vernünftiges Maß schrumpfen lassen. Für komfortables Anprobieren sollten 140 x 125 cm zur Verfügung stehen. Die Mindestausstattung ist eine Sitzgelegenheit, ein Spiegel, Kleiderhaken und ausreichende Beleuchtung. Zusätzlich können schwenkbare Zweit- und Drittspiegel (zur Betrachtung der Rückenansicht) angeboten werden, Handtaschenablage, Schuhlöffel, Dekorationen etc.
Ein bis zwei Haken sind eindeutig zu wenig
Zu beachten ist, dass der Kunde nicht nur die Bekleidung aufhängen will, die er/sie anprobiert, sondern auch die eigene. Das kann im Winter und bei Kauf von Unterwäsche ganz schön viel sein! Besser ist eine Hakenstange, in die auch direkt Kleiderbügel eingehängt werden können. Ganz wesentlich ist die richtige Beleuchtung. Fällt das Licht ausschließlich von oben, entsteht an schwierigen Körperpartien Streiflicht und damit Schlagschatten.
Der Ladenplaner kann Orangenhaut nicht verhindern
Aber er kann dazu beitragen, dass sie nicht sofort sichtbar wird. Daher sollte der Großteil des Lichtes entweder von vorne kommen oder über den Spiegel von vorne reflektiert werden.
Im Kampf um Authentizität und mit dem Wunsch, sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden, ist es auch üblich geworden, die Kabinenanlage der jeweiligen Abteilung thematisch anzupassen. Paradebeispiele sind Schiffskajüten und Jagdhütten (komplett mit Geweihen als Kleiderhaken), aber auch jedes andere Thema ist möglich - und wenn es nur die liebevoll ausgesuchten Stoffe für die Vorhänge sind.
Eine Umkleide ist kein Lachkabinett
Zuletzt noch ein kleiner Hinweis: Entgegen sich hartnäckig haltender Gerüchte ist es nicht üblich, in Damenkabinen Zerrspiegel einzusetzen. Ein einwandfrei montierter Floatglasspiegel, die richtige Beleuchtung und eine freundliche Bedienung, die das Teil in der richtigen Größe zur Kabine bringt und nicht den Kunden dazu zwingt, sich mehrmals an- und auszukleiden, sind ausreichend, um das nötige Wohlfühl-Ambiente zu schaffen, das die Kaufentscheidung unterstützt.
