Bestens geeignet für alle Leute, die schon immer wissen wollten, was den Beruf eines Bestatters wirklich ausmacht.
Episodenhaft
Im Buch wird keine ganze, einheitliche Geschichte erzählt, sondern es ist aus insgesamt 24 Episoden aufgebaut, in denen sich alles um den Alltag eines Bestatters und auch des ganzen Bestattungsunternehmens dreht. Es wird gezeigt wie viele Leute doch notwendig sind, um eine Beerdigung ordnungsgemäß und seriös abzuwickeln und welche Schwierigkeiten auch auf einen zukommen können.
Kennedy und die falschen Russen
So kann es zum Beispiel vorkommen, wie in der Episode „Kennedy und falsche Russen“, dass aufgrund von fehlerhafter Technik und durch „Verdrücken“, bei einer Beerdigung „Hail to the Chief“ gespielt wird, das Lied, mit denen Auftritte von früheren US-Präsidenten untermalt wurden. Scheinbar ist die Beerdigung dadurch gestört worden und der Bestatter „schämt“ sich seines Fehlers, doch die Witwe des Verstorbenen kommt nach der Beerdigung extra noch einmal zu ihm, um sich für die schöne „Kennedy-Musik“ zu bedanken, wie sie sich ausdrückt. Also kann aus einem scheinbaren Missgeschick doch noch etwas Positives herausgefiltert werden.
Es ist kalt
Trotz des eher lustig angehauchten Titels ist das Buch keineswegs nur eine Komödie. Es gibt natürlich auch Sterbefälle, die sehr zu Herzen gehen, selbst bei Bestattern, die schon sehr lange im Geschäft sind. Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte „Es ist kalt“, in der es um einen fünfzehnjährigen Burschen geht, der bei einem Inlineskater-Unfall tödlich verunglückt. Die Tragik rührt auf jeden Fall daher, dass es immer besonders furchtbar ist, wenn ein junges Leben frühzeitig ausgelöscht wird, doch in diesem Fall geht es besonders nahe, denn der Vater verabschiedet sich so intensiv und einzigartig von seinem Sohn, und die ganze Situation ist so traurig und ergreifend, dass auch der erzählende Bestatter Peter Wilhelm mit dem Vater des toten Jungen gemeinsam weinen muss.
Schneewittchen einst im Sarge lag
Sicherlich einer der skurrilsten Episoden ist die Geschichte „Schneewittchen einst im Sarge lag“. Diese Geschichte ist deswegen so erheiternd-sonderbar, weil es keine gewöhnliche Beerdigung ist. Die Verstorbene sowie ihre Hinterbliebenen gehören der „Herz Jesu Blut“ Kirche an und die Bestattungsriten sind einfach schwer nachvollziehbar. Es kommt hinzu, dass die Verstorbene in einem Brautkleid und furchtbar geschminkt beerdigt werden soll und dass alle Beteiligten wirklich sehr viele Lieder und Gebete haben, mit denen die Verstorbene geehrt werden soll und das sich die ganze Trauerfeier ziemlich in die Länge zieht.
Diese ganze absonderliche Begebenheit ist, wie auch die restlichen Episoden, frisch erzählt und es geschieht sehr häufig, dass man über die eine oder andere bislang eigenwillige Situation schmunzeln oder sogar lachen muss.
Peter Wilhelm, Gestatten, Bestatter!, Knaur Taschenbuch Verlag 2009, ISBN 978-3-426-78241-5, € (D) 8,95, € (A) 9,20
