Gestatten: "Swing Combo"

Vier Herren im hohen Alter machen Jazz

v.l.: De Caluwé, Stauch, Schirenbeck, Sedlmeyr - Hans de Caluwé, 2007
v.l.: De Caluwé, Stauch, Schirenbeck, Sedlmeyr - Hans de Caluwé, 2007
Es ist der New Orleans Jazz und der Swing, der sie ein Leben lang fasziniert. Heute sind die Rentner immer noch Musiker aus Überzeugung.

Sie wechseln ihren Bandnamen, wie andere die frischen Hemden. Einmal nannten sie sich die „Swinging old Gentlemen“ dann lange Zeit waren sie die„Swing Combo“. Für das Jahr 2008 haben sie aus sich „The Swinging Old Fellows“ gemacht – Rudi Sedlmeyr, Hans de Caluwé, Günter Schirenbeck und Ernst Stauch.

Der Kontrabassist

Rudi Sedlmeyr ist heute 80 Jahre alt. Er ist ein Münchner aus dem Stadtteil Großhadern. Als Lehrling verdiente er sich Geld bei den Amerikanern mit seiner Musik, später als Führungskraft im Großkonzern war die Musik der Ausgleich zum Beruf. Heute im hohen Alter macht sie ihn lebendig. Rudi Sedlmeyrs Geschichte erzählt die Reportage: „Ein Leben für den Swing“

Der Mann am Drumset

Der 64-jährige Hans de Caluwé baut sein Schlagzeug auf. Er schleppt es in Einzelteilen überall hin mit. Er hat es sich zum Renteneintritt neu gekauft. Als er im Job eingespannt war, blieb keine Zeit mehr für das Musikmachen. De Caluwé ist Holländer, in Delft geboren. Nach dem Elektrotechnikstudium kam er nach München. Inzwischen lebt de Caluwé mit seiner Familie seit 1976 in der gleichen Geretsrieder Reihenhaussiedlung wie Rudi Sedlmeyr. „Hier haben wir uns kennen gelernt und so bin ich zur Swing Combo gekommen."

Als er ein kleiner Junge war, gab es in Holland nur amerikanische Musik im Radio zu hören. Frank Sinatra und Doris Day waren zu jener Zeit gefragt. Seine Faszination galt den amerikanischen Big-Bands. Er hätte gerne Trompete gelernt. Doch es fehlte das Geld für den Unterricht. De Caluwé kaufte sich ein Schlagzeug und ahmte den Rhythmus seiner Vorbilder nach. Er gründete mit anderen Studenten einen Jazzclub in einer Holzbaracke.

Jetzt im Alter hat de Caluwé sein Können weiter ausgebaut. Er hat vier Jahre Unterricht bei dem Wolfratshauser Musiklehrer Tomy Rosenberg genommen und seit einigen Jahren das Singen angefangen. „Nächstes Wochenende auf dem Hornberg werde ich das erste Mal mit der Swing Combo neben dem Schlagzeugspielen auch singen“, er grinst. „Das ist eine Premiere. Na, wird schon klappen.“ Der Mann hat Humor.

Ein Berliner unter Bayern

„Nieder mit dem Hexenschuss – Prost“, Günter Schirenbeck hebt sein Stamperl Schnaps. Beim Proben in Sedlmeyrs Hobbykeller gibt es ihn immer als erstes und dieses Mal gilt das Wohlsein dem Rücken des Bassisten. Schirenbeck spielt Saxofon und Klarinette. Der 70-jährige Berliner hat schon im Gymnasium in Hamburg Dixieland-Musik gemacht. Er erzählt die Stationen seiner Jugend so schnell, dass man kaum folgen kann – ein Norddeutscher eben. Jedenfalls war er in ganz Deutschland zuhause und hat überall Musik gespielt. Nur die Stilrichtungen haben sich gelegentlich geändert. So gründete er in den 60-zigern eine Blasmusikgruppe an der Uni-Braunschweig, die es heute noch gibt. Schirenbeck ist von dort schon lange weg. Er lebt in München und macht immer noch Musik: Swing in der Swing Combo und Dixie bei der Geretsrieder Midlife Jazzband.

Vom Bar-Trio zur Swing Combo

Die Musiker haben in dem kleinen Reihenhaus-Hobbykeller einige Stücke geprobt. Manchmal sind sie sich uneinig und diskutieren. Immer noch feilen sie an der Interpretation herum. Einmal soll Ernst Stauch am Keyboard das Klavier spielen, einmal soll er besser eine Orgel sein – die Technik macht’s möglich. Seit 1994 spielt Ernst Stauch in der Combo. Seine Frau hatte ihm damals eine Zeitungsannonce gegeben und er rief an. „Mir kam die Stimme gleich bekannt vor und auch der Name Rudi Sedlmeyr. Es stellte sich heraus, dass wir jahrelang in der gleichen Firma zusammengearbeitet hatten. Nur im Beruf wusste keiner von uns, dass der andere auch Musik machte“, erzählt der 75-jährige Rentner. Stauch lernte als Kind klassisches Klavierspiel. Später machte er Tanzmusik in einem Bar-Trio in Rothenburg ob der Tauber. Seit den 50-ziger Jahren lebt er in München. Zurück zum Musikspielen in einer Band kam er erst wieder in seiner Rentenzeit.

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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