Wer einmal an einem heißen Sommertag eine erfrischende Beerenkaltschale genossen hat, weiß Wildfrüchte garantiert zu schätzen. Sie schmecken köstlich und sind sehr gesund. Die aromatischen Beeren liefern dem Körper wichtige Spurenelemente und viele Mineralstoffe. Einige Wildfrüchte sind wahre Vitaminbomben. Der Gehalt an Vitamin C einer Hagebutte übertrifft beispielsweise den einer Zitrone um das Dreißigfache!

Wildfrüchte sammeln

Pflücken Sie nur Beeren, die Ihnen genau bekannt sind. Die Folgen könnten sonst sehr unangenehm sein (Bauchweh oder Schlimmeres!). Gehen Sie bei Anzeichen von Vergiftungen zum Arzt oder in ein Krankenhaus! Ein handliches Bestimmungsbuch sollte beim Sammeln immer dabei sein. Wenn auch nur der geringste Zweifel an der Identität einer Frucht besteht, verzichten Sie darauf.

Für die Ernte in Wald und Flur ist ein kleiner Plastikeimer oft sehr hilfreich. Wildbeeren immer nur im vollreifen Zustand pflücken. Erst dann haben sie ihr volles Aroma entfaltet. Sammeln Sie nur soviel Früchte, wie Sie verwerten können. Vermeiden Sie es unbedingt, an vielbefahrenen Straßen nach Beeren zu suchen. Auch in der Nähe frischgedüngter oder gespritzter Wiesen und Felder verbietet sich eine Ernte. Wildfrüchte, die in Bodennähe wachsen (beispielsweise Walderdbeeren oder Heidelbeeren) müssen vor dem Verzehr unbedingt gewaschen werden. Sonst droht eine Infektion durch den gefährlichen Fuchsbandwurm. Er ist im Süden Deutschlands häufiger als im Norden. In Naturschutzgebieten ist das Sammeln von Wildfrüchten untersagt.

Von Berberitze bis Weißdorn

Viele verlockend aussehende und wohlschmeckende Wildfrüchte wollen im Sommer und Herbst geerntet werden. Hier eine kleine Auswahl:

  • Berberitze: Die länglichen, scharlachroten Beeren der Berberitze (Sauerdorn) reifen im September und Oktober. Sie schmecken säuerlich und lassen sich gut zu Sirup, Gelee oder Konfitüre bereiten.
  • Brombeere: Nur die reifen, schwarzen Früchte pflücken. Sie sind süß und aromatisch. Ernte von August bis Oktober. Warmer Brombeersaft ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten und Heiserkeit.
  • Eberesche: Vögel fliegen auf die roten Beeren der Eberesche (Vogelbeere), die ab August reif sind. Man darf die Früchte nicht roh verzehren. Erst erhitzen und dann als Konfitüre, Gelee oder Saft genießen.
  • Hagebutte: Die Füchte der Heckenrose können Sie ab September sammeln. Da Hagebutten besonders viel Vitamin C enthalten, sind sie sehr gesund. Probieren Sie einmal Likör oder köstliche Konfitüre!
  • Heidelbeere: Je nach Standort reifen Heidelbeeren, auch Blau- oder Bickbeeren genannt, von Juli bis September. Frisch geerntet munden die aromatischen Früchte am besten mit Zucker und Milch.
  • Holunder: Ab September können Sie die glänzend schwarzen Beeren pflücken. Sie sollten die verlockenden Früchte aber nicht roh essen. Man verarbeitet sie zu Saft, Mus, Kaltschalen, Wein oder Likör.
  • Kornelkirsche: Im August kann man die roten Früchte sammeln. Ihr Geschmack erinnert an Sauerkirschen. Kornelkirschen kann man roh verzehren, sie lassen sich aber auch zu einer wohlschmeckenden Konfitüre oder zu einem erfrischenden Saft verarbeiten.
  • Preiselbeere: Als Beilage zu verschiedenen Wildgerichten sind Preiselbeeren (Kronsbeeren) geschätzt. Die ab August reifen Früchte ergeben mit Zucker gesüßt eine leckere Konfitüre.
  • Sanddorn: Unter allen Wildfrüchten besitzt Sanddorn den höchsten Gehalt an Vitamin C. Sein Saft stärkt die Abwehrkräfte gegen Erkältungskrankheiten. Die orangeroten Früchte werden ab September reif.
  • Schlehe: Die blauen Früchte erst nach einigen Frostnächten im Spätherbst sammeln. Dann sind sie nicht mehr so sauer und lassen sich gut zu Mus, Konfitüre, Wein oder Likör verarbeiten.
  • Walderdbeere: Walderdbeeren entwickeln ein feineres Aroma als ihre großen Schwestern aus den Gartenzüchtungen. Sie reifen ab Juni und ergeben eine erfrischende Bowle.
  • Waldhimbeere: Wer im Sommer Waldhimbeeren sammelt, wird später mit köstlichem Kompott oder Wein belohnt.
  • Weißdorn: Nicht fruchtig, sondern eher fad und trocken schmecken die ab August reifen Weißdornfrüchte. Sie lassen sich aber zusammen mit anderen Wildfrüchten zu einer leckeren Konfitüre weiterverarbeiten.

Rezepte für Wildfrüchte

Sie können aus den aromatischen Wildfrüchten viele leckere Speisen und Getränke zaubern. Verbrauchen Sie die Beeren aber möglichst bald, weil sonst der Vitamingehalt abnimmt. Für eine kurze Lagerung ist das Gemüsefach des Kühlschranks gut geeignet. Hier zwei Rezepte:

  • Vogelbeerkonfitüre: Zutaten: 200 g Zucker, 1/2 l Rotwein, 1/2 l Wasser, Geliermittel und 1 kg frische Vogelbeeren. Zubereitung: Wasser, Rotwein und Zucker circa 10 Minuten kochen, die Vogelbeeren hinzugeben und alles bei kleiner Hitze solange weiterkochen, bis die Vogelbeeren weich geworden sind. Nicht zu oft und zu stark umrühren! Die frische Konfitüre schließlich noch heiß in saubere Gläser abfüllen und mit Cellophan verschließen. Kühl und trocken aufbewahren.
  • Hagebuttenlikör: Reife Hagebutten in eine große Flasche geben, mit Kornbrand übergießen (2 l Korn je 1 kg Früchte) und den Ansatz für sechs bis acht Wochen an einen hellen, warmen Platz stellen. Flasche einmal pro Woche durchschütteln. Schließlich den Ansatz abziehen und filtrieren. Likör im Keller nachreifen lassen. Je länger, desto besser!
Quellen:

Mannfried Pahlow: Kräuter und Wildfrüchte. Gräfe und Unzer Verlag, 1990. München.

Bruno P. Kremer: Wildfrüchte. Kosmos Verlag, 1992. Stuttgart.

Grau/Jung/Münker: Beeren, Wildgemüse, Heilkräuter. Mosaik Verlag,1996. München.