Die kulinarischen Genüsse fremder Länder kennen zu lernen zählt für viele Urlauber zu ihren schön­sten Urlaubs­erlebnissen. Leider gibt es aber auch Reisende, deren Urlaubsfreuden durch Magen-Darm-Probleme oder gar heftige Diarrhöen (Durchfälle) getrübt werden. Hier erfahren Sie, was Sie beachten sollten, damit Sie unbeschwert genießen können.

Hygienemaßnahmen beugen gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor

Gesundheitliche Beeinträchtigungen können Ihnen sowohl auf einer Individualreise in fernen Ländern als auch in einem pauschal gebuchten Hotel am Mittelmeer widerfahren. Oft haben die auftretenden Probleme gar nichts mit verdorbenen oder verunreinigten Lebensmitteln zu tun. Es kann einfach sein, dass Ihr Körper sich erst auf ungewohnte Lebensmittel und Zutaten einstellen muss. Zudem gibt es individuell unterschiedliche Empfindlichkeiten und Anpassungsfähigkeiten gegenüber ungewohnter Kost. Auch die klimatische Umstellung führt zu einer zusätzlichen Belastung des Körpers. Nicht vergessen werden sollte die Belastung für den Organismus durch den Zeitunterschied bei langen Flügen.

Betrachten Sie das Essen und Trinken auf Ihrer Reise nicht als eine permanente Attacke auf Ihre Gesundheit, sondern als Gaumengenüsse, die es auszuprobieren gilt. Eine gute Portion Neugier und Gelassenheit werden Ihnen so manches Geschmackserlebnis ermöglichen.

Essen Sie das, was im Land gegessen wird

Egal, ob in Süd-Europa oder auf anderen Kontinenten: Bevorzugen Sie die einheimische Küche. Ihnen aus deutschen Supermärkten bekannte Speisen und Lebensmittel müssen nicht zwangsläufig sicherer sein. Auch wenn multinationale Konzerne in vielen Erdteilen Lebensmittel produzieren und verpacken, können einige doch importiert sein und haben dabei oft lange Wege zurückgelegt. Ob Sie immer bei optimalen Bedingungen transportiert oder gelagert wurden, und damit hygienisch einwandfrei sind, ist fraglich.

Die ihnen vertrauten Gerichte können die Bewohner des Gastlandes am besten zubereiten. Viele Zutaten werden jeden Morgen frisch auf dem Markt besorgt. Außerdem sind die typischen Gerichte südlicher oder tropischer Länder bekanntlich ziemlich bis sehr scharf gewürzt. Das hat zwei Gründe. Zum einen haben die scharfen Gewürze eine gewisse konservierende Wirkung, beugen also einem Verderben der Speisen vor. Darüber hinaus regen sie Ihren Magen an. Die Schärfe "reizt" ihn sozusagen und es wird mehr Magensäure pro­duziert. Die kann dann besser mit eventuell doch ungeplant eingedrungenen Keimen aufräumen.

Noch ein Hinweis: Es muss nicht immer, vor allem am Anfang, ganz scharf sein. Werden Sie nicht ohnehin gefragt, dann weisen Sie von sich aus darauf hin: z.B. "not so hot" oder "solo poco picante" (nicht ganz so scharf). Nach einigen Tagen ist das schon nicht mehr notwendig. Auch an die Schärfe können Sie bzw. Ihre Schleimhäute sich gewöhnen.

Wasser zum Trinken

Viele Erkrankungen in Ländern mit niedrigen Hygienestandards sind auf verunreinigtes Trinkwasser zurückzuführen. Ob auf der Trekking-Tour oder im Fünf-Sterne-Hotel: Mit dem Trinkwasser können Bakterien oder Viren übertragen werden, die zum Teil schwerwiegende Erkrankungen auslösen.

Hier einige Ratschläge, die eingehalten werden sollten:

  • In europäischen Reiseländern sollte es mit der Trinkwasserqualität keine Probleme geben.
  • Bei Reisen in fernere Länder sollten Sie niemals Leitungswasser trinken. Benutzen Sie auch zum Zähneputzen abgefülltes Wasser. Ist das nicht möglich, verwenden Sie abgekochtes oder entkeimtes Wasser.
Steht nur Wasser mit ungewisser Qualität zur Verfügung, muss es abgekocht, gefiltert oder zumindest entkeimt werden.

  • Abkochen: Fünf Minuten sprudelndes Kochen sind das Minimum. Wegen des geringeren Druckes in größeren Höhen muss die Kochzeit entsprechend verlängert werden.
  • Filtern: Etliche Bakterienarten, Parasiten und Wurmeier können mittels verschiedener Filtersysteme aus dem Wasser entfernt werden. Es sollte vor dem Filtern abgekocht werden. Die von den Herstellern angegebenen Wechsel- und Reinigungsintervalle der Filtereinsätze sollten eingehalten werden.
  • Entkeimen: Chemische Wirkstoffe wie Chlor, Silbersalze oder Jod töten Bakterien ab, jedoch nicht alle Erreger, wie z.B. Viren.

Einige einfache Regeln fürs Essen und Trinken

Zunächst gibt es einen Leitsatz, den die Engländer zu ihrer Zeit als Kolonialmacht geprägt haben: "Cook it, peel it or forget it" - Koch es, schäle es oder lass es! Damit ist schon fast alles ge­sagt, was beachtet werden sollte.

Aber dennoch einige konkretere Hinweise, worauf Sie im Reisealltag achten sollten. Wenn Sie sich an einige einfache Regeln halten, ist der größte Teil des Gefährdungspotentials für Magen und Darm ausgeschaltet.

  • Meiden Sie rohe oder nicht durchgegarte Nahrungsmittel. Dies gilt vor allem für Fisch, Fleisch, Schalentiere und Salate. Bevorzugen Sie Speisen, die lange genug erhitzt wurden.
  • Rohes Obst oder Gemüse sollten Sie nur dann essen, wenn Sie es von eigener Hand geschält haben. Waschen allein reicht nicht!
  • Vorbereitete Speisen, die längere Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt wurden, bieten einen guten Nährboden für ein Bakterienwachstum. Häufig werden die Gerichte vor dem Servieren nicht ausreichend lange und hoch genug erhitzt, um die Keime abzutöten.
  • Meiden Sie auf jeden Fall Speiseeis. Es kann eine Infektionsquelle ersten Ranges darstellen, da sich Bakterien in dem Gemisch aus eiweißhaltiger Milch (oder Milchpulver) und Zucker pudelwohl fühlen und sich in rasender Geschwindigkeit vermehren. Das gleiche gilt für die beliebten Milch-Mix-Getränke.
  • Getränke sollten Sie nur aus Flaschen zu sich nehmen, deren Verschlüsse intakt sind. Achten Sie auf den korrekten Zustand der Verschlüsse. Gerade bei Wasserflaschen kommt es hier und da vor, dass sie einer erneuten Verwendung zugeführt werden. Billiges, aber nicht immer allzu bekömmliches Leitungswasser wird eingefüllt, und der Verschluss manipuliert. Wenn es funktioniert, ist die Gewinnspanne für die Betrüger großartig. Ihnen wird es unter Umstän­den weniger großartig gehen. Heißgetränke, wie z.B. Tee, gelten als unproblematisch, wenn sie mit abgekochtem Wasser zubereitet wurden.
  • Getränke mit Eiswürfeln können ein riskantes Unternehmen sein. Die Herkunft des Wassers ist meist unbekannt, so dass auch Wasser von hygienisch bedenklicher Qualität im Glas klirren kann. Bestellen Sie deshalb Ihr Getränk ohne Eiswürfel.
  • Alkohol im Glas tötet keine Bakterien – weder im Glas selber, noch nach dem Genuss in Ihrem Magen. Im Gegenteil, Alkohol beeinträchtigt Ihr Immunsystem.
Wie gesagt, das sind Regeln, an die Sie sich halten sollten. Ob Sie das in der konkreten Situation immer können und wollen, wird von Ihnen abhängen.

Was tun, wenn Magen oder Darm rebellieren?

Kündigt sich eine Infektion mit Durchfall an, versuchen Sie es erst einmal mit einem Fastentag und setzen Sie dann auf leichte Kost, wie Reis, Weißbrot und viel Flüssigkeit. Trinken Sie viel (Kräuter-)Tee und Mineralwasser, häufig und in kleinen Mengen, um den Flüssigkeitsverlust möglichst gering zu halten. Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke wie Limonaden oder Cola-Getränke sind nicht sinnvoll, da sie harntreibend wirken, also noch zusätzlich Flüssigkeit aus dem Körper ausschwemmen. Hält der Durchfall länger als drei Tage an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.