Gesundheitsportale richtig und sicher nutzen

Orientierungshilfe für medizinische Ratgeberseiten im Web

So erkennen Laien, wie verlässlich Infos über Krankheiten, Symptome, Heilmethoden, Heilmittel, Medikamente im Internet sind und welche Interessen die Anbieter verfolgen.

Der Gesundheitsmarkt ist so lukrativ, dass manche ihn eine Goldgrube nennen. Vor allem im Internet steigt die Zahl der Anbieter von Produkten und Themen-Portalen aus den Bereichen Gesundheit und Medizin täglich.

Die Lieblingszielgruppe für die Akteure im Gesundheitsmarkt sind Senioren, denn sie zählen nicht nur zur am schnellsten wachsenden Gruppe von Internetnutzern. Noch wichtiger ist Ihre Lieblingsbeschäftigung im Netz: das Einkaufen. Unzählige Shops bieten deshalb Produkte aus den Bereichen Gesundheit, Wellness, Nahrungsergänzungsmittel, Pflegehilfsmittel, Medizin, alternative Heilmethoden. Und wer sich vor dem Kauf erst einmal gründlich informieren möchte, der kann sich auf themenspezifischen Portalen umsehen.

Informationen im Internet bewerten

Wie viel aber sind die Gesundheitsinformationen eigentlich wert, die man dort erhält? Wie fundiert und abgesichert sind sie? Weil nämlich jeder im Internet zeigen und schreiben kann, was er will, ist gesundes Misstrauen empfohlen, wenn man sich über Krankheiten, Heilmittel, Medikamente, Therapien oder Forschungsergebnisse im Internet informieren möchte.

Anbieter erkennen

Um den Wert einer Information besser einschätzen zu können, muss man den Anbieter kennen: Solche Angaben findet man unter den Rubriken „Impressum“ oder „Wir über uns“. Dort müssen Name, Firma/Geschäftsführer, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Kontakt, Homepage angegeben sein. Verdächtig sind: Postfachadressen, gebührenpflichtige 0190/900-Nummern. Bei Zweifeln hilft die Datenbank von Computerbild, um regelrechte Abzockerseiten zu erkennen. Auch den aufgeführten Namen zu „googlen“ kann manchmal überraschende Ergebnisse zu Tage fördern …

Anbieterinteressen erkennen und beurteilen

Ist der Anbieter erkennbar, sollte man sich ein Bild von ihm machen („Wir über uns“ oder „Unternehmen“). Die häufigsten Anbieter sind Pharmaunternehmen oder kommerzielle Portalbetreiber, die Apotheken, Ärzten, Zahnärzten oder Therapeuten u.a. ein thematisch passendes Umfeld bieten wollen, in dem sie sich präsentieren können. Aber auch Vereine, Verbände, Privatleute und Selbsthilfegruppen bieten Informationen über bestimmte Krankheiten und deren Therapien, Behandlungserfolge usw. Ein Beispiel: Das Pharmaunternehmen, das blutdrucksenkende Mittel herstellt, wird möglicherweise weniger intensiv auf nichtmedikamentöse Methoden eingehen, die helfen den Blutdruck zu senken.

Verfasser und seine fachliche Qualifikation einschätzen

Der Autor der Information muss namentlich genannt sein und außerdem sollte erkenntlich sein, ob er fachlich qualifiziert ist. Ist dies nicht der Fall, sollte aber auf eine Fachredaktion verwiesen werden oder auf einen wissenschaftlichen Beirat. Das gilt vor allem für solche Informationen, die nicht allgemein gehaltenes Basiswissen vermitteln, sondern spezielles Wissen über eine bestimmte Krankheit oder über neue Therapiemöglichkeiten.

Fachinformation kritisch lesen

Eine fachliche Information muss ausgewogen sein, sie muss unterschiedliche Forschungsergebnisse berücksichtigen, unterschiedliche Behandlungsmethoden aufführen und jeweils über Vorteile, Nachteile oder Nebenwirkungen aufklären. Quellenangaben und Links zu weiterführenden Informationen sind ein weiterer Hinweis auf die Seriosität der Information.

In den genannten Punkten unterscheidet sich die Fachinformation also von

  • Texten mit werblichem Charakter: Hier kommen Formulierungen vor wie „absolut nebenwirkungsfrei“, „100% Wirkungsgarantie“, „Allheilmittel“ oder Lobeshymnen von „geheilten Patienten“
  • Einzelfallberichten
  • persönlichen Erfahrungsberichten von Nichtfachleuten oder Patienten
  • Meinungsäußerungen

Auf Aktualität achten

Auch die Aktualität einer Information ist im Internet wichtig. Im Medizin- und Gesundheitsbereich werden laufend neue Erkenntnisse gewonnen. Ist ein Text mit einem länger zurückliegenden Erstellungsdatum gekennzeichnet, könnte sein Inhalt nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entsprechen. Findet man Beiträge auf einer Internetseite, die beispielsweise seit 2005 nicht mehr aktualisiert wurde, dann sollte man sich von diesem „Friedhof“ ohnehin schnell wegklicken.

Informationen ersetzen nicht den Besuch beim Arzt

Bei allen Informationen muss darauf hingewiesen werden, dass die allgemeinen medizinischen Ratschläge den Besuch beim Arzt keinesfalls ersetzen können. Sie dürfen nur dazu dienen, den eigenen Wissenstand zu verbessern.

Qualitätssiegel für Gesundheitsinformationen im Internet

Es gibt ganz bestimmte Qualitätskriterien, denen sich manche Betreiber von Gesundheits- und Medizinseiten freiwillig unterwerfen. Auf den Seiten von medinfo.de, seniorenpro.de oder vitanet.de zum Beispiel finden sich die Qualitätssiegel von zwei Organisationen:

  • Im Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. haben sich Verbände, Unternehmen und Einzelpersonen zur Förderung der Qualität von Gesundheitsinformationen zusammengeschlossen. Das Forum entstand aus einem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten und von der Bundesvereinigung für Gesundheit e.V. durchgeführten Projekt, das Grundlagen und Strukturen für ein qualitätsgesichertes Gesundheitsinformationsnetzwerk im Internet entwickeln und erproben sollte. Hier haben sich inzwischen 41 deutsche Seiten-Anbieter eingetragen.
  • Um sich für den Honcode der Stiftung „Health on the net“ zu qualifizieren, müssen Bewerber acht Kriterien erfüllen. Das Siegel soll langfristig dafür sorgen, dass die Qualität von medizinischen Informationen im Internet für Patienten und Ärzte bzw. Fachleute im Bereich Medizin verbessert wird und der Zugang zu diesen Informationen erleichtert wird. Die Stiftung ist eine international anerkannte Nichtregierungsorganisation.

Weiterführender Lesetipp zum Schluss: Senioren im Netz organisieren ihren Alltag so, dass sie lange selbständig zu Hause leben können und lernen im Selbststudium ganz neue Themen und Wissensgebiete kennen ...

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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