
- Die kleine Reiseapotheke - Wolfgang Reuter
Die meisten Urlauber kommen erholt zurück, die wenigsten krank. Mit der richtigen Vorsorge und einem angemessenen Verhalten unterwegs sind Sie auf der sicheren Seite. Was gilt es zu beachten?
Je weiter die Reise, umso größer die Gesundheitsgefahren. Diese Aussage ist durchaus zutreffend, aber dennoch kein Grund, um in Panik zu verfallen, ob der Gefahren, die in mehr oder weniger exotischen Reisezielen lauern. In mittel- oder nordeuropäischen Gefilden, die uns vom Klima und den Lebensgewohnheiten her vertraut sind, sind die Gefahren nicht größer als hier zu Lande. In Mittelmeerländern lauern Krankheitskeime, an die wir uns unter Umständen erst gewöhnen müssen. Subtropische und tropische Reiseziele haben darüber hinaus Krankheiten zu bieten, die wir teilweise bestenfalls vom Hörensagen kennen: Bilharziose, Malaria, Gelbfieber oder Lepra.
Meistens ist es nichts Schlimmes
Die Rangliste der häufigsten Reisekrankheiten wird nicht von Furcht erregenden oder schwerwiegenden, sondern von eher banalen angeführt. Unter der am meisten verbreiteten haben wohl die meisten einmal gelitten: Diarrhöe (Durchfall- bzw. Magen-Darm-Erkrankung). Sie kann durch Krankheitserreger im Essen oder verunreinigtes Wasser ausgelöst worden sein, aber auch durch die schlichte Tatsache, dass sich unser Körper erst an eine ungewohnte Küche gewöhnen muss. Das geht bei den einen reibungslos, bei anderen dauert es etwas länger und kann zu vorübergehenden Gesundheitsstörungen führen. An nächster Stelle kommen Erkältungskrankheiten. Sie kommen in heißen Ländern häufiger vor als erwartet. Grund dafür: Starke Temperaturschwankungen zwischen drinnen und draußen. Erhitzt und verschwitzt kommen wir in kalte, durch Klimaanlagen heruntergekühlte Räume oder Verkehrsmittel. Auch Flugzeuge sind wahre Bakterienschleudern. Eine Vielzahl von Passagieren befindet sich auf engstem Raum und die Klimaanlage wälzt die immer gleiche Luft um. Schnell haben wir uns einen simplen Schnupfen oder aber eine Bronchitis eingefangen. Auch die Sonne setzt manchen Urlaubern mehr zu als es verträglich ist. Mit schweren Sonnenbränden ist nicht zu spaßen, gerade hinsichtlich möglicher Langzeitschäden. Noch gefährlicher sind ein Sonnenstich oder ein Hitzschlag.
Ohne diese Impfungen sollten Sie nicht losreisen
Egal, wohin die Reise führt, drei Impfungen sollten immer vorhanden sein: Tetanus (Wundstarrkrampf), Polio (Kinderlähmung) und Diphtherie. Obwohl bereits bei Säuglingen ein kostenloser Impfschutz gegen diese drei Krankheiten vorgenommen wird, hat ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung diesen Basisimpfschutz nicht (mehr). Oft wird vergessen, dass diese Impfungen zur Krankheitsvorbeugung auch im Alltag notwendig sind und nach einer erstmaligen Grundimmunisierung regelmäßig aufgefrischt werden müssen. Ein kleiner Kratzer in der Haut kann bereits ausreichen, um sich mit dem weltweit verbreiteten Tetanusbazillus zu infizieren. Er lauert in der Erde oder im Straßenstaub. Die Erkrankung kann tödlich enden.
Eine geplante Reise kann der Anlass sein, um beim Hausarzt den Impfschutz überprüfen und falls erforderlich auffrischen zu lassen. Lassen Sie alle Impfungen in einen Impfausweis eintragen, den Sie auf Reisen mitführen.
Nicht ohne Ihre Reiseapotheke
Egal, wie weit Ihre Reise Sie führt, eine kleine Reiseapotheke sollte auf jeden Fall dabei sein. Hier ein Beispiel für eine Grundausstattung zur ersten Hilfe oder für eine überbrückende Behandlung, die je nach Reiseziel entsprechend aufgestockt werden sollte. Ihr Hausarzt oder Apotheker sollte Ihnen bei der Zusammenstellung behilflich sein.
Grundausstattung der Reiseapotheke:
- Mittel gegen Schmerzen und Fieber,
- Breitbandantibiotikum,
- Salbe gegen Pilze,
- antibiotische Salbe,
- Salbe zur Behandlung von kleineren Wunden,
- Mittel gegen Insektenstiche,
- Mittel zur Desinfektion von Hautverletzungen,
- leichte Schlaftabletten,
- Fieberthermometer,
- Verbandmaterial wie Heftpflaster und Binden,
- Schere und Pinzette.
Medikamente, die Sie zu Hause regelmäßig einnehmen, sollten in ausreichender Menge eingepackt werden. Im Flugzeug gehören sie ins Handgepäck.
Was in Ihrer Reiseapotheke (im weiteren Sinn) auch nicht fehlen sollte:
- Sonnenschutzmittel
- Mückenschutzmittel
- Kondome (die Qualität lässt in manchen Ländern zu wünschen übrig, auch sind die Größen nicht immer die gleichen wie gewohnt)
- Tampons (sind vor Ort nicht immer leicht zu bekommen)
- ein Mittel zur Wasserdesinfektion kann sinnvoll sein.
Liebe machen kann krank machen
Das Risiko, sich mit Aids oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu infizieren, ist in manchen Ländern erheblich größer als hier zu Lande. Die einzig sichere Vorbeugungsmaßnahme – kein ungeschützter Geschlechtsverkehr, also die Verwendung von Kondomen – gilt daher noch eindringlicher.
Was Sie tun und was Sie besser lassen sollten
Gönnen Sie sich nach Ihrer Ankunft, vor allem wenn Sie eine lange Anreise hatten, erst mal einen oder mehrere Ruhetage, um sich einzuleben und zu akklimatisieren. Spulen Sie nicht gleich ein anspruchsvolles Programm ab.
- Gewöhnen Sie sich langsam und vorsichtig an die Sonne. Die strahlt in südlichen Breiten wesentlich intensiver als bei uns. Halten Sie sich in den ersten Tagen überwiegend im Schatten auf. Verwenden Sie, zumindest zu Beginn, ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor. Nach einigen Tagen werden Sie feststellen, dass die Bräune zunimmt und Ihre Haut einen eigenen Schutz gegen die Sonnenstrahlung aufgebaut hat. Bei längeren Wanderungen oder Fahrradtouren sollten Sie eine Sonnenbrille und eine Kopfbedeckung tragen – letztere vor allem dann, wenn die Haare nicht mehr ganz so dicht sind.
- Beim Essen und Trinken sollten Sie auf Reisen gewisse Regeln beachten, damit die Reisefreude nicht getrübt wird und Sie unbeschadet zurückkommen.
- In den Tropen sollten Sie, außer am Strand, nicht barfuß laufen. Parasiten, wie z.B. der Hakenwurm, können durch die Fußsohlen in Ihren Körper eindringen. Beim Baden sollten Sie an verdächtigen Stellen, wenn Sie etwa Seeigel gesichtet haben, Badeschuhe tragen.
- Stehende oder langsam fließende Gewässer sollten Sie in tropischen Breiten meiden. Dort können die Erreger der Bilharziose lauern. Das sind Parasiten, die bei Kontakt mit dem Wasser unbemerkt durch die Haut eindringen können. Dann setzen sie sich in Blase, Darm und anderen inneren Organen fest. In der Folge kommt es zu blutigem Urin und Stuhlgang. Besonders gefährlich ist es, barfuß durch Reisfelder zu laufen.
- In manchen Ländern ist die Tollwut wesentlich verbreiteter als das bei uns der Fall ist. Bei Bissverletzungen durch Tiere – vor allem von Hunden – sollten Sie zur Sicherheit umgehend einen Arzt aufsuchen.
Sollte doch mal etwas schief gehen: Auslandsreise-Krankenversicherung
Wenn Sie die Hinweise und Tipps zur gesundheitlichen Vorsorge beachten, sollten Sie aller Wahrscheinlichkeit nach gesund wieder nach Hause kommen. Aber es kann doch immer mal etwas Unvorhergesehenes eintreten. Und dagegen sollten Sie ebenfalls Vorkehrung treffen. Fast jeder, der in andere Länder reist, sollte eine Auslandsreise-Krankenversicherung im Gepäck haben.
Wieder zu Hause – alles bestens?
Nach einer Reise, vor allem nach einer längeren und weiteren, kann es Ihnen zu Hause ähnlich ergehen, wie bei Ihrer Ankunft im Gastland: Es kann Eingewöhnungsprobleme geben. Auch an die deutsche Küche muss sich Ihr Magen-Darm-Trakt unter Umständen erst wieder gewöhnen. Doch auch diese Befindlichkeitsstörungen werden rasch wieder abklingen. Wenn aber z.B. hohes Fieber, lang anhaltende Durchfälle oder Blutbeimengungen im Stuhl oder Urin auftreten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und ihn auf Ihren Reiseaufenthalt hinweisen. Bestimmte Erkrankungen treten erst nach gewisser Zeit auf. Die Malaria kann zu Beginn leicht mit den Symptomen einer Erkältungskrankheit verwechselt werden.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
