
- Gewaltfreie Kommunikation in der Familie - G.Spalke
Gewaltfreie Kommunikation haben wir als Kinder in der Regel nicht gelernt. "Mach schnell..., Iss den Teller leer..., Zieh dich warm an..., Vergiss deine Schlüssel nicht..., Das hab ich dir schon 1000 Mal gesagt..., Hör endlich auf zu nerven..., Mir reicht´s jetzt..., Geh ins Bett..., Wie sieht´s denn hier aus..."? Solches oder Ähnliches haben Sie sicher als Kind oft gehört. Es sind die Sprüche unserer Kindheit, die meistens unsere Eltern aussprachen. Haben Sie jemals darüber nachgedacht was der Satz: "Hör auf zu heulen... " bei einem Kind bewirkt? Hier lesen Sie was gewaltfreie Kommunikation ist und wie Gewalt in der Sprache auf die Kinder-Seele wirkt.
Gewalt in der Kommunikation: Mamas Sprüche sind nicht lustig
"Spinnst du ...?, Was soll denn das schon wieder?, Pass auf mit dem vollen Glas..., Noch ein Wort"! Wir haben diese und ähnliche Redensarten so verinnerlicht, dass wir uns ihrer Wirkung nicht bewusst sind. So kommt es, dass wir dieselben Worte in der Erziehung unserer eigenen Kinder fast automatisch einsetzten. Kinder scheinen uns diese Sätze nicht übel zu nehmen. Täuschen Sie sich nicht! Gewalt in der Sprache hat eine fatale Wirkung auf die kindliche Seele.
Kinder-Erziehung: Konflikte gehören zum Erwachsenwerden
Menschen kommen als hilflose Babys zur Welt. Sie können sich weder selber ernähren, noch schützen. Sie brauchen ihre Eltern, um zu überleben und sie tun alles dafür die Liebe der Eltern nicht zu verlieren. Eltern sind darauf programmiert ihren Nachwuchs zu beschützen und zu versorgen. Wenn Kinder größer werden, wenn sie lernen und Erfahrungen machen, gewinnen sie Autonomie. Dieses Erwachsenwerden kann nicht konfliktfrei ablaufen. Es macht jedoch einen Unterschied wie bei Konflikten kommuniziert wird.
Kinder-Erziehung: Eltern machen sich Sorgen über Sorgen
Eltern sorgen sich immer irgendwie um ihre Kinder. Es ist nicht leicht, diese Sorgen loszulassen. Aber es ist der einzige Weg, den Kindern beim Großwerden zu helfen. "Wasch Dir die Hände..., Hast du deine Hausaufgaben gemacht...?, Komm nicht so spät nach Hause..., Das kommt überhaupt nicht in Frage!" Hunderte von Malen pro Tag werden Kinder aufgefordert, gewarnt und zurecht gewiesen. All diese Botschaften können bei einem Kind das Gefühl erzeugen: "So wie ich bin, bin ich nicht liebenswert", oder "Meine Wünsche und Gefühle sind nicht wichtig..."
Kinder stark machen: Bedingungslose Liebe geben
Ein Kind wächst und gedeiht dann am besten, wenn es ein größtmögliches Maß an bedingungsloser Liebe erfährt. Das heißt, es möchte in seiner Einzigartigkeit geliebt und wertgeschätzt werden. Leider bekommen viele Kinder das Gefühl des totalen Angenommenseins nicht genug. Das mag daran liegen, dass die Eltern selbst nervös und überarbeitet sind und nicht in ihrer Mitte ruhen. Oft jedoch werden Erziehungsmethoden, denen man selber ausgesetzt war, nicht genügend hinterfragt.
Gewalt in der Kommunikation: Selbstabwertung als Folge permanenter Kritik
Machen wir uns bewusst, dass unüberlegte Redensarten in der oben ausgeführten Art Kindern das Gefühl vermitteln muss, den Ansprüchen der Eltern nicht zu genügen. Durch ständige Kritik lernen Kinder zuerst, dass sie "falsch" sind so wie sie sind. Es entsteht ein Muster der Selbstabwertung und Selbstkritik verbunden mit dem schlechten Gefühl nicht liebenswert zu sein.
Anpassung anstatt Selbstverwirklichung
Um die Liebe der Eltern nicht zu verlieren, passen sich Kinder an deren Ansprüche an. Das hat zur Folge, dass sie den Kontakt zu ihrem wahren Selbst verlieren. Die negativen Botschaften, die das Kind über sich selbst lernt werden im Inneren verankert und erschweren im spätern Leben eine gelungene Selbstverwirklichung.
In der Erziehung: Bewusstmachen
Kinder sind Persönlichkeiten, die allen Respekt verdienen. Gerade weil sie abhängig von uns sind, sollten wir umso vorsichtiger mit unserer Sprache umgehen. Wenn ihnen mal wieder ein "Mama-Papa-Spruch" auf den Lippen liegt, dann halten Sie inne und überlegen Sie was Sie ihrem Kind wirklich sagen möchten. Sie wollen doch nicht, dass ihr Kind sich für das abscheulichste Wesen hält, dass auf der Welt herum läuft. Nur starke Kinder entwickeln ihre Persönlichkeit optimal und werden authentische Erwachsene.
Gewaltfreie Kommunikation kann man lernen
Wenn Sie ein Verhalten ihres Kindes stört oder Sie sich Sorgen machen, dann sprechen Sie lieber über ihre eigenen Gefühle und Ängste. Anstatt: "Geh endlich ins Bett..." können Sie ihr Ruhebedürfnis aussprechen. Anstatt: "Nimm den warmen Pulli mit...", sagen sie einfach: "Ich befürchte, dass du dich erkältest..." Worte können Waffen sein. Legen Sie die Waffen nieder, damit Frieden in ihrer Familie einkehren kann.
Weiterführende Literatur zum Thema gewaltfreie Kommunikation:
Marshall B. Rosenberg, Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation, Herder, 2004
