
- Klassische Weihnachtsgewürze - Sigrid Rossmann
Was wäre die Weihnachtszeit ohne den typischen Duft und das exotische Aroma der traditionellen Wintergewürze? Ein kleiner Überblick über die wichtigsten Spezialitäten:
Nelken, nur fein dosiert zu genießen
Bei Gewürznelken handelt es sich um nagelförmige, getrocknete Blütenknospen, die natürlich nicht von einer Blume sondern von dem immergrünen Gewürznelkenbaum stammen. Wegen ihrer Form werden Nelken auch gerne Nägeli genannt. Nelken haben einen süßlichen Duft und ein stechend-scharfes, markantes Aroma. Bereits eine einzige Nelke hinterlässt ihre intensive, unüberschmeckbare Spur (wehe, wenn man auf eine Nelke beißt). Nelken sollten deshalb in jedem Gericht, ob mit Obst, an Rotkohl oder in Currys nur äußerst sparsam verwendet werden. Nelkenöl ist ein unverzichtbarer Bestandteil von Glühwein oder Punsch, es gehört zu den „Fünf Gewürzen“ und in jedes Pflaumenmus. Auch Lebkuchen ist ohne das typische Nelkenaroma undenkbar. Nelken haben eine antiseptische Wirkung und sind jahrelang haltbar. Gute Gewürznelken fühlen sich leicht fettig an.
Ingwer, die scharfe Knolle
Bei Ingwer handelt es sich um den ungeschälten Wurzelstock der tropischen Ingwerstaude. Ingwer ist voller Bitterstoffe und ätherischer Öle, diese brennende Schärfe wurde im Mittelalter als Ersatz für den raren, teuren Pfeffer verwendet. Die fruchtige Schärfe wird umso brennender, je größer die Wurzel ist. Ingwer desinfiziert und heizt dem Immunsystem ordentlich ein. Seine Wirkstoffe regen die Galle an und helfen bei der Fettverdauung. In der Naturheilkunde findet Ingwer gegen Übelkeit Verwendung. Im Gemüsefach des Kühlschranks ist Ingwer bis zu einem Monat lang haltbar, allerdings verliert er mit der Zeit seine ätherischen Öle.
Kardamom, der teure Exot
Das exotische Gewürz gehört nach Safran und Vanille zu den teuersten der Welt. Es handelt sich um den Samen einer noch nicht reif geernteten Kapselfrucht. Nur die ganze Frucht hat den typisch zitronig-würzigen, leicht rauchig-scharfen Geschmack. Gemahlener Kardamom verfügt nicht mehr über die wichtigen ätherischen Öle. Kardamom duftet nach Eukalyptus, mit ihm werden auch alkoholische Getränke aromatisiert. Neben Zimt, Ingwer und Nelken findet es als Lebkuchengewürz Einsatz. Er ist köstlich in arabischem Kaffee, gehört in indische Currys sowie türkische Pilaws. Kardamom gilt als kreislaufanregend.
Sternanis, dekorativ mit Lakritzgeschmack
Der dekorative Sternanis ist ein Verwandter der Magnolie. Die getrockneten Kapselfrüchte eines Baumes aus China und Vietnam haben einen süßen, lakritzähnlichen Geschmack und besonders viele ätherische Öle, mehr als Anissamen. Sternanis ist das typische Aroma in chinesischen Fleischgerichten, es ist auch ein wichtiger Bestandteil des Fünf-Gewürze-Pulvers. Liköre auf Anisbasis (beispielsweise Pernod) verdanken ihren Geschmack unter anderem der Destillation aus Sternanis. Das Aroma verflüchtigt sich schnell, darum sollte man Sternanis erst kurz vor der Verwendung frisch im Mörser zerstoßen. Sternanis soll die Verdauung fördern und bei Blähungen helfen.
Vanille, Königin der Gewürze
Vanille ist süß und hocharomatisch, kaum zu glauben, dass die gerade geerntete Kapselfrucht selber völlig geschmack- und geruchlos ist. Vanille ist die Schote einer Kletterorchidee die wegen ihrer kurzen Blütezeit künstlich mit einem Kaktusstachel bestäubt werden muss. Das macht die ohnehin schon teure Frucht, die Gewinnung echten Vanillegeschmacks ist aufwändig und kostenintensiv, noch zusätzlich teuer. Sie gilt als Königin der Gewürze und ist der pure Genuss. Allein schon ihr Duft betört die Sinne. Vanille wird immer kurz vor der Reife geerntet; ihr Aroma wird in einer mehrwöchigen Wasserdampf-Prozedur (Fermentationsprozess) erweckt. Das wertvolle Vanillin mit seiner zauberhaften Würzkraft steckt nicht im Mark, sondern in der Schale. Vanille ist der unverzichtbare Aromastoff für viele Desserts, Backwaren, Eis, Getränke und auch für Parfüm.
Zimt, der Klassiker unter den Gewürzen im Winter
Zimt ist nicht mehr und nicht weniger als eine aromatische, getrocknete Rinde, die zu Stangen aufgerollt wird. Der Bruch wird zu Zimtpulver verarbeitet. Zimt hat unter allen Wintergewürzen den verführerischsten Weihnachtsduft: süßlich und zugleich scharf, feinaromatisch und warm und immer leicht holzig. Schon Kolumbus sucht einen Weg zu den Zimtbäumen Indiens. Die beste Sorte Stangenzimt, auch als echter Zimt bezeichnet, stammt heute aus Sri Lanka (Kaneel). Eine Messerspitze reicht schon aus, um Backwaren oder Punsch weihnachtlich zu verfeinern. Die ätherischen Öle sollen bei Appetitlosigkeit und Verdauungsproblemen helfen.
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