Spätestens wenn die Zeugnisse kommen, wird klar, was Kinder während des Schuljahres versäumt haben. Vor allem bei Grundschulkindern nehmen manche Eltern weniger gute Noten im Verlauf des Schuljahres noch hin. Das Zeugnis ist dann tatsächlich überraschend. Eine notwendige Förderung sollte jedoch nicht erst bei schlechten Zeugnissen einsetzen. Gezielte Nachhilfe sieht beispielsweise bei Faulenzern und Spielkindern anders aus als bei Kinder mit einer Lernschwäche.

Faulenzer und Spielkinder

Faulenzer und Spielkinder könnten einen guten bis sehr guten Notdurchschnitt haben, denn sie sind normal begabt. Es gibt diese Faulenzer und Spielkinder nicht nur in der Grundschule, sondern auch in den höheren Klassen der weiterführenden Schulen. Meist handelt es sich um Kinder mit viel Phantasie, was beispielsweise gute Noten in kreativen Fächern beweisen. Bestehende Lernregeln anderer Fächer, vor allem Deutsch und Fremdsprachen, Mathematik sowie Physik und Chemie, lassen weder Phantasie noch Kreativität zu. Es müssen bestimmte Aufbauregeln befolgt werden, nach denen die Lerninhalte vermittelt werden. Faulenzer und Spielkinder haben Probleme mit dem Befolgen von Regeln. Sie sind die Praktiker, die visuelle und kreative Anreize benötigen, bestimmte Lerninhalte in einer bestimmten Reihenfolge aufnehmen zu können. Der reguläre Schulunterricht ist jedoch nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse zu beachten und zu befriedigen. So driften sie immer weiter ab und werden zu den in allen Generationen bekannten Klassenclowns.

Tipps für die Förderung von Faulenzern und Spielkindern

Es wäre wünschenswert, wenn die optimale Förderung dieser Kinder in den Schulen stattfinden könnte. Aufgrund der Klassengrößen und den relativ starren Lernzielvorgaben an deutschen Regelschulen ist dies jedoch kaum möglich. Die Förderung muss also außerhalb der Schule erfolgen. Das Interesse an einem Lehrstoff kann nur über die Kreativität dieser Kinder entstehen. Das bedeutet, dass Förderung oder Nachhilfe nicht die gleichen starren Regeln enthalten darf wie bereits der Schulunterricht. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass Kinder nicht in der Lage sind, auf anderen Wegen erlernte Dinge in die Schule zu übertragen. Gerade ihre Kreativität und ihre Phantasie machen es ihnen sogar leichter. Das resultiert aus der Erfahrung, dass es verschiedene Wege geben kann, etwas zu lernen und sie sie eher bereit, den Schulunterricht als einen dieser Wege zu akzeptieren.

Ein Beispiel für gezielte Förderung im Schulfach Deutsch

Zu Beginn eines neuen Lernverhaltens können Eltern ihr Kind bitten, einen kleinen Vortrag für eine Feier vorzubereiten, in dem bestimmte Daten und Fakten aus dem Leben des Jubilars zu bedenken sind. Was kann damit erreicht werden? Das Kind fühlt sich ernst und wichtig genommen. Es darf einen bedeutenden Beitrag leisten. Das Kind lernt Fragen zu stellen, deren Antworten für den Text wichtig sind. Es hört, dass der Jubilar interessante Dinge erlebt hat und fragt weiter. Das Zuhören wird geschult. Durch das Einfügen entsprechender Daten lernt es, dass eine bestimmte Reihenfolge im Leben sein muss und nicht abänderbar ist. Die Eltern sollten es dem Kind überlassen, ob es den Text lieber mit der Hand oder am Computer schreibt. Sie sollten dem Kind die Freiheit geben, selbst zu entscheiden, wie viel es schreibt und in welcher Form. Der fertige Text darf vom Kind eigenständig und ohne Vorgaben mit Bildern oder Zeichnungen verziert werden.

Welche Fehler sollten bei dieser Förderung vermieden werden?

Rechtschreibfehler sollten in dieser Phase keine Rolle spielen, denn es geht hier nur um das Erlernen einer anderen Lernform! Oft wird ein Kind selbst den Wunsch äußern, den Text so korrekt wie möglich bereit zu haben. Nur dann ist gemeinsame Korrektur erlaubt. Während des Schreibens sollte das Kind nicht gegen seinen Willen an einem Tisch sitzen müssen. Wenn es auf dem Boden liegend schreiben will, ist das in Ordnung. Diese Lage bietet dem Kind die Chance, immer wieder seine Position zu ändern. Zum Nachdenken mag es sich vielleicht auf den Rücken drehen. Eine starre Körperhaltung bremst den Denkfluss, Bewegung fördert ihn. Der Text muss nicht zwangsläufig an einem Tag verfasst werden. Es sollte ausreichend Zeit vorhanden sein, Pausen einzulegen. Möglicher Weise möchte das Kind den fertigen Text statt mit Bildern oder Zeichnungen mit Bändchen, Grashalmen oder Vogelfedern dekorieren. Warum nicht? Es ist schließlich von Anfang bis Ende sein eigenes Werk.

Der Aufbau auf einen neuen Weg des Lernens

Für Eltern ist es anstrengend, einem Kind mit schlechten Schulnoten diese Freiheiten zu geben. Hätte man die dafür benötigte Zeit nicht besser für Nachhilfeunterricht verwenden können? Für Faulenzer und Spielkinder würde sich zunächst durch Nachhilfeunterricht nichts ändern. Sie sind nicht dumm oder haben eine Lernschwäche. Erst wenn sie über einen, wenn auch ungewöhnlichen Weg, gelernt haben, wie sie lernen können, kann qualifizierter Nachhilfeunterricht Defizite ausgleichen, die entstanden sind. Das kann durchaus ein weiteres schlechtes Zeugnis bedeuten, denn neue Wege sind nicht von heute auf morgen zu verinnerlichen. Geduld ist gefragt. Einem lange Zeit erkrankten Kind würde sogar eine Wiederholung eines Schuljahres zugestanden werden, um anschließend dem Lehrstoff folgen zu können. Bei Faulenzern und Spielkindern sollte ebenfalls auf lange Sicht gedacht werden. Es reicht nicht, dass die nächste Klassenarbeit besser ausfällt, solange das Lernverhalten unverändert bleibt.

Eltern lernen ihre Kinder neu kennen

Der durchstrukturierte Alltag, der für Kinder oft schon in der Krippe beginnt, wird sie ein Leben lang begleiten. Eltern sind erleichtert, wenn alles bestimmten Regeln folgt, auch ihr Kind. Ist ihr Kind anders, bricht aus Regeln aus oder nimmt sie gar nicht erst an, ist es an der Zeit, ein Kind als Individuum wahrzunehmen. Der Alltag bietet unglaublich viele Chancen ein Kind zu fördern, ohne dass ein einziges Mal das Wort Lernen fällt. Der Zeitaufwand wird sich in vielerlei Hinsicht lohnen. Eltern können lernen, die Begabungen ihrer Kinder zu erkennen. Diese Begabungen sind von unschätzbarem Wert auf dem Weg in ein neues Lernverhalten, aber auch wichtig für das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern. Wenn Kinder sich angenommen fühlen wie sie sind und nicht nur an ihren Schulnoten und im Vergleich zu anderen Kindern gemessen werden, entwickeln sie ein Selbstwertgefühl, das ihnen im Leben helfen wird, auch schwierige Situationen zu meistern.