Gibt es Albinos unter den Pferden?

Weiße Pferde mit rosa Haut und roten Augen. Gibt es sie oder gibt es sie nicht? Der Artikel erklärt die Unterschiede zwischen den hellen Pferden.

Normalerweise sind in Haut, Haar und Iris Farbpigmente eingelagert. Diese sind wichtig zum Schutz vor Sonneneinstrahlung. Beim Albinismus kommt es durch eine Stoffwechselstörung nicht zu einer Pigmentbildung. Bei einem vollständigen Albinismus liegt eine rosa Haut vor, die Haare sind weiß und die Augen schimmern rötlich. Die Augen schimmern rötlich, weil durch die fehlenden Farbpigmente in der Iris die Netzhaut im Augenhintergrund durchschimmert. Beim Pferd ist so ein vollständiger Albinismus unbekannt.

Weiße Pferde – der ganz normale Schimmel

Schimmel sind ganz eindeutig daran zu erkennen, dass sie eine dunkle Haut haben. Als Fohlen noch farbige Haare, kommt es zu einem schnellen Grauwerden des Tieres, ein Alterungsprozess, wie auch bei uns Menschen. Nur dass es beim Schimmel sehr schnell geht. Dafür verantwortlich ist das Grey-Gen, eine Mutation, die dafür sorgt, dass Melanozyten, die für die Farbpigmente zuständig sind, frühzeitig absterben. Durch den frühzeitigen Farbverlust sind Schimmel besonders anfällig für Melanome, die aber meist gutartig sind. Farbige Pferde dagegen entwickeln eher bösartige Melanome. Bösartige Melanome kommen bei Schimmeln nicht häufiger vor, als bei farbigen Pferden.

Unterscheidung Albinismus - Leuzismus

Beim Albinismus handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, denn Melanozyten sind zwar vorhanden, aber es werden keine Farbpigmente gebildet. Beim Leuzismus dagegen handelt es sich um eine Defekt-Mutation, bei der überhaupt keine Melanozyten vorhanden sind. Allerdings gibt es dabei ganz unterschiedliches Aussehen, denn nur an Stellen ohne Melanozyten entstehen die weißen Haare und die rosa Haut. So können verschiedene Schecken z.B: die Frame-Overo-Scheckung oder die Tobiano-Scheckung entstehen.

Haben beide Elterntiere dieses Gen, kann das Fohlen komplett weiß geboren werden. Da jedoch auch die Nervenzellen zum Magen-Darm-Trakt nicht korrekt entwickelt sind, können dies Fohlen nur wenige Tage überleben. Man spricht von dem Overo-Lethal-White-Syndrom OLWS oder auch vereinfacht dem Lethal-White-Syndrom.

Das Cream-Gen – der unvollständige Albinismus

Einen vollständigen Albinismus kennen wir beim Pferd nicht. Aber es gibt verschiedene Abstufungen des unvollständigen Albinismus. Zum Beispiel ein weißes Pferd mit rosa Haut und blauen Augen. Zuständig dafür ist ein Verdünnungsgen, auch Dilute-Gen genannt. Verschiedene Farbvarianten können daraus entstehen. So der Buckskin, der Palomino, der Cremello, der Perlino oder auch der Smoky Cream. Wenn das Auge etwas rötlich schimmert, dann handelt es sich meist um einen extremen Cremello, der aber noch immer kein vollständiger Albino ist.

Nachteile durch Aufhellung

Wildlebende Albinos haben in der freien Wildbahn keine Chance um zu überleben. Unter der Obhut des Menschen ist dies jedoch möglich. Durch die fehlenden Pigmente in der Haut neigen rosafarbene Pferde jedoch stark zu Sonnenbrand und müssen entsprechend geschützt werden.

Die Augen sind beim Albinismus sehr lichtempfindlich. Man kann diese durch entsprechende Masken für die Tiere schützen. Beim Menschen ist die Sehschärfe vermindert, da die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut nicht korrekt ausgebildet wird. Beim Pferd ist dies ebenso, wird jedoch nicht beim Umgang mit dem Tier bemerkt.

Literaturhinweis:

Pferde aus Licht und Schatten von Ursula Schmidt-Basler

Handbuch Pferdepraxis von Olof Dietz, Bernhard Huskamp

Birte Wermann, Birte Wermann

Birte Wermann - Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge, sondern Leben inmitten von Leben, das auch leben will (A.Schweitzer) Mitten in ...

rss