
- Biber - Ulrike Sieber - Monika Hermeling
Biber sind in Europa die größten Nagetiere. Sie kamen im Donautal, von Tuttlingen bis nach Sigmaringen, in früherer Zeit, so berichtet NABU-Mitglied Dieter Nickel aus Tuttlingen, häufig vor. Weil ihr Fell zur Herstellung von Wintermänteln und Fellmützen von den Damen und Herren, vor allen des Adels, begehrt war, wurde der Biber, wie fast überall in Deutschland, vor etwa 100 Jahren so gut wie ausgerottet.
In den 60er Jahren wurden Biber in Bayern wieder angesiedelt. Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt hat sich der Biber in den letzten Jahren rasch bis ins Obere Donautal, in den Landkreisen Tuttlingen, bis Sigmaringen wieder ausgebreitet. Um das Jahr 2003 wurden Biber auch in der Nähe der Stadt Mengen in Baden-Württemberg, entdeckt. Inzwischen gibt es auch Donau aufwärts weitere Vorkommen dieser Tiere. Sie fühlen sich auch bei Eis und Schnee im kalten Wasser wohl, denn ihr Haarkleid ist etwa hundertmal so dicht wie das menschliche Kopfhaar. Weil kein Tropfen Wasser bis an die Haut gelangen kann, kann ihr Körper die Temperatur lange halten.
Wie sieht ein Biber aus und woran wird er erkannt?
Biber sind keine kleinen Tiere. Sie können bis zu einem Meter lang werden und doppelt so schwer wie ein Reh sein. Am sichersten werden Biber erkannt, wenn sie abtauchen und ihr breiter, bis zu 35 Zentimeter langer Schwanz, sichtbar aus dem Wasser herausragt. Die meisten als vermeintliche Biber, zum Beispiel bei einer Herbstwanderung im Donautal, gesichteten Tiere sind, nach der Erfahrung Nickels, jedoch Bisamratten, denn Biber sind in Deutschland dämmerungs- oder nachtaktiv. Das bedeutet, dass sie bevorzugt im Dunkeln ihren Bau verlassen und darum selten gesehen werden. Biber sind Pflanzenfresser. Im Sommer fressen sie verschiedene Wasser- und Uferpflanzen, die sie vor Ort finden.
Das sich Biber angesiedelt haben, wird von Naturbeobachtern meist erst im Winter bemerkt. Zu dieser Zeit fällen sie Bäume um neue Dämme zu bauen und nagen dann, wenn es an anderem Futter mangelt, sehr gerne deren Rinde ab. Dass der Biber am Werk war, wird an den kegelförmigen Stümpfen, die im Boden verbleiben, erkannt. Biber fällen bevorzugt schnell nachwachsende Weiden und Pappeln. Es wurde aber auch schon beobachtet, und das sehen besonders Obstbauern nicht gerne, dass auch diese Bäume, wenn sie in der Nähe von fließendem Wasser stehen, für Biber interessant sind. Dieter Nickel empfiehlt in solchen Fällen um den Stamm einen etwa ein Meter hohen Maschendrahtzaun zu wickeln. Dieser kann den Baum ausreichend schützen. Denkbar ist, bei niedrigem Wasserstand auf Land, das geflutet werden darf, ihm anderes Staumaterial anzubieten.
Wie sieht der Lebensraum von Bibern aus?
Naturfreunde, die nach Bibern Ausschau halten, können den Bau eines Bibers im Uferbereich finden. Die Wohnhöhle liegt immer über dem Wasserspiegel im Trockenen und der Eingang befindet sich, um Feinde abzuhalten, immer unter der Wasseroberfläche. Im Flusslauf der jungen Donau sinkt der Wasserstand, besonders im Sommer, oft stark ab. Dadurch liegt der Eingang des Baus frei. Damit dieser wieder geschützt ist, versuchen die Biber durch den Bau eines Dammes das Wasser anzustauen, sodass der Eingang des Baus wieder unter Wasser liegt. Dieses natürliche Verhalten wird von Landbesitzern, Land- und Waldwirten nicht gerne gesehen, weil die Flutung zur ständigen Vernässung der umliegenden Flächen führen kann. Weitere Zahlen und Fakten zum Biber.
Was können Ortsansässige tun, um eine Konfrontation mit Bibern zu vermeiden?
Wie Beobachtungen aus Bayern, die die Ansiedlung von Bibern begrüßen, zeigen, stellt der Biber an die Qualität seines Lebensraumes keine allzu großen Anforderungen. Er siedelt sich sogar in der Nähe von Gewässern an, die bis an ihren Rand bewirtschaftet werden. Landwirte schätzen diese Bauten nicht, weil bei der Bewirtschaftung landwirtschaftliche Maschinen in sie einbrechen können. Um solche Unfälle zu vermeiden, ist es förderlich, dass Landwirte einen ausreichenden Sicherheitsstreifen von zehn bis fünfzehn Metern, der nicht bewirtschaftet wird, zwischen dem Gewässer und der genutzten Fläche stehen lassen. Da Biber ihre Aktivität auf die unmittelbare Nähe der Gewässer Biber beschränken, geraten so weder Landwirte noch die Tiere in Gefahr. Zu Freude der Naturliebhaber und Umweltschützer stehen Biber, EU-weit, unter strengem Schutz. Es ist verboten Biber zu fangen oder zu töten, ihre Baue zu beschädigen oder zu zerstören. In diesem Zusammenhang eergibt sich die Frage: Sind Fahrten mit Kanus an der jungen Donau ein Stressfaktor? Bedauerlich ist, so Dieter Nickel, dass die meisten Biber heute in der Dämmerung, meist bei der Zeitumstellung im Frühjahr, im Straßenverkehr umkommen.
Quelle: Interview mit Dieter Nickel
