
- Eibenbeere - Ricarda Schünadel
Leuchtende Farben bedeuten in der Natur bei Tieren (zum Beispiel der Marienkäfer oder der Pfeilgiftfrosch) oft eine Warnung: “Friss mich nicht, ich bin giftig, denn sonst würde ich mich tarnen!“ Pflanzen dagegen wollen locken, denn sie sollen gefressen werden. Die Samen werden weiter getragen, ausgeschieden und so an anderer Stelle gesät. Das sorgt also für die Verbreitung der Pflanze. Kirschen, Johannisbeeren, Himbeeren und Erdbeeren locken nicht nur Tiere, sondern auch uns und belohnen mit köstlichem Geschmack. Doch es gibt auch ausreichend gefährliche Fallen. Von den roten Früchten der Zaunbeere, des Schierlings, der Stechpalme und des Seidelbasts sollten wir uns nicht verführen lassen. Diese Pflanzen (um nur einige zu nennen) sind giftig. So ist es lebensnotwendig (!), Kinder zu beaufsichtigen, zu warnen und zu schulen. Natürlich können die leuchtend roten Beeren der Eiben (Taxus baccata) reizen, gegessen zu werden.
Historie
Schon seit über zweitausend Jahren sind Vergiftungen mit Eiben bekannt. Das Gift wurde nicht nur zu Abtreibungen, sondern auch zu Selbstmord und Mord verwandt.
Möglichkeiten der Nutzung
Alle Teile der Eibe sind stark giftig – nur die rote Fruchthülle, die den (giftigen!) Samenkern umgibt ist nicht giftig. Es soll Gärtner geben, die sich einen Spaß daraus machen, sich vor ihren Kunden einige Eibenbeeren in den Mund zu stecken (und die Kerne natürlich wieder auszuspucken). Eibenmarmelade herzustellen, reizt wohl mehr durch den Nervenkitzel, der doch ein wenig bleibt, als durch den süßen (angeblich etwas faden) Geschmack. Ob die Arbeit lohnt – denn selbstverständlich müssen vor der Zubereitung die Kerne sorgfältig entfernt werden – sei dahin gestellt.
Das Gift der Eibe und seine Wirkung auf Mensch und Tier
Das Gift der Eibe ,Taxane, toxische Verbindungen, kommen, je nach Jahreszeit oder Pflanzenteil, in stark schwankender Dosierung vor. In Herbst und Winter ist der Giftgehalt am höchsten. Ernsthafte Vergiftungen als Unglücksfall kommen glücklicherweise sehr selten vor, da kaum jemand versehentlich die Nadeln kaut. Fünfzig bis hundert Gramm Nadeln wären wohl ausreichend, um bei einem Erwachsenen zum Tode zu führen. Schon eine halbe Stunde nach Aufnahme des Giftes können Vergiftungserscheinungen auftreten, wie Übelkeit und Erbrechen, Beschleunigung des Pulses, Erweiterung der Pupillen, Schwindel und Kreislaufschwäche, Bewusstlosigkeit. Atemlähmung und Herzversagen führen dann zum Tod.
Bei Weidevieh hat es schon viele Verluste durch Eiben gegeben, Pferde sind besonders gefährdet. Hundert bis zweihundert Gramm Eibennadeln sollen bei ihnen schon zum Tode führen können. Hasen, Rehe und Rothirsche sind dagegen unempfindlich gegenüber dem Gift. Rinder, Schafe und Ziegen sind gefährdet, wenn sie Eibenlaub plötzlich in größeren Mengen aufnehmen. Sind die Tiere jedoch an das Gift gewöhnt, scheinen sie dagegen gefeit zu sein. In Albanien werden auch heute noch, als Prophylaxe gegen Krankheiten, Eibennadeln dem Futter beigemischt.
Die Eibe wurde 2011 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.
Quellen:
