Gigant Berlin: ein vergessener Film im rbb-Fernsehen

Der 13. August 1961 jährt sich zum 50. Mal. Der Film „Gigant Berlin" von Leo de Leforgue zeigt Farbaufnahmen vom Mauerbau und läuft am 13.8.2011 im rbb.

An einem Sonntag vor 50 Jahren, am 13. August 1961, wurde die Grenze zwischen dem Ostsektor und den Westsektoren von Berlin abgeriegelt. Mauern und Stacheldrahtverhaue unterbrachen den Verkehr zwischen den beiden Stadthälften. Der letzte Weg für Fluchten in den Westen war geschlossen.

Zum 50. Jahrestag der Wiederkehr des Mauerbaus bringt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) eine Reihe von Sendungen. Ein Höhepunkt in diesem Reigen ist der Film „Gigant Berlin“ von Leo de Laforgue. Er läuft im rbb-Fernsehen am 13. August 2011 um 22:45 Uhr. In der unmittelbar vorher ausgestrahlten Sendung „rbb aktuell“ wird eine Einführung zum Film geboten.

Der vergessene Film

„Gigant Berlin“ ist ein ganz außergewöhnlicher Film. Denn er ist ein ganz besonderes Zeitdokument. Über Jahrzehnte schlummerte die einzige Kopie im Landesarchiv Berlin. Nur ein einziges Mal wurde er von den Freunden der Deutschen Cinemathek aufgeführt. Ansonsten war er in Vergessenheit geraten. Dabei ist er wohl das einzige Filmdokument, das Aufnahmen aus der Zeit des Mauerbaus in Farbe zeigt. Denn Fernsehen war damals nur schwarz-weiß.

Diesen einmaligen Dokumentarfilm bringt der Rundfunk Berlin-Brandenburg als ein Höhepunkt seiner Aktivitäten rund um den 13. August 2011 zum ersten Mal ins Fernsehen.

Die Entstehungsgeschichte des Films

„Gigant Berlin“ ist der erste lange Dokumentarfilm in Farbe über West-Berlin. Über 6 Jahre hinweg, von 1957 bis 1963, fing der Berliner Filmemacher Leo de Laforgue Aufnahmen für diesen Film ein. Gut 10 Jahre nach Kriegsende war damals in West-Berlin das Wirtschaftswunder-angekommen. Die Stadt entwickelte sich rasant. Gebaut wurde überall. Leo de Laforgue bezeichnete West-Berlin die „erregendste Stadt der Welt“.

Der Film „Gigant Berlin“

Dynamisch und weltoffen ist das West-Berlin des Leo de Laforgue. In „Gigant Berlin“ steht die pulsierende moderne Stadt im Mittelpunkt. Das lebhafte Getriebe der Großstadt ist die Bühne für den Streifen. Das Kontrastprogramm dazu sind die wirklich eindringlichen Aufnahmen vom Bau der Mauer am und nach dem 13. August 1961, die die Stadt und das städtische Leben brutal zerschneidet. Dagegen stehen dann die Aufnahmen von dem umjubelten John F. Kennedy bei dessen Besuch Berlins 1963.

In „Gigant Berlin“ fängt Leo de Laforgue mit seiner Kamera bemerkenswerte und dichte Aufnahmen ein. Durch die sehr lebhafte Montage werden sie hin und wieder zu einem Bilderrausch. Den pathetischen und manchmal propagandistisch wirkenden Kommentar verfasste Matthias Walden. Der wirkt aus heutiger Sicht manchmal ein wenig befremdlich. Aber er ist auch ein Ausdruck der damaligen Zeit und der Feindschaft zwischen Matthias Walden und den Mächtigen in der DDR.

„Gigant Berlin“ ist als Film nur schwer einzuordnen. Er enthält Elemente des Werbe- und Informationsfilm, des politischem Agitationsstreifens und sachlicher Berichterstattung. Auch das macht ihn zu einem bemerkenswerten und faszinierenden Zeitdokument.

Der Filmemacher Leo de Laforgue

Leo de Laforgue kam 1902 im rheinischen Grumbach an der Glan zur Welt. 1927 zog er nach Berlin und war zunächst Bühnenbildner bei Max Reinhardt. Als Kameramann wirkte er an den Olympia-Filmen von Leni Riefenstahl mit. Im Zweiten Weltkrieg war er als Kriegsberichterstatter bei der Marine unterwegs.

1936 begann er mit den Dreharbeiten für seinen ersten langen Film über Berlin: „Symphonie einer Weltstadt“ war der Arbeitstitel. Erst nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war das Werk fertig. Die Bilder passten nicht mehr in die Zeit und der Film durfte nicht gezeigt werden. Erst 1950 kam er unter dem Titel „Berlin wie es war“ in die Lichtspielhäuser.

Der Streifen „Gigant Berlin“ wurde mit geringsten Mitteln produziert. Leo de Laforgue war Produzent, Regisseur, Kameramann und Cutter in einer Person.

Sendung: 13. August 2011 um 22:15 Uhr im rbb-Fernsehen

Quellen: Preview rbb-Produktionen zum 50. Jahrestag des Mauerbaus am 26.7.2011, filmportal.de, Rundfunk Berlin-Brandenburg