
- Eisbärin Giovanna - Viktor H.
Im August 2010 wurde die Rückkehr von Giovanna und Yoghi aus Berlin gebührend gefeiert. Von Samstag, 7. August bis Sonntag 8. August 2010 gab es für das Publikum ein vielfältiges Eröffnungsprogramm.
Unter dem Motto "Servus Dahoam" begrüßte der Zoo Hellabrunn, München seine Eisbären mit einer Willkommens-Party im Tierpark. Nach fast einem Jahr Aufenthalt in Berlin zogen sie endlich in ihre neu gestaltete Anlage ein. Ein besonders netter Bericht vom Eröffnungstag, dem 4. August 2010 und ERSTE Bilder von Giovanna mit Yoghi.
Der Abschied von Berlin und Knut
Am 30. Juli 2010 mussten Giovanna und Yoghi von Berlin wieder Abschied nehmen. Das neu erbaute Gehege in München ist fertig gestellt, die Neueröffnung wartet nur noch auf ihre Bewohner. Giovanna leistete während der Umbauzeit Knut Gesellschaft, Yoghi wartete in der Zwischenzeit im Tierpark Berlin auf sein neues Domizil.
Ein kurzer Rückblick auf die Monate in Berlin
Vorbei die Zeiten im Zoo Berlin, wo Giovanna anfänglich nur im Wasser planschen, aber vor Aufregung nichts essen wollte. Vorbei die anfänglich zögerlichen Umkreisungen der beiden Bären. Knuts besorgtes Ausweichen, sein Signal mit der vorgeschoben Lippe, Tapirlippe getauft. Die Freude, als beide zum ersten Mal miteinander im Wasser tollten und spielten. Giovanna lernte sein Ruhebedürfnis zu akzeptieren, Knut verstand ihre Einladungen zum Spielen. Es war für die Zoobesucher eine schöne Zeit.
Yoghi hatte es beschwerlicher, er konnte im Tierpark Berlin immer nur im Wechsel mit Aika und Troll auf die Anlage. Er wird seine neue Anlage umso mehr genießen.
Das umgestaltete Gelände in Hellabrunn
Die neue Anlage wurde vom Münchner Architekt Peter Lanz mit seinem Büro geplant, der im Jahr 1975 auch schon die alte Anlage entworfen hatte. Der neue Bau, der nun am 4. August offiziell eingeweiht und drei Tage später auch für die Besucher zu sehen sein soll, kostete rund 5,2 Millionen Euro, das der Tierpark nach den Ausführungen des kaufmännischen Vorstands, Walter Schmid, 'mit Hilfe von Spenden' aufbringen konnte.
Mit der neuen Anlage sind gleich mehrere Hoffnungen verbunden: die einst berühmte Eisbärenzucht Hellabrunns wieder zu beleben, die bislang stark von Beton dominierte Anlage natürlicher wirken zu lassen und die Eisbären artgerechter unterzubringen. Um die neue Anlage deutlich vergrößern zu können, wurden die Moschusochsen abgegeben und deren Anlage in das neue Gelände integriert. Damit werden die Eisbären künftig auf einer mehr als dreimal so großen Fläche zu Hause sein wie bisher: statt auf 730 auf 2500 Quadratmetern. Zudem besteht die neue Anlage aus zwei Gehegeteilen: einer Eis- und Felsenlandschaft und einer Tundra- und Taigalandschaft. Tundra und Taiga kommen dem natürlichen Verhalten der Eisbären entgegen, die vor allem in den Sommermonaten von den arktischen Gewässern ins Landesinnere wandern, um nach Futter zu suchen. Mit der zunehmenden Eisschmelze wird sich das noch verstärken.
Zwischen den Gehegeteilen wurde zudem ein neues Mutter-Kind-Haus gebaut, in dem die Eisbärinnen ihre Jungtiere völlig ungestört aufziehen können, wie Zoodirektor Andreas Knieriem betonte. Doch auch dem Besucher bringt die neue Eisbärenanlage neue Einblicke: Sie können in einer Art Felsenhöhle den Eisbären beim Schwimmen zusehen.
Giovanna und Yoghi, der Steckbrief zweier Eisbären
Doch das Projekt hatte im Vorfeld auch Kritiker. „Uns wurde vorgeworfen, dass wir vor dem Umbau neue Eisbären nach Hellabrunn geholt haben“, erzählte Wiesner, der seinerzeitige Zoodirektor. Doch es habe keine Alternative gegeben. Als sich Wiesner wegen seiner guten Verbindungen zum italienischen Zoo Pistoia die Möglichkeit bot, Yoghi und Giovanna zu übernehmen, zögerte er nicht.
Yoghi, geboren am 29.11. 2000 in Pistoia, wo er mit seiner Mutter Bimba lebte, kam 2007 nach München. Yoghi wurde bereits einmal Vater. Sein Sohn Blizzard ist im Alter von Knut. Die Münchner Pfleger beschreiben Yoghi als noch sehr verspielten Eisbären, der mit Vorliebe sein Spielzeug durch das ganze Gelände trägt. Außerdem ist er ein begeisterter Schwimmer. Da er den Ruf hat ein gutmütiger Bär zu sein, stehen die Chancen nicht schlecht, dass er sich mit Giovanna gut verstehen wird.
Giovanna, die 28. 11. 2006 in Fasano von der Eisbärin Marissa geboren wurde, folgte 2008 nach München. In Berlin konnte man sich von ihrer Wasserleidenschaft überzeugen. Sie ist eine sprunggewaltige Bärin, ein wahrer Wirbelwind, aber auch geduldig und dennoch selbstbewusst.
Für Wiesner waren die zwei Eisbären damals ein doppelter Glücksfall. „Das war wie ein Sechser im Lotto.“ Eisbären seien rar und nicht von heute auf morgen zu erwerben. Viele Zoos stünden auf der Warteliste. „Wir wollten nicht riskieren, dass die Besucher vor einer neuen, aber leeren Eisbären-Anlage stehen.“
Die Hoffnungen des Zoos Hellabrunn
Eisbären sind von Natur aus sehr neugierig. Sie werden nach ihrem Wiedereintreffen in München die neue Anlage mit Freude erkunden. Das wellige Areal mit natürlichem Bachlauf sollte den Eisbären gefallen. Sie können umher streifen, auf Felsen klettern, sich an Bäumen scheuern, versteckten Honig aufspüren oder Fleischstücke ausgraben.
Vielleicht erfüllt sich dann im Tierpark auch eine besondere Hoffnung: Dass die artgerechte Umgebung die Tiere in Sachen Nachwuchs aktiv werden lässt. Für ein Eisbärenbaby wie Knut wäre Hellabrunn jedenfalls bestens gerüstet.
Lassen wir den beiden Eisbären Zeit sich aneinander zu gewöhnen und sich ein zu leben. Das ist vorerst das Wichtigste. Alles andere wird die Zukunft zeigen.
Die Eisbären Giovanna und Yoghi im Herbst 2011
Es wird gemunkelt, dass sich Giovanna bewusst von Yoghi zurückieht. Spannend. Der Zoo hat nunmehr die beiden Eisbären getrennt. Kündigt sich da bereits ein Eisbärennachwuchs an oder übt die noch sehr junge Eisbärin erst? Der Zoo ist jedenfalls für alle Fälle gerüstet.
Laut Tierpark wird sich Giovanna auf alle Fälle etwa im November auf das Mutter-Kind-Haus beschränken müssen, damit das erhoffte Jungtier nicht auf der Außenanlage zur Welt kommen, wird. Da bei Eisbären die verzögerte Einnistung sehr vom Zustand der Bärin abhängig ist, kann der Zoo nichts Konkretes zu einer möglichen Geburt sagen.
Ob die Hellabrunner Angabe "Schwangerschaftsgymnastik" von Giovanna stimmt, werden wir in Kürze erfahren.
Bildnachweis: Giovanna: Viktor H.; Yoghi: Caren
