
- Giraffenbaby Arusha - N.Potensky
Kein anderes Tier blickt uns so von oben herab an wie die Giraffe und wirkt dennoch grazil, sanft und rehäugig.
Systematischer Überblick
- Klasse Säugetiere (Mammalia)
- Ordnung Paarhufer (Artiodactyla)
- Unterordnung Wiederkäuer (Ruminantia)
- Familie Giraffen (Giraffidae)
Die Giraffe (Giraffa cameleopardis)
Giraffen sind die am höchsten gewachsenen Landsäugetiere. Mit einer Höhe von über 5 Metern (die höchste jemals gemessene Giraffe 5,80 Meter) blicken sie auf uns herab. Je nach Region sind sie hell oder dunkelbraun gefleckt, man kennt heute neun Unterarten. Der bis zu einen Meter lange Schwanz hat am Ende ein Haarbüschel.
Die Giraffe und ihr spezialisierter Blutkreislauf
Der extrem lange Hals erfordert vom Herz der Giraffe eine besondere Leistung, um das Blut zum Kopf zu befördern. Es kann 60 Liter Blut pro Minute durch den Körper pumpen, wiegt zwölf Kilo und sorgt für einen Blutdruck, der dreimal so hoch ist wie beim Menschen. Was aber geschieht, wenn der Kopf sich senkt? Damit das Blut nicht mit hohem Druck in den Kopf schießt, sorgt ein ausgeklügeltes System mit Ventilen für das rechtzeitige Schließen der Arterie. Immer wenn die Giraffe den Kopf senkt, schließen sich Ventile, denn sonst würde das Tier bei jedem Beugen ohnmächtig werden.
Die Geschichte der Giraffenartigen
Bis zum Ende des Pleistozäns - vor rund 20.000 Jahren - kam die Familie Giraffidae nicht nur in Afrika, sondern auch in den gemäßigten Zonen Europas und Asiens vor. Heute sind nur mehr zwei Spezies übergeblieben. Doch bereits vor 4.000 Jahren hielt die ägyptische Königin Hatshepsut eine Giraffe in ihrer Menagerie. Im Jahr 46 vor Christus ließ Julius Cäsar erstmals eine Giraffe nach Rom bringen. Aufgrund der Form und der Fellmusterung glaubte man, dass die Giraffe aus der Kreuzung einer Kamelstute mit einem Leopard hervorgegangen sei, und nannte sie darum "Cameleopard". Dieser Name hat sich dann später im wissenschaftlichen Artnamen niedergeschlagen. Der Name Giraffe wiederum stammt aus dem Arabischen, bedeutet "der, der schnell geht". Bei jedem Schritt legt nämlich eine ausgewachsene Giraffe fast 4,50 Meter zurück. Eine andere Deutung lautet: "Serafe" und bedeutet "die Liebliche". Passt ebenfalls.
Die Giraffe und ihr Lebensraum in Afrika
Die Giraffe ist ein wiederkäuender Paarhufer des afrikanischen Kontinents, ihr Lebensraum ist die Savanne von Ostafrika und Zentralafrika. Wie alle Huftiere lebt die Giraffe in Familiengruppen von sechs bis zehn Tieren oder mehr. Jede Gruppe für sich hat ein männliches Leittier, einige Weibchen und deren Junge. Durch ihre Höhe kann sie Gefahren kilometerweit erkennen. Ihre Hauptnahrung sind Blätter, junge Sprösslinge, Knospen, Blüten und Früchte, kaum Gras, Lieblingsfutter: die Akazie, wo ein subtiles Teamwork zwischen Akazie-Ameise und Giraffe besteht. Mit ihrer bis zu 50 Zentimeter langen blauen Zunge ergreift sie einen Zweig und streift mit den Zähnen die Blätter von den Zweigen.
Wie und wo Giraffen ihre Jungen gebären
Nach einer Tragzeit von 15 Monaten kommt vorwiegend ein Junges immer bei Sonnenaufgang zur Welt. Dazu begeben sich die trächtigen Giraffen an besondere, vor Feinden geschützte Stellen entlang ihrer Wegroute. Meistens sind es mehrere Mütter gleichzeitig. Die Jungen fallen buchstäblich ins Leben, denn sie stürzen aus zwei Metern Höhe auf die Erde. Das Junge wiegt bei der Geburt zwischen 47 und 70 Kilo und ist etwa 1,80 Meter hoch. Es wird von der Mutter trocken geleckt und sobald es sich aufrappeln kann, wird getrunken. Schon knapp nach der Geburt schließt sich die Giraffe mit ihrem Jungen der Herde wieder an.
Die Jungtiere flüchten bei drohender Gefahr immer zwischen die Beine ihrer Mütter. So wehrlos eine Giraffe wirkt, ihr langer Hals wird schon mal als Keule eingesetzt und auch ihre Hufe können einen Feind vertreiben. Später werden die Jungen in einer Art Kindergarten in der Obhut von Tanten gemeinsam beaufsichtigt, während sich die Mütter stärken. Mit zehn Monaten kann das Junge schon selber wiederkäuen und wird entwöhnt. Mit zehn Jahren ist eine Giraffe ausgewachsen. In freier Wildbahn kann eine Giraffe 26 Jahre alt werden, in Zoos bis zu 36 Jahre.
Das Okapi (Okapia johnstoni), die kleine Schwester der Giraffe
Das Okapi, ebenfalls in Afrika beheimatet, wurde erst 1901 vom Afrikaforscher Sir Harry Johnston entdeckt. Das Okapi ist im Gegensatz zur Giraffe nicht gefleckt, sondern an den Beinen gestreift und wird nur knapp zwei Meter hoch. Das Okapi, auch Waldgiraffe genannt, kommt im Regenwaldgebiet Zentralafrikas vor.
Zu gemeinsamen Merkmalen Giraffe-Okapi zählen beispielsweise die Stirnzapfen, die bei der Giraffe von beiden, beim Okapi nur vom Männchen getragen werden. Diese "Hörner" besitzen keine Hornscheide (Boviden), sondern sind mit Haut überzogen. Ein weiteres Kennzeichen der Giraffidae sind ihre niedrigkronigen Backenzähne, die mit kantig gewelltem Schmelz überzogen sind. Bei allen anderen Säugetieren ist die Schmelzhülle der Zähne glatt. Dieses Merkmal ist einmalig.
Arusha, das Giraffenbaby vom Tiergarten Schönbrunn
Rund 1,70 Meter hoch ist der jüngste Nachwuchs , am 4. Juli 2011 geboren. Giraffendame Rita brachte vor den Augen der Zoobesucher ihr erstes Jungtier zur Welt. Kurz nach seinem „Sturz ins Leben“ unternahm Arusha auf zittrigen Beinen die ersten Stehversuche, stolzierte bald darauf schon trittsicher an der Seite ihrer Mutter durch die Anlage. Lange, schlacksige Beine, beige-braun gemustertes Fell und riesige Augen mit langen Wimpern. Die Fellzeichnung macht jede Giraffe einzigartig, denn diese ist so unverwechselbar wie ein Fingerabdruck.
Die Giraffenherde im Tiergarten zählt zu den Rothschildgiraffen, von denen es in den Savannen Afrikas nur noch rund 2.500 Tiere gibt. 2007 gab es in Schönbrunn den letzten Giraffennachwuchs. Die Tradition, Giraffen zu halten, geht im Tiergarten bereits auf das Jahr 1828 zurück. In diesem Jahr kam die erste Giraffe als Geschenk des Vizekönigs von Ägypten an den österreichischen Kaiser nach Wien.
Arusha verstorben
Am Samstag, den 28. 01. 2012 früh fanden die Pfleger das Jungtier bei Dienstantritt leblos im Stall liegend. Am Tag zuvor zeigte der fast sieben Monate alte Arusha leichte Koliksymptome und Appetitlosigkeit. „Wir haben ihn umgehend fachtierärztlich behandelt, danach verbesserte sich sein Zustand", erklärt Zootierarzt Thomas Voracek.
Der Körper der Giraffe wird auf der Veterinärmedizinischen Universität pathologisch untersucht. Das ist immer Vorschrift bei einem unerwarteten Tod eines Tieres im Zoo. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Arusha an einer akuten bakteriellen Darminfektion erkrankt war.
Andere Jungtieren aus dem Tiergarten Schönbrunn geht es weiterhin gut.
Fotos: Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky; Ralf Küppers / pixelio.de
Quellen:
- e.encyclopedia animal, Dorling Kindersley 2005 London;
- wwf conservation stamp collection
- uniprotokolle.de
