Glaubwürdigkeit - wie ist es um sie bestellt?

Glaubwürdigkeit heute - Gerd Altmann / pixelio.de.
Glaubwürdigkeit heute - Gerd Altmann / pixelio.de.
Glaubwürdig sein, seine Ankündigungen auch einhalten, daran wird und wurde eine Person zu allen Zeiten gemessen. Nur, wie glaubwürdig sind Menschen heute?

"Wie gern würde ich daran glauben ..., aber nur, wenn es wahr ist.“ Dieses Zitat aus Doktor Schiwago sagt viel aus und gilt heute im besonderen Maße, wenn von Glaubwürdigkeit die Rede ist. In einer Zeit, in der moderne Medien für eine Überinformation sorgen und das in Worte Gefasste oft Staunen auslöst und man sich schwer tut, dem Gehörten Glauben zu schenken, ist es gut, den gesunden Menschenverstand zu bewahren. Was ist Glaubwürdigkeit? Eine einfache und zutreffende Antwort lautet: Glaubwürdigkeit ist die Übereinstimmung von Reden, Absichten und Taten. Aristoteles ordnete die Glaubwürdigkeit der moralischen Integrität einer Person zu, deren Charakter er als Form der Beweisführung betrachtet, für das, was ausgesagt wird. Damit macht er alles, was dieser Begriff beinhaltet, an der Person selbst fest. Wer etwas ankündigt und damit Erwartungen, und nicht zuletzt Vertrauen beim Adressaten weckt, von dem wird erwartet, dass er sich an seine Ankündigung hält und es nicht nur bei Worten belässt. Wird es nur bei Worten belassen, ist der Ruf ramponiert und meist nur schlecht wiederherzustellen.

Der Unterschied zwischen Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit

Glaubwürdigkeit ist ein Wort, das viel benutzt wird, gerade auch in letzter Zeit. Nicht selten hinterlässt es bei dem Hinterfragenden Enttäuschung. Das liegt aber nicht an dem Wort selbst. Dieses ist von seiner Einordnung her positv besetzt, das heißt, man assoziiert Positives damit. Zunächst ist zu unterscheiden zwischen Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit. Ersteres bezieht sich auf eine Person und ist eine attributionale Eigenschaft. Glaubhaftigkeit dagegen bezieht sich auf den Wahrheitsgehalt einer Aussage, die eine Person macht. Allerdings können als unglaubwürdig geltende Personen, Betrüger etwa, glaubhafte Aussagen machen. Umgekehrt können glaubwürdige Personen durchaus auch irren, und ihre Aussage driftet ins Unglaubhafte ab. Die Glaubwürdigkeit einer Person prägt ihr Umfeld. Dies umso mehr, wenn es sich um eine Person der Öffentlichkeit handelt, einen Politiker etwa. Personen des öffentlichen Lebens, egal aus welchem Bereich sie kommen, werden in ihren Verhaltensweisen nicht selten als Vorbilder herangezogen. Stellt sich heraus, dass eine solche Person durch Negativschlagzeilen von sich reden macht, wird auf Distanz zu ihr gegangen. Nicht anders verhält es sich, wenn Glaubwürdigkeit der Unglaubwürdigkeit weicht.

Was Glaubwürdigkeit beeinflusst

Es gibt drei Kriterien, an denen die Glaubwürdigkeit einer Person festgemacht wird. Erstens: Worte und Taten. Hat der Chef etwa angekündigt: "Ich werde nicht zulassen, dass uns von oberster Stelle weiterhin unrealistische Ziele diktiert werden!“ Mit dieser Aussage weckt er Hoffnungen bei seinen Mitarbeitern. Die Enttäuschung ist umso größer, wenn die Ankündigung nicht eingelöst wird. Das Ende von Glaubwürdigkeit und Vertrauen dem Chef gegenüber ist in dem Fall erreicht. Zweitens: Konsequenz. Hält sich der Chef an die selbst gesetzten Regeln? Oder sucht er nach Ausflüchten und Ausreden. In dem Fall büßt er seine Glaubwürdigkeit ebenfalls ein. Drittens: Kontinuität. Gelten zentrale Aussagen auch einige Zeit später noch oder werden sie heimlich, still und leise durch neue Prioritäten abgelöst? Nach dem Motto: Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Auch in dem Fall ist es schlecht um die Glaubwürdigkeit bestellt. Nur wenn alle drei an Kriterien eingehalten werden, kann von Glaubwürdigkeit gesprochen werden.

Wer als glaubwürdig gilt

Traditionell gibt es Personenkreise und Berufe, von denen Glaubwürdigkeit angenommen wird und die auch als glaubwürdig gelten. Lange Zeit standen an vorderster Front Priester und Ärzte. Bei Ersteren hat die Glaubwürdigkeit in letzter Zeit stark gelitten. Stichwort: Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen. Nach einer Umfrage von Reader's Digest führen derzeit die Feuerwehrleute die Liste glaubwürdiger Personenkreise und Berufe an. 95 Prozent der Befragten halten die Brandbekämpfer für glaubwürdig. Gefolgt von Piloten und Krankenschwestern mit jeweils 92 Prozent. 86 Prozent der Befragten sprechen Apothekern Glaubwürdigkeit zu, bei den Ärzten ist es ein Prozent weniger. Polizisten genießen bei 79 Prozent der Befragten Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Priester und Pfarrer fielen ab auf 39 Prozent und liegen damit hinter den Taxifahrern (45 Prozent). Auf den letzten vier Plätzen von 20 vorgegebenen Berufen landen Finanzberater und Fußballspieler (beide 14 Prozent), Autoverkäufer (zehn Prozent), und schließlich als Schlusslicht die Politiker mit sieben Prozent.

Quelle: Fränkischer Anzeiger

Bildnachweis: © Gerd Altmann / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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