Seit 2001 unterstützt eine Gruppe von spanischen Männern die Frauen in ihrem Vorhaben, die gesellschaftliche Gleichberechtigung Realität werden zu lassen. Ganz eigennützig ist die Initiative des Vereins der Männer für die Gleichberechtigung der Geschlechter (Asociación de Hombres para la Igualdad de Genero AHIGE) aber doch nicht. Sie wollen sich selbst auch von auferlegten Rollenbildern befreien. "Wir beschreiben das so: Wir wollen den Macho in uns zerstören und den Menschen aufbauen", sagt Antonio García Dominguez, der Gründungspräsident von AHIGE. Im suite101-Interview verrät er mehr.
suite101: Was will Ihr Verein erreichen?
Antonio García Dominguez: Wir haben zwei Ziele. Zum einen wollen wir den Frauen bei ihrem Kampf gegen die Diskriminierung helfen, die sie erleiden, und zum anderen arbeiten wir an einer Veränderung des Mannes. Wir gehen davon aus, dass auch der Mann in unserer Gesellschaft dsikriminiert wird, beide Geschlechter sind von der jetzigen Rollenverteilung benachteiligt. Dabei will ich aber klarstellen, dass wir Männer in unserer emotionalen und persönlichen Entwicklung genauso eingeschränkt sind, wie die Frauen. Aber Frauen werden gesellschaftlich unterdrückt, während wir in der vorteilhaften Situation sind. Das patriarchische Gesellschaftsystem ist für uns natürlich bequem.
suite101: Wie kommen Sie denn an die Männer heran, die sich in Ihrer aktuellen Rolle sehr wohl fühlen?
García Dominguez: Wir können nur mit den Männern arbeiten, die sich bei uns melden oder auf unsere Aufklärungsarbeit reagieren. Zwingen können wir natürlich nicht. Es gibt drei Typen von Männern. Das Gros ignoriert das Problem und weigert sich, einzugestehen, dass es eine Ungleichheit gibt. Eine Minderheit betrachtet uns als Verräter und eine kleine Gruppe fühlt das gleiche wie wir. Die sagen uns, wenn sie mit uns in Kontakt getreten sind, 'Ihr gebt dem Namen, was ich schon seit langem fühle.'
suite101: Wie sieht die konkrete Arbeit Ihres Vereins aus?
García Dominguez: Als wir vor sieben Jahren anfingen, haben wir nur auf der persönlichen Ebene mit interessierten Männern gearbeitet. Wir setzten uns zusammen und redeten einfach über unsere Gefühle und unsere Probleme. Diese Linie ist immer noch sehr wichtig, zur Zeit gibt es in der Provinz Málaga fünf Gruppen, die sich monatloch treffen. Aber es sind zwei neue dazugekommen. Zum einen haben wir verschiedene soziale Projekte, wo wir bei konkreten Problemen mitanpacken. Zum Beispiel arbeiten wir mit gewalttätigen Männern und organisieren eine Aufklärungskampagane über Männer und Gesundheit - denn Männer gehen erst zum Arzt, wenn es zu spät ist.
Zum anderen versuchen wir unser unser Anliegen publik zu machen. Wir leisten in den Schulen Aufklärungsarbeit mit Unterrichtsmaterialien und Vorträgen, im Internet veröffentlichen wir die Zeitschrift 'Hombres Igualiarias' und gerade arbeiten wir an einem Text, den wir der neuen Regierung vorlegen wollen, damit sie unser Anliegen unterstützt. Männer sind das einzige gesellschaftliche Kollektiv in Spanien, für das es keine spezifische Politik gibt. Es wir davon ausgegangen, dass wir das nicht nötig haben. Aber das stimmt natürlich nicht.
suite101: Wie groß ist die Männerbewegung in Spanien?
García Dominguez: Es gibt fünf Vereine, die vor allem lokal und regional arbeiten. Wir sind der einzige, der im ganzen Land organisiert ist. Acht Gruppen gibt es in Spanien, in Córdoba, zwei in Katalonien, in Madrid, Kantabrien und auf den Kanarischen Inseln, hier in Málaga ist der Hauptsitz. Wir haben insgesamt etwa hundert Mitglieder, Angestellte gibt es nur hier. Wir sind acht Sozialarbeiter, Psychologen und Erzieher. Im Vergleich zu Vereinen in Nordeuropa sind wir aber recht gut organisiert.
suite101: Wie finanzieren Sie die Bewegung?
García Dominguez: Der Großteil kommt aus Subventionen von der Landesregierung, verschiedenen Ministerien und der Europäischen Union. Die Gelder werden uns aber immer für konkrete Projekte gegeben und nicht für die Aufklärungsarbeit. Die müssen wir mit privaten Fördergeldern finanzieren.
suite101: Glauben Sie, dass es Zufall ist, dass die Bewegung in Andalusien entstanden ist?
García Dominguez: Es kann schon sein, dass hier mehr Notwendigkeit herrscht, weil die traditionelle Rollenverteilung besonders stark verankert ist.
suite101: Kommen die Männer zu Ihnen, weil sie von ihrer feministischen Freundin dazu angetrieben werden oder weil sie sich von ihrer traditionellen Frau eingeschränkt fühlen?
García Dominguez: Die meisten Männer, die zu uns kommen, haben Frauen, die für die Gleichberechtigung kämpfen, die wenigsten fühlen sich in der traditionellen Rollenverteilung unwohl. Es ist einfach so, dass sie für uns Männer wahnsinnig bequem ist.
suite101: Sind die Männer im Norden, zum Beispiel in Deutschland, weiter als hier in Spanien?
García Dominguez: Das kann ich so genau nicht sagen, aber ich denke, dass wir im Nachteil sind, weil uns bis Mitte der 70er Jahre von Franco auf das traditionelle Bild getrimmt wurden, der Impuls der Frauenbewegung der 60er Jahre fehlt uns. Aber trotzdem glaube ich, dass sich im Norden vor allem neue Verhaltensweisen durchgesetzt haben, aber dass auf emotionaler Ebene noch sehr viel zu tun ist.
