
- Sowjetposter zum 8. März aus dem Jahr 1932 - Plakaty
Der 8. März ist 1975 von der UNO zum Internationalen Frauentag erklärt worden. Das Datum geht zurück auf Proteste von New Yorker Textilarbeiterinnen, die am 8. März 1957 zum ersten Mal gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und für gleichen Lohn demonstriert haben sollen. Auf einer Veranstaltung der New Yorker Sozialdemokratinnen am 8. März 1908 wurde zudem das Frauenwahlrecht propagiert.
Erster Internationaler Frauentag 1911
Unter dem Einfluss der Ereignisse in den USA schlug Clara Zetkin, eine deutsche Sozialistin, auf der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 in Kopenhagen vor, einen internationalen Frauentag ins Leben zu rufen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Der erste Internationale Frauentag wurde 1911 begangen.
Während vor dem Ersten Weltkrieg das Frauenwahlrecht zu den wichtigsten Forderungen gehörte und dieses in den meisten europäischen Ländern sowie in den USA nach 1918 erfüllt wurde, rückten soziale Missstände in den Fokus. So forderte etwa die deutsche Frauenbewegung unter anderem Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnabschlag, die Senkung der Lebensmittelpreise, regelmäßige Schulspeisungen sowie den legalen Schwangerschaftsabbruch.
Arbeitsfreier Nachmittag in China
Da der Frauentag grundsätzlich mit sozialdemokratischen und sozialistischen Organisationen in Verbindung gebracht wird, war er zwischen 1933 und 1945 in Deutschland verboten. Danach wurde er in Ost und West unterschiedlich begangen. Während in der DDR der Frauentag ab 1946 stark ideologisch geprägt war, blieb er im Westen eine zaghafte Randveranstaltung, der 1948 zum ersten Mal wieder von Sozialdemokratinnen begangen wurde.
Erst mit der neuen Frauenbewegung der späten 60er Jahre, gewann der Frauentag auch im Westen wieder an Bedeutung. Heute ist der 8. März in zahlreichen Ländern ein gesetzlicher Feiertag, unter anderem in Kuba, Vietnam, Russland und Bulgarien. In China genießen am 8. März Frauen einen arbeitsfreien Nachmittag.
Rechte von Frauen und Mädchen bedroht
Es gäbe viele Bereiche, in denen Frauen nach wie vor benachteiligt seien, so Serap Altinisik von Terre des Femmes. "Hier eine Hierarchie einzuführen ist schwierig und auch nicht unbedingt förderlich für die Rechte der betroffenen Frauen und Mädchen.“ Folgende Punkte beträfen jedoch viele Frauen und bedrohten die Rechte von Frauen und Mädchen:
- Frauen und Armut: Die Feminisierung der Armut hat an Bedeutung gewonnen. Ungleiche Bezahlung, Arbeitslosigkeit und eine zunehmende Armut, besonders bei Frauen im ländlichen Raum, vergrößern die wirtschaftliche Kluft zwischen Männern und Frauen. Alleinerziehende sind besonders betroffen.
- Bildung und Ausbildung von Frauen: In allen Regionen der Welt wurden Maßnahmen ergriffen, Bildungssysteme für Mädchen benachteiligter Gruppen und Gemeinschaften einzuführen. Anhaltende geschlechtsspezifische Diskriminierungen, Stereotype in Bezug auf Schul- und Berufswahl wirken sich aber weiterhin negativ aus. Es bestehen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahl der Ausbildung und der Frauenanteil nimmt bei höher werdender Qualifizierung stark ab.
- Frauen und Gesundheit: Es gibt Fortschritte bei der Verwendung moderner Verhütungsmethoden und mehr Aufmerksamkeit dem Problem HIV/AIDS bei Frauen gewidmet. Weiterhin fehlt aber ein ganzheitlicher Ansatz bei der Gesundheitsversorgung von Frauen und Mädchen. Es herrscht Mangel an geschlechtsspezifischer Forschung und Datenanalyse, sowie an finanziellen Ressourcen.
- Gewalt gegen Frauen: Politikreformen wurden in vielen Ländern der Welt eingeleitet sowie Gesetze gegen unterschiedliche Formen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen erlassen oder bestehende novelliert. Der Mangel an Verständnis für die eigentlichen Ursachen von Gewalt gegen Frauen, sowie unzureichende Daten über geschlechtsspezifische Übergriffe behindern allerdings die Bemühungen um Reduzierung der Gewalt. Frauenhandel, Zwangsprostitution und Gewalt an älteren Frauen nehmen zu, Genitalverstümmelung und andere schädliche traditionelle Praktiken können kaum reduziert werden. Ein gesetzlich festgeschriebener Opferschutz ist für Frauen tatsächlich kaum durchsetzbar.
- Frauen und bewaffnete Konflikte: Die Statute und Richtlinien der Internationalen Kriegsverbrechertribunale für das ehemalige Jugoslawien und für Ruanda sowie des Internationalen Strafgerichtshofs beziehen geschlechtsspezifische Menschenrechtsverletzungen ein. Unter bestimmten Voraussetzungen wird Gewalt gegen Frauen als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet. Obwohl der potentielle Beitrag von Frauen zum Friedensaufbau, zur Friedensschaffung und zur Konfliktbeilegung anerkannt ist, wurden Frauen bisher auf allen Entscheidungsebenen in den Schlüsselpositionen nicht eingesetzt. Bei bewaffneten Angriffen und Übergriffen auf die Zivilbevölkerung sind Mädchen und Frauen zunehmend Opfer.
- Die Frau in der Wirtschaft: Nach internationalen Arbeitsrechtskonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurden Gesetze erlassen und Maßnahmen gegen diskriminierendes Verhalten am Arbeitsplatz beschlossen sowie um gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen vorzubeugen. Besonders nachteilig wirkt sich die Globalisierung für Frauen im produzierenden Gewerbe aus - Stichwort Lohndumping. Zunehmend sind Stagnation oder sogar Rückschritte in der Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit und der sozialen Sicherung von Frauen zu verzeichnen.
- Frauen in Macht- und Entscheidungspositionen: Gezielte Frauenförderungen, Quotensysteme und feste Zielvorgaben wurden eingerichtet. Dennoch konnte die bestehende Kluft zwischen rechtlicher und tatsächlicher Gleichstellung bisher nicht ausgeräumt werden. Traditionell zugedachte Geschlechterrollen wirken fort, mangelnde finanzielle Ressourcen behindern Initiativen und Programme zur Förderung und stärkerer Beteiligung von Frauen.
- Institutionelle Mechanismen zur Förderung der Frau: Zur Förderung der Gleichstellung wurden in verschiedenen Ländern auf nationaler Ebene Aktionspläne aufgestellt. Gender Mainstreaming, die Prüfung der Auswirkung von Entscheidungen aus geschlechtsbezogener Perspektive, führte nicht im gewünschten Ergebnis. Mangel an angemessener finanzieller und personeller Ausstattung, unzureichendes Verständnis für die Gleichstellung und mangelnde Kontakte zur Zivilgesellschaft behindern die Arbeit der nationalen Einrichtungen zur Überwachung der Umsetzung oder verhindern sie sogar.
- Menschenrechte der Frauen: Es gibt Reformen im Zivil-, Straf- und Familienrecht, Durchsetzungs- und Überwachungsmechanismen wurden eingerichtet oder verbessert. 185 Staaten (Stand: 2.11.2006) haben CEDAW ratifiziert oder sind ihr beigetreten. Trotzdem gibt es immer noch geschlechtsdiskriminierende Gesetze, tragen Ignoranz, mangelnde Kenntnis des Rechts, geschlechtsspezifische Vorurteile bei Polizei, Verwaltung und Justiz, sowie ein stereotypes Rollenverständnis zu Menschenrechtsverletzungen von Mädchen und Frauen bei. Schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Ehrenmorde werden zwar immer mehr öffentlich bekannt gemacht, aber kaum verhindert.
- Frauen und Medien: National und international gegründete Frauen-Mediennetzwerke sichern unterstützend die Verbreitung von Informationen von und für Frauen. Kommunikationsmöglichkeiten über das Internet werden zunehmend in Anspruch genommen. Allerdings sind Frauen kaum in medienpolitisch entscheidenden Schlüsselpositionen und bei der Programmgestaltung vertreten. Stereotype Darstellungen von Frauen und Pornographie haben hingegen zugenommen.
- Mädchen: Hilfsangebote für schwangere Mädchen und jugendliche Mütter wurden geschaffen, außerschulische Bildungsangebote ausgebaut und die verstärkte Beteiligung am naturwissenschaftlichen und technologischen Unterricht ermöglicht. Die tief verwurzelte Benachteiligung und Diskriminierung von Mädchen konnte trotzdem noch nicht überwunden werden. In vielen Staaten sind erhebliche traditionelle diskriminierende Verhaltensmuster gegenüber Frauen und Mädchen festzustellen, sowie eine in jeder Hinsicht unzureichende Grundversorgung. Weibliche Föten werden weiterhin bevorzugt abgetrieben.
Solange diese Missstände weltweit existieren, brauchen wir also einen Internationalen Frauentag.
