Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Gleicher Lohn - OCAL
Gleicher Lohn - OCAL
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit - das wird von der Politik oft verlangt. Dabei hält sie sich selbst oft nicht daran. Was ist überhaupt "gleiche Arbeit"?

Nicht nur im Zusammenhang mit statistischen Unterschieden zwischen der Vergütung von Männern und Frauen wird "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gefordert. Wer diese Forderung aufstellt, kann sich als Politiker des allgemeinen Beifalls gewiss sein. Dennoch ist es geboten, die Forderung zu hinterfragen und zwar sowohl hinsichtlich der Umsetzung durch jene, die sie lautstark fordern, wie auch die Probleme, die sich bei einer praktischen Umsetzung ergeben.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – und wenn die Politiker selbst entscheiden?

Es wäre doch naheliegend, wenn in den Bereichen, in denen Politiker selbst entscheiden, nämlich bei den Beamten, sie dafür sorgen, dass es gleiche Vergütung für die gleiche Arbeit gibt. Dem ist aber nicht so. Dabei kann das bei den Beamten einfach per Gesetz bestimmt werden und wird eben nicht zwischen Tarifpartnern ausgehandelt. Seit aber die Bundesländer selbst über die Besoldung von Beamten, Richtern und Staatsanwälten entscheiden dürfen, läuft diese auseinander und mit jeder Lohnrunde werden die Unterschiede zwischen reichen und armen Bundesländern größer anstatt kleiner. Die Höhe der Vergütung richtet sich nicht nur nach der Arbeit, die geleistet wird, sondern auch nachd er Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers oder Dienstherrn.

Problem: Was ist gleiche Arbeit?

Was sich in der Theorie so einfach anhört, lässt sich, sobald man konkret wird, schwer umsetzen. Was ist nämlich unter "gleicher Arbeit" überhaupt zu verstehen? Bleiben wir einmal bei Beamten. Da gibt es Lehrer, die haben Korrekturfächer (also vor allem die Sprachen) und andere, die unterrichten Fächer, in denen nie Klassenarbeiten geschrieben werden. Ist das nun "gleiche Arbeit" – sind alles ja Lehrer oder ist das unterschiedliche Arbeit, denn der Lehrer oder die Lehrerin mit Deutsch und Englisch sitzt am Wochenende vor Stapeln von Arbeiten, während der Kollege mit Musik und Sport mit dem Mountainbike durch den Wald fährt? Wer kann das entscheiden?

Gleiche Arbeit – quantitativ zu verstehen?

Wenn man die "gleiche Arbeit" quantitativ versteht, fragt es sich, ob jemand, der im Jahr mehrfach jeweils mit Entgeltfortzahlung arbeitsunfähig erkrankt ist, die gleiche Arbeit leistet, wie jener, der das ganze Jahr über gesund ist und eventuell sogar die Arbeit für den erkrankten Kollegen mitmacht.

Gleiche Arbeit – aber anderes Ergebnis?

Stellen wir uns zwei Dreher vor, die an verschiedenen Maschinen arbeiten. Die Arbeit ist gleich, nämlich die Kontrolle der Maschine auf Fehler. Die moderne Maschine produziert in acht Stunden 1.000 Teile, die alte nur 700 Teile. Gleiche Arbeit und deshalb gleiche Vergütung? Aus Sicht des Arbeitgebers besteht ein Unterschied von 30 Prozent. Was ist, wenn der Unterschied nicht aufgrund der Maschine entsteht, sondern wegen körperlich anderer Konstitution. Lassen wir zwei Getränkeauslieferer fahren und der eine ist kräftig und liefert am Tag 100 Kisten aus und der andere nur 70 Kisten. Beide haben acht Stunden gearbeitet. Ist das nun gleiche Arbeit oder nicht? Fordert der Slogan "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" nun eine gleiche Vergütung oder fordert das – auch immer wieder beschriebene Leistungsprinzip – gerade eine unterschiedliche Vergütung?

Ab wann sind Unterschiede wesentlich?

Vereinfachen wir die Beispiele wieder und betrachten unsere beiden Dreher. Ein Dreher ist schon älter und berufserfahrener der andere jung und frisch ausgebildet. In vielen Tarifverträgen sind Steigerungen des Verdienstes an Berufsjahre geknüpft. Wenn sie an der gleichen Maschine sitzen ist das nun gerecht oder ist das ungerecht?

So lange die Maschine funktioniert ist vielleicht alles gleich. Aber wenn sie kaputt geht, muss repariert werden. Liegt es an der EDV, kriegt das vielleicht der junge Kollege schneller geregelt, wenn in der "Mechanik", kann der ältere Arbeitnehmer eventuell schneller eine Lösung finden. Muss man nun bei der Frage, ob es die gleiche Arbeit ist, auf den Normalfall (Maschine funktioniert) abstellen oder zeigen sich die Qualitäten gerade im Problemfall, wenn die Maschine kaputt ist. Ist Arbeit der Kollegen nun gleich, so dass sie nach dem immer wieder propagierten Grundsatz die gleiche Vergütung erhalten müssen oder doch unterschiedlich?

Vergütung hängt auch von anderen Faktoren als von der Art der Arbeit ab

Der Slogan "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" blendet andere Faktoren bei der Lohnfindung aus. So spielt es etwa eine Rolle, wo ein Arbeitsplatz ist. Bekäme der Arbeitnehmer in München die gleiche Vergütung wie ein Arbeitnehmer in Mecklenburg-Vorpommern, dann könnte er in München vielleicht ein Einzimmerappartment für das Geld mieten, für das er in Mecklenburg-Vorpommern ein ganzes Haus mieten kann. Der Arbeitgeber, der dem Arbeitnehmer in München die Vergütung wie in Mecklenburg-Vorpommern zahlen will, findet auf einmal keinen für die Arbeit. Schon ergeben sich aus diesem Grund unterschiedliche Lohnhöhe, die eben nichts mit der Arbeit an sich zu tun haben.

Alexander Benra, Alexander Benra - privat

Alexander Benra - Alexander Benra, Jahrgang 1966, ist Jurist mit langjähriger Erfahrung in dem Fachgebiet Arbeitsrecht. Wichtiger Hinweis: Die ...

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