
- Gleitschirmfliegen - (C) Andreas Liebhart / www.pixelio.de
Die höchste Erhebung der Hessischen Mittelgebirge ist die 950 Meter hohe Wasserkuppe in der Rhön. Der Gebirgszug erstreckt sich zudem über Teile Thüringens und Bayerns. Durch ihre Ausdehnung und Popularität gilt die Rhön als das größte außeralpine Flugsportgebiet Deutschlands.
An den Hängen der Wasserkuppe findet neben Segel-, Ultraleicht- und Motorfliegen auch Modell-, Drachen- und Gleitschirmflugsport statt. Dabei ist die Fliegerei auf der Wasserkuppe geschichtsträchtig: Im Jahr 1905 starteten die ersten Piloten ihre Hängegleiter (Lilienthalgleiter) per Fußstart von der Wasserkuppe. 1911 begannen Segelflieger aus Darmstadt die Wasserkuppe für sich zu entdecken. Im folgenden Jahr wurde ein erster Hanggleiter-Flugrekord von 112 Sekunden und 834 Metern aufgestellt. Seit 1920 werden in der damit ältesten Segelflugschule Deutschlands Piloten ausgebildet. Im Jahr 1928 fand auf der Wasserkuppe der erste Raketenflug mit einem umgebauten Segelflieger statt.
Die verschiedenen Hänge der Wasserkuppe bieten durch die für die Rhön typische Kuppenlandschaft mit ihren Wetterverhältnissen optimale Schulungs- und Flugbedingungen. Trotz alpinen Klimas bei 4,5° Celsius Jahresmitteltemperatur auf der Wasserkuppe sorgen gleichmäßige Winde auch an den anderen Hängen der Rhön für minimales Verletzungsrisiko. Bei über 200 Sonnenstunden jährlich sind dabei mehr Flugtage als am Alpenrand möglich.
Geringe Anforderungen an den Flugschüler
In fünf bis sieben Tagen kann jeder das Fliegen als Pilot eines Drachen (auch Hängegleiter oder Deltasegler genannt) oder Gleitschirms erlernen. In der Rhöner Drachen- und Gleitschirmschulen Wasserkuppe GmbH (diese besteht seit dem Zusammenschluss der beiden Rhöner Flugschulen im Jahr 2000) kann man unter vielen verschiedenen Ausbildungsangeboten wählen. Voraussetzungen sind lediglich mentale und durchschnittliche körperliche Fitness sowie Kondition, Spaß an der Bewegung und Lust aufs Fliegen. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre, nach oben sind altersmäßig keine Grenzen gesetzt, Vorkenntnisse sind nicht vonnöten.
Mit robuster Bekleidung, knöchelstützenden Schuhen, Trinkflasche und Sonnencreme ist man dann am ersten Schulungstag bestens vorbereitet, vorausgesetzt das Wetter stimmt. Die komplette Ausrüstung (Fluggerät, Helm, Funk) wird während der gesamten Ausbildung von der Flugschule gestellt Ob Schnupperkurs, Grundkurs oder Kombikurs (inklusive der ersten Höhenflüge), die Ausbildung beginnt mit den Lernzielen Starten, Steuern und Landen. Nach einigen Lauf- und Aufziehübungen (beim Gleitschirm) bzw. Halteübungen (mit dem Drachen) wird das erste funkunterstützte Abheben am Übungshang zum eindrucksvollen Erlebnis.
Ein paar Schritte Anlauf am Hang und der Schirm öffnet sich oder der Drachen erhebt sich in die Luft und das Fliegen beginnt. Von oben entfaltet sich die Schönheit der Rhöner Wiesen, Flüsse und Wälder zu einem unvergesslichen Anblick. Das Drachen- und Gleitschirmfliegen ist dabei allerdings keineswegs ein gefährlicher Extremsport, die Unfallstatistik spricht eine deutliche Sprache; Schulchef Schubert dazu: „Wir haben in den 20 Jahren, in denen wir auf der Wasserkuppe Gleitschirmfliegen lehren, keinen einzigen schweren Unfall gehabt.“
Drachen- und Gleitschirmausbildung
Die praktische Ausbildung findet täglich je nach Windverhältnissen an einem von 16 Flughängen statt. Wöchentlich beginnen Anfängerkurse, an der Wasserkuppe wird ganzjährig geschult. Sicherheit und Theorie spielen dabei eine gewichtige Rolle, an flugfreien Tagen unterrichten die professionell ausgebildeten Fluglehrer in den Fächern Aerodynamik, Meteorologie und Luftrecht.
Grundausbildung und Aufbaukurs mit 10 bis 20 Flügen und stufenweise gesteigerter Höhendifferenz sowie die Theorieausbildung bilden das Rückgrat der professionell gestalteten, schrittweise aufgebauten Ausbildungsphase. Im Anschluss stehen Höhenflüge mit einer Differenz von 100 bis 400 Metern auf dem Ausbildungsplan, um den Höhenflugausweis sowie die A-Lizenz in der Theorie zu erwerben. Für fortgeschrittene sowie erfahrene Piloten werden Flugwochen zum Beispiel auf der Südseite der Alpen angeboten.
Die Grundausbildung im Drachenfliegen oder Gleitschirmfliegen kostet dabei in der Flugschule Papillon an der Wasserkuppe zwischen 290 und 440 Euro und beinhaltet Theorie- und Praxisausbildung, Leihausrüstrung, Haftpflichtversicherung, Bergfahrten, Funkbetreuung sowie Start- und Landeplatzgebühren.
Unterkunft und Gastronomie
Die Rhöner Wasserkuppe mit dem Flugschulcenter ist aufgrund ihrer zentralen Lage in Deutschland sehr gut mit dem Auto oder auch per Bus und Bahn zu erreichen. Zahlreiche Hotel-Unterkünfte, Gästehäuser, Ferienwohnungen oder Pensionen bieten den von außerhalb anreisenden Gästen vielfältige Unterbringungsmöglichkeiten. Aber auch gastronomisch bietet die Wasserkuppe ein umfangreiches Angebot in der unmittelbaren Umgebung der Flugschule. Wer als Begleitung mitreist kann umfassende Freizeitmöglichkeiten nutzen oder selber, etwa durch einen Tandemflug, in das Fliegen hinein schnuppern.
