Gletscherwanderung in Neuseeland - Der Franz-Josef-Gletscher

Eis des Franz-Josef-Gletschers - Marco Habermann
Eis des Franz-Josef-Gletschers - Marco Habermann
Gletscherwandern leicht gemacht. In Neuseeland können auch Ungeübte die wildromantische Naturschönheit eines Gletschers genießen.

Gletscherwanderungen gehören zu ganz besonderen Erlebnissen, die man in der Natur machen kann. Doch vielen bleibt solch eine Wanderung verwehrt, da sie meist in Hochgebirgen oder in den nördlichsten Gegenden der Erde stattfinden. Doch hier kann Abhilfe geschaffen werden. Wer eine Neuseelandreise macht, sollte sich auf keinen Fall eine Wanderung auf dem Franz-Josef-Gletscher entgehen lassen.

Geschichte und Daten des Franz-Josef-Gletschers

Der Franz-Josef-Gletscher wurde 1865 vom deutschen Forscher und Entdecker Julius von Haast nach Franz Josef I., dem damaligen österreichischen Kaiser benannt. Früher war er so groß, dass er die umliegenden Berge und den Mount Cook (Aoraki) komplett umschloss. Zu diesen Zeiten mündete der Gletscher in die Tasman Sea. Genährt wird der Franz-Josef-Gletscher auf einer Höhe von 3.300 Metern und er endet nur 400 Meter über dem Meeresspiegel. Somit zählt er zu einem der am niedrigsten gelegenen Gletscher der gemäßigten Zone. Auch der südlicher gelegene Fox-Gletscher gehört dazu.

Geografische Lage und Anreise zum Franz-Josef-Gletscher

Wer zum Gletscher gelangen will, muss in den Westland National Park auf der Südinsel von Neuseeland fahren. Von Süden gelangt man von Queenstown aus über Wanaka, den Mount Aspiring National Park und den Haast-Pass an die Westküste. Vom Städtchen Haast fährt man noch mal zwei Stunden an der Küste entlang in Richtung Norden. Der Haast-Pass ist gesäumt von unzähligen Wasserfällen, wovon man sich mindesten einen anschauen sollte. Bevor man schließlich am Franz-Josef-Gletscher ankommt, passiert man den Fox-Gletscher. Hier kann man sich schon mal ein Bild machen, was einen erwartet. Auf dem Weg zum Fox-Gletscher kommt man an unnatürlich blauen Teichen vorbei, die einen extremen Kontrast zum schwarzen Lavagestein dahinter bilden. - Von Norden kommend, ist der Gletscher etwa zweieinhalb Stunden von Greymouth und eineinhalb Stunden von Hokitika entfernt. Man fährt den Highway an der Küste nach Süden.

Der Ort Franz Josef und die Glacier Guides

Der zugehörige Ort zum Gletscher heißt ebenfalls Franz Josef und ähnelt einem typischen Skidorf, wie man es aus den Alpen kennt. Überall kleine Bars und Kneipen, sowie Unterkünfte und Camp grounds. Ebenso wie in den meisten Skifahrer-Orten sind die Preise etwas höher als gewöhnlich. Genau in der Mitte der Ortschaft, direkt an der Hauptstraße, befindet sich das Domizil der Franz Josef Glacier Guides. Hier kann man seine Gletscherwanderung buchen.

Gletscherwanderung ist nicht gleich Gletscherwanderung

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Nun muss man sich zwischen vielen Trips entscheiden. Angeboten werden Gletschertal-Spaziergänge, Halbtages-Wanderungen, Ganztages-Wanderungen, Ice-Climbing und das sogenannte Heli-Hiking. Hierbei wird man mit einem Helikopter auf den Gletscher geflogen und kann in luftigen Höhen die Aussicht genießen. Wer den Gletscher auf jeden Fall besteigen möchte, aber so etwas noch nie gemacht hat, sollte sich für die Halbtages-Tour entscheiden. Auch hierfür sollte man ein wenig Zeit mitbringen. Denn auch die Halbtages-Variante nimmt wenigsten sechs Stunden in Anspruch. Bei der Ganztagstour, können leicht zehn Stunden daraus werden. Natürlich ist es auch eine Frage des Preises und der körperlichen Kondition.

Die Halbtags-Gletscherwanderung

Für Anfänger ist die Halbtags-Wanderung ideal. Mit einem Preis von circa 123,-NZ$ nicht ganz günstig, aber auf jeden Fall lohnend. Zuerst bekommt man Kleidung und Ausrüstung gestellt. Wetterfeste Jacke, Schafswollsocken, Schuhe (wenn nötig) und Steigeisen. Dann geht es mit dem Bus zum Parkplatz vor dem Gletschertal. Hierbei sieht man immer wieder Schilder, bis wohin der Gletscher beispielsweise 1750 gereicht hat. Vom Parkplatz aus ist es noch einmal über eine Stunde Weg bis zum Fuße des Gletschers. Erst läuft man durch ein kleines Wäldchen und dann über ein Geröllfeld. Bei schönem Wetter hat man jetzt schon eine Super-Aussicht auf den Gletscher.

Am Fuße des Gletschers angekommen, bekommt man vom Guide letzte Instruktuionen und die Steigeisen werden angelegt. Dann geht es los. Die Guides haben bereits in den frühen Morgenstunden Stufen ins Eis gehauen, die den Aufstieg erleichtern. Durch die extreme Dichte des Eises schimmert es unfassbar blau. Während des Aufstieges hält man sich an Seilen fest, die ebenfalls ins Eis gehauen wurden. Die Seile sind aber nicht nur kalt, sondern auch extrem dreckig. Also Handschue nicht vergessen. Schritt für Schritt erklimmt man den majestätischen Gletscher und ein Blick zurück verrät, wie viel Strecke und Höhenmeter man bereits hinter sich gebracht hat.

Besonders ist das Erlebnis, wenn auch noch die Sonne scheint. Was angesichts der Tatsache, dass die Gegend ein Regenwaldgebiet ist, aber selten vorkommt. Doch es gibt solche Tage und dann scheint das Eis noch blauer. Auf dem höchsten Punkt der Wanderung wird Rast gemacht und man kann sich mit Tee, Keksen und Obst für den Rückweg stärken. Dabei kann man die unglaubliche Aussicht auf das Tal oder in die andere Richtung auf den Gletscher genießen. Wenn der Guide gut drauf ist, darf man auch ein Erinnerungsfoto mit seiner Spitzhacke machen, bevor man den Abstieg beginnt. Der Abstieg ist besonders schön, da man die ganze Zeit die grandiose Aussicht über das grüne Tal bis hin zum Meer hat.

Tipp: Die erste Tour des Tages (08:45 Uhr) buchen, wenn man noch weiterfahren möchte. Man kommt so problemlos noch bis Hokitika, und kann den Nachmittag am Strand verbringen. Ein bizarrer aber herrlicher Kontrast.

Marco Habermann - Matterhorn (Schweiz), Marco Habermann

Marco Habermann - 1981 in den Tiefen des Thüringer Waldes (d.h. in der ehemaligen DDR) geboren und aufgewachsen. Mit 14 Jahren zur Musik gefunden und ...

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