Gliedertriebzüge Coradia Continental von Alstom (BR 440 der DB)

Alstom Coradia Continental der Nordwestbahn - TiM-Caspary / pixelio.de
Alstom Coradia Continental der Nordwestbahn - TiM-Caspary / pixelio.de
Eine ganze Familie von Gliedertriebzügen bietet Alstom unter der Bezeichnung Coradia an. Sie werden in mehren Netzen Deutschlands eingesetzt.

Alstom Transport Deutschland bietet eine Familie niederfluriger elektrischer Gliedertriebzüge für den Nahverkehr unter der Bezeichnung Alstom Coradia an.

Die Entwicklung der Fahrzeugfamilie Alstom Coradia

Grundlage für die Entwicklung der Triebzüge Coradia war der Triebzug LIREX, der bei der Deutschen Bahn AG als Baureihe 618 geführt wird. Dies ist ein auf radial einstellenden Einzelachsfahrwerken laufender Gliedertriebzug.

Aus der Fortentwicklung des LIREX entstand eine Familie von durchgehend niederflurigen Triebzügen. Die rollen auf konventionellen Enddrehgestellen und Jakobs-Drehgestellen zwischen den Mittelwagen. Zunächst entstanden Triebzüge für den Einsatz in den Ländern Nordeuropas. Diese Ausführung wird als Alstom Coradia Nordic bezeichnet. Daraus wurde dann die Ausführung Coradia Continental für den Betrieb in Mitteleuropa abgeleitet, die als Alstom Coradia Continental bezeichnet werden. Die unterscheiden sich von den Fahrzeugen Coradia Nordic durch einen neuen Wagenkasten mit geraden Seitenwänden für das deutsche Umgrenzungsprofil.

Die Technik und Varianten des Alstom Coradia Continental

Der Gliedertriebzug Alstom Coradia Continental wird in verschiedenen Längen und unterschiedlicher Motorisierung angeboten. Bisher gibt es drei-, vier- und fünfteilige Ausführungen. Die Endwagen, bei der Deutschen Bahn AG als Baureihe 440.x geführt, gibt es in zwei verschiedenen Längen. Die kurze Version trägt die Bezeichnung BR 440.0 bzw.440.5, die lange Variante 440.1 bzw. 440.6. Die Mittelwagen tragen die Baureihenbezeichnungen 441.x oder 841.x.

Die folgenden Varianten sind bisher ausgeliefert oder bestellt:

  • 48 vierteilige Züge 440 0xx mit kurzen Endwagen für die DB: 440.0 – 441.0 – 441.5 – 440.5
  • 8 vierteilige Züge 440 1xx mit langen Endwagen für BeNEX: 440.1 – 441.1 – 441.6 – 440.6
  • 6 fünfteilige Züge 440 2xx für die DB und 18 für die NordWestBahn/S-Bahn Bremen: 440.2 – 441.2 – 841.2 – 441.7 – 440.7
  • 21 dreiteilige Züge 440 3xx mit sechs Fahrmotoren für DB und 17 für die NordWestBahn/S-Bahn Bremen: 440.3 – 441.3 – 440.8
  • 17 dreiteilige Züge 440 4xx mit acht Fahrmotoren für BeNEX: 440.4 – 441.4 – 440.9

Die technische Ausrüstung der Gliedertriebzüge Alstom Coradia ist weitgehend auf dem Dach der Fahrzeuge untergebracht. Für den Fahrzeugkopf sind Crashschutzelemente lieferbar, die aber noch nicht bestellt wurden.

Einsatz des Alstom Coradia Continental in Deutschland

Die DB Regio AG hat insgesamt 80 elektrische Triebzüge Alstom Coradia Continental bestellt. Diese sind in vier Einzelaufträge für den Raum Augsburg, für den Raum Würzburg, für den Raum Nürnberg und für die Verbindung München–Passau gesplittet. Unter diesen 80 Fahrzeugen sind 26 dreiteilige, 48 vierteilige und sechs fünfteilige Züge. Einige Probleme traten schon bei der Zulassung auf. Im Betrieb stellten sich technische Schwierigkeiten an Kupplungen, Klimaanlagen und Toiletten ein. Die Verfügbarkeit der Triebzüge war nicht immer so wie erwartet. Harsche Kritik an der kargen Ausstattung und den beengten Platzverhältnissen war auch den lokalen Blättern zu lesen.

Für das E-Netz Augsburg bestellte die DB Regio AG 37 vierteilige Fahrzeuge im Gesamtwert von etwa 160 Millionen Euro für den Verkehr im Raum Augsburg. Eingesetzt werden diese Züge auf den Strecken von München via Augsburg nach Ulm und von München via Augsburg und Donauwörth nach Treuchtlingen unter der Bezeichnung Fugger-Express. Zwischen München und Augsburg verkehren die Züge in Doppeltraktion. In Augsburg trennen sich die beiden Zugteile. Weitere Züge bedienen die Verbindung von Augsburg über Donauwörth nach Aalen.

Ein weiterer Auftrag der DB Regio AG umfasst 27 Züge, davon fünf vierteilige und 22 dreiteilige, für den Raum Würzburg. Die sind für den Verkehr auf den Verbindungen zwischen Würzburg und Nürnberg und den Strecken ab Würzbug nach Bamberg, Treuchtlingen und Schlüchtern vorgesehen. Zwölf Züge bestellte die DB Regio AG für den Donau-Isar-Express, einer Regional-Express-Linie zwischen Passau und München. Dafür wurden sechs fünfteilige Züge und sechs vierteilige Züge beschafft. Die fahren streckenweise zwischen Landshut und München in Dreifachtraktion.

18 dreiteilige und 8 vierteilige Triebzüge setzt die BeNEX auf den von agilis betriebenen Strecken im E-Netz Regensburg ein. Die Nordwestbahn hat für die Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen 18 dreiteilige und 17 fünfteilige Coradia Continental bestellt. Der Vorlaufbetrieb wurde aufgenommen.

Die Daten des Alstom Coradia Continental

  • Nummerierung der Baureihe: Endwagen UIC-D 0440, Mittelwagen UIC-D 0441
  • Fahrzeugnummern: 440 001–048 DB, 440 101–108 BeNEX, 440 201–206 DB, 440 210–226 NWB, 440 301–322 DB, 440 330–347 NWB, 440 401–418, BeNEX
  • Stückzahl: 137 bestellt, Auslieferung läuft
  • Hersteller: Alstom Werk Salzgitter
  • Baujahr: ab 2008
  • Achsfolge: 440.0: Bo'(Bo)(2)(Bo)Bo', 440.2: Bo'(Bo)(2)(2)(Bo)Bo', 440.3: Bo'(2)(Bo)Bo', 440.4: Bo'(Bo)(Bo)Bo'
  • Spurweite: 1.435 mm
  • Länge: 440.0: 70.900 mm, 440.2: 87.000 mm, 440.3/4: 54.500 mm
  • Höhe: 4.280 mm
  • Breite: 2.920 mm
  • Drehgestellachsstand: Enddrehgestelle 2.440 mm; Mittendrehgestelle: 2.700 mm
  • Kleinster befahrbarer Halbmesser: 100 m
  • Leermasse: 440.0: 140,0 t, 440.3 112,0 t
  • Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
  • Leistung: 440.0 und 440.2 2.880 kW, 440.3/4: 2.160kW
  • Raddurchmesser neu/minimal: 850 mm / 780 mm
  • Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz
  • Sitzplätze: 233 bis 290

Bildnachweis: TiM-Caspary / pixelio.de