Globetrotten einmal anders: Reisen und dabei Deutsch unterrichten

Ausflug mit DaF-Schülern in Südkorea - B.Olderdissen
Ausflug mit DaF-Schülern in Südkorea - B.Olderdissen
Die Welt bereisen und dabei Deutsch als Fremdsprache (DaF) unterrichten - eine ideale Möglichkeit, in andere Kulturen einzutauchen und selbst zu lernen

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Lebenstraum zu erfüllen und einmal für ein Jahr oder länger die Welt zu bereisen. Etliche Programme, wie ‚Work and Travel‘, richten sich dabei vor allem an jüngere Reisende und Studenten. Die verfügbaren Jobs belaufen sich oft auf Au- pair Stellen oder Aushilfe bei der Ernte, wobei der Reisende als Gegenleistung für die Arbeit umsonst wohnen darf und verpflegt wird oder sich eine kleine finanzielle Grundlage für die Weiterreise schafft. Für etwas ältere Reisehungrige werden die Optionen dagegen rarer und teurer und viele entscheiden sich gegen das Risiko, für ein Abenteuer in der Ferne ein bereits halbwegs gefestigtes Leben zu Hause auf Eis zu legen.

Mit der deutschen Sprache weltweit Geld verdienen: Wie, wo, wie lange?

Fakt ist: Obwohl das Englische bei weitem weltweit die gefragteste Lernsprache ist, eröffnen sich ständig neue Nischen für Deutschlehrende – und -lerner. Auf dem Forum für Deutsch als Fremdsprache werden wöchentlich neue Stellen in aller Welt ausgeschrieben. Angebote in China sind besonders häufig, daneben gibt es je nach Jahreszeit und Bedarf freie Stellen in anderen asiatischen Ländern wie Indien, Südkorea oder Malaysia sowie im Nahen Osten und Südamerika. Arbeitgeber bieten oft Verträge für ein Jahr mit Verlängerungsmöglichkeit, Stellen sind aber auch teilweise für kürzere Zeiten zu besetzen, von zwei Monaten bis zu einem halben Jahr.

Initiativbewerbungen

Abgesehen vom DaF-Forum lohnt es sich, potenzielle Arbeitgeber in Wunschländern direkt anzuschreiben. Dazu zählen in der Erwachsenenbildung allgemeine Sprachschulen, auf die deutsche Sprache und Kultur spezialisierte Institute und auch Universitäten mit einer germanistischen Abteilung. Deutsche Schulen und Schulen generell sind meist ungeeignet, da sie oft mehrjährige Unterrichtserfahrung mit Kindern und Jugendlichen verlangen oder über die Zentralstelle für Auslandsschulwesen Fachkräfte vermittelt bekommen. Häufig bestehen freie Stellen, ohne dass sie auf Homepages wie dem Daf-Forum ausgeschrieben wären und Arbeitgeber gehen bei Bedarf gerne auf Initiativbewerbungen ein.

Hohe Nachfrage in Asien während der Sommermonate

In asiatischen Ländern werden oft Aushilfslehrer für die Sommermonate gesucht, da in dortigen Sprachinstituten während der Sommerferien Hochsaison herrscht. Meistens sind die Lehrkräfte vor Ort in der Sommerpause, und deswegen werden gern spontan Muttersprachler aus Deutschland für einige Monate eingestellt. Oft unterrichtet man nur vormittags, so dass die Nachmittage und Wochen für Erkundungen in der Gegend und im Land frei bleiben.

Voraussetzungen und Zielgruppe

Die von den einzelnen Arbeitgebern geforderten Voraussetzungen unterscheiden sich stark und wirken sich oft auch auf die Bezahlung aus. Ideal sind natürlich ein philologisches Studium, vor allem mit Schwerpunkt Germanistik, eine Ausbildung zum DaF-Lehrer oder auch einschlägige Berufserfahrung im Unterrichten der deutschen Sprache.

Optionen für Quereinsteiger

Auch für Quereinsteiger gibt es jedoch Möglichkeiten. Wer über ein abgeschlossenes Studium verfügt, aber nicht im sprachlichen Bereich, kann nebenberuflich über einen Fernlehrgang eine DaF-Ausbildung absolvieren. Die Kosten belaufen sich in der Regel auf gut 1.500 Euro, und je nach eigenen Kapazitäten kann man das Studium schon innerhalb von sechs oder neun Monaten abschließen. Wichtig ist, den Fernlehrgang bei einem renommierten Institut oder einer Universität zu belegen, da ein Abschlusszertifikat einer solchen Einrichtung leichter zu Erfolg bei der Jobsuche führt. Neuneinsteiger, die bei der Landeswahl flexibel sind, haben besonders gute Chancen, in den Ländern Lateinamerikas oder in China fündig zu werden. Gehälter sind dabei oft gering, erlauben aber meist einen für einheimische Verhältnisse guten Lebenswandel. Teilweise ist eine Unterkunft inklusive, andernfalls helfen die Institute normalerweise bei der Wohnungssuche. Manchmal gibt es sogar einen kleinen Mietzuschuss.

Für wen eignet sich diese Art von „Work and Travel“?

Interessant ist das Unterrichten der deutschen Sprach im Ausland vor allem für bereits Berufstätige, die sich nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit im Inland nach einem Neuanfang sehnen, die das Abenteuer- und Reisefieber packt oder die ganz einfach eine gewisse Auszeit vom Alltag nehmen möchten. Eine Weltreise ohne gleichzeitigen Zuverdienst ist den meisten kaum möglich und der DaF-Unterricht stellt eine intellektuell anspruchsvolle Arbeit dar, die auch nach der Heimkehr für das Berufsleben im Inland von unschätzbarem Wert sein kann. Voraussetzung ist natürlich, flexibel und in Bezug auf persönliche Beziehungen relativ frei zu sein, um spontan dem besten Lehrangebot folgen zu können und den Arbeitsort eventuell nach kurzer Zeit wieder zu wechseln.

Vorteile der Arbeit als DaF-Lehrer im Ausland

Als DaF-Lehrer in verschiedenen Ländern zu leben, zu arbeiten und zu reisen bietet eine einmalige Möglichkeit, in die Kultur des jeweiligen Landes einzutauchen. Wie kaum eine andere Arbeit bringt der Unterricht der deutschen Sprache die fremde mit der eigenen Kultur in Kontakt und erlaubt engste Zusammenarbeit mit Einheimischen verschiedener Altersgruppen. Unabhängig davon, wie gut man selbst die Muttersprache der Studenten versteht, ist ein gegenseitiges Lernen voneinander unumgänglich. Schon nach wenigen Monaten eröffnet sich ein Zugang zu der neuen Kultur, der durch Reisen im Land allein oder viele andere Arbeiten nie möglich wäre. Für das Erkunden des jeweiligen Landes bleibt neben der Arbeit viel Zeit und oftmals stehen Schüler und einheimische Kollegen gerne mit Ratschlägen zur Seite oder packen selbst den Rucksack, um dem Neuankömmling stolz ihr Land zu präsentieren.

Nachteile der Arbeit als DaF-Lehrer im Ausland

Ein Nachteil besteht hauptsächlich darin, dass das Arbeiten in einigen Ländern trotz Qualifizierung und hoher Nachfrage von Seiten des Landes wegen Visafragen praktisch unmöglich ist. Ein Großteil der Sprachinstitute in den USA verlangt zum Beispiel, dass der künftige DaF-Lehrer bereits im Besitz eines Visums sei – doch ohne Arbeitsbescheinigung gibt es für die USA kein Arbeitsvisum! In einen ähnlichen Teufelskreis gerät man in Australien. Letzten Endes besteht für junge Leute bis 30 noch immer die Möglichkeit, sich ein ‚Work and Travel Visum‘ für ein Jahr zu besorgen, doch auch diese sind limitiert und nicht spontan erwerbbar.

Bernadette Olderdissen, Bernadette Olderdissen

Bernadette Olderdissen - Bernadette Olderdissen, geboren 1981, ist Anglistin, Skandinavistin und Japanologin mit einer Zusatzausbildung zur ...

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