
- Glöckler in Gmunden - Irene Ehart
Die Rauhnächte rund um den Jahreswechsel sind mythenumrankt. Für die letzte Rauhnacht, nämlich die des 5. Jänner auf den Dreikönigstag, hat sich im Salzkammergut das Brauchtum der Glöcklerläufe erhalten.
Glöckler sind Lichtbringer und Vorboten des Frühlings
Der Name „Glöckler“ leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „klocken“ (=anklopfen) ab. Nach den dunkelsten, längsten Nächten, in denen die „Wilde Jagd“ durch Wald und Feld zieht, kommen am 5. Jänner die guten Geister als Vorboten des Frühlings. Ihr rhythmischer Gang wird vom Läuten der Glocken begleitet, die zum Habitus des Glöcklers dazugehören. Dieses Geläut und der Lichtschein ihrer kerzenbeleuchteten Kappen sollen die bösen Mächte der Kälte und Finsternis vertreiben und das unter der Schneedecke schlummernde Getreide aufwecken.
Weiß gekleidet mit erleuchteten Kappen
Glöckler tragen weiße Jacken und Hosen. Die durch Kerzen erhellten Kappen sind entweder ebenfalls weiß und haben eine schlichte Pyramidenform, oder sie sind fantasievolle Konstruktionen wie Sterne, Fünfzack, Siebenzack, Bogen oder Schiffe et cetera. Die ausladendsten Kappen sind so groß und schwer, dass der Kappenträger von einem Begleiter geführt wird um die Orientierung zu behalten. Am Gürtel des Glöcklers hängt eine Glocke, in der Hand trägt er einen Wanderstock. Etwa 20 Glöckler oder mehr bilden eine Pass. Ursprünglich waren es reine Männerpassen, die von Haus zu Haus zogen und sich am Abend zum gemeinsamen Glöcklerlauf trafen. Im Lauf der Zeit mischten sich auch Frauen und Mädchen unter die lichtbringenden Gestalten. Meist wurden sie gerne aufgenommen, da damit das Brauchtum sicher unter allen Bevölkerungsschichten verankert ist. Lediglich dort, wo Geld und Politik in die Suppe spuckten, gab es auch Widerstand gegen weibliche Beteiligung.
Das Anfertigen der Glöcklerkappen verlangt Zeit und Geschicklichkeit
Die Glöcklerkappen werden in aufwändiger Handarbeit gefertigt. Zuerst entsteht aus Holzleisten das Grundgerüst. Dann werden fantasievolle Motive aus schwarzem Tonpapier geschnitten, mit farbigem Transparentpapier unterlegt und auf das formgebende Gerüst getackert. Für das Einsetzen der brennenden Kerze wird ein Fenster vorgesehen und zuletzt die Kappe mit Girlanden aus weißen Papierfransen verziert. Jedes Motiv ist ein Unikat und es versteht sich von selbst, dass die liebevoll gestalteten Kappen als gehütetes Erbe so manchen Dachboden ausfüllen, ehe sie für ihren besonderen Auftritt jährlich ein Mal ins Freie geholt werden.
Wo die Glöckler zu finden sind
Bereits um 1850 gab es in Ebensee, am Südende des Traunsees, Glöckler. Dies ist durch Aufzeichnungen schriftlich überliefert und mittlerweile ist diese Tradition auch als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt. Von Ebensee ausgehend verbreitete sich das Brauchtum durch Menschen, die in das umgebende Salzkammergut auswanderten und ihre Traditionen mitnahmen. Heute gibt es neben den Orten Ebensee, Altmünster und Gmunden am Traunsee auch Glöcklerläufe in zahlreichen Gemeinden vom inneren Salzkammergut bis an den Attersee, von der Steiermark bis Salzburg.
In Gmunden treffen Glöckler auf Drei Könige
In Gmunden erwartet den Besucher des Rathausplatzes ein einzigartiges Erlebnis. Um 18:00 Uhr des 5. Jänner treffen die Heiligen Drei Könige ein, nachdem sie mit einem Boot über den See gefahren sind. Die acht Sänger des „Edelweiß-Doppelquartetts“ kommen als Könige aus dem Morgenland mitsamt Gefolge. Nach Abschreiten des Rathausplatzes begeben sie sich auf Loge des Rathauses, um dort Weihnachtslieder zu singen.
Im Anschluss daran treffen die Glöckler ein. Die eine oder andere Pass ist schon seit Stunden unterwegs, um an die Türen der Häuser anzuklopfen und Glück für das kommende Jahr zu wünschen. Gestärkt mit Schmalzbrot, Glühwein und Glöcklerkrapfen ziehen sie weiter um sich gegen 18:30 Uhr an der Schiffslände zu sammeln. Dort wird vom Chronisten genau vermerkt, welche Passen mit wie vielen Glöcklern unterwegs sind. Bei trockenem Wetter sind auch die großen Sternkappen dabei, wenn es dann Pass für Pass Richtung Rathausplatz geht. Rund um die großflächige Absperrung warten Hunderte Einheimische und Touristen, um sich an dem besonderen Schauspiel zu erfreuen. Nach und nach füllt sich der Platz mit Glöcklern, die Kreise und Achter ziehen, als Symbol für den ewigen Kreislauf der Jahreszeiten in der Natur. Zum Abschluss werden gemeinsam Krippenlieder gesungen, bevor die einzelnen Passen wieder - mit Glöcklerkrapfen beschenkt - abziehen.
