Glossare finden, anlegen und sinnvoll nutzen

Linguee ist das größte Web-Wörterbuch im Netz. Hier lassen sich Fachbegriffe finden, die andere Übersetzer mit bewertet haben - Linguee
Linguee ist das größte Web-Wörterbuch im Netz. Hier lassen sich Fachbegriffe finden, die andere Übersetzer mit bewertet haben - Linguee
Oft enthalten Texte spezifische Fachausdrücke, die eindeutig sein müssen. Kostenlose technische oder medizinische Glossare finden sich schnell im Internet.

Ein Glossar ist das Wörterbuch jedes Übersetzers. Oft sind Texte so spezifisch, dass nur ein entsprechend spezifisches Vokabular verwendet werden kann, um sinnvoll zu übersetzen. Übersetzer für technische oder medizinische Fachtexte wissen das sehr gut, aber auch für Software gelten festgelegte Begriffe, die in einer Liste – dem Glossar – festgehalten werden.

Was ist ein Glossar?

Dabei sind Glossare keineswegs immer zweisprachig. Oft sind es Begriffsklärungen von komplizierten Fachwörtern, die in eine allgemeine Sprache übertragen werden. Ein fachsprachliches oder technisches Glossar listet also die Terminologie eines speziellen Sachgebietes mit begrifflich-sachlichen Definitionen auf, damit der richtige Gebrauch dieser Fachausdrücke und deren eindeutiges Verständnis gesichert ist. Medizin-Glossare etwa beschreiben allgemeinverständlich, was mit bestimmten Begriffen gemeint ist. Beispiel: papillär – warzenförmig. Zu finden im Medizinglossar bei Netdoktor.

Unternehmen verwenden fachspezifische Begriffe und beeinflussen die Sprache

Besonders in der Software legen marktführende Firmen wie Microsoft oder SAP Wert darauf, dass bei ihren Texten firmenspezifische, einschlägige Begriffe verwendet werden. So wird bei SAP statt „Speichern“ in bestimmten Zusammenhängen das Wort „Sichern“ verwendet. Microsoft setzt beispielsweise eher auf den Begriff "Verlauf", während SAP von „Historie“ spricht. Das muss ein Übersetzer, der einen Auftrag von bestimmten Softwarefirmen annimmt, sehr genau wissen, um keine Fehler in die Dokumentation einzubauen.

Firmen haben somit einen erheblichen Einfluss auf den Wandel einer Sprache. Gerade im anglisierten Marketingdeutsch ist es wichtig zu wissen, welche Begriffe überhaupt übersetzt werden müssen. Da spricht ein Unternehmen auch im Deutschen lieber von Workforce oder Risk Management als von Arbeitern und Risikoverwaltung.

Websites von Firmen enthalten oft freie Glossare

Teilweise können die Glossare mit den fachspezifischen Begriffen aus dem Netz gesaugt werden. Zum Glück des Übersetzers sind viele Glossare von Unternehmen wie Microsoft, SAP oder Siemens über deren Websites über die sogenannten Bibliotheken verfügbar. Meist aber werden sie den etablierten Übersetzern bei größeren Lokalisierungsprojekten von den Firmen kostenfrei mitgeliefert. Einige nützliche technische Glossare von Firmen finden Sie hier:

Übersetzerportale und Online-Hilfen enthalten oft Glossare

Einfache Glossare, die fachübergreifend arbeiten, können ebenfalls im Internet schnell gefunden werden. So bieten automatische Übersetzungshilfen wie Babylon einen eigenen Thesaurus in den verschiedenen Sprachkombinationen auf ihrer Website an. Ein Thesaurus ist im Grunde auch ein Glossar, denn in dem Wörterbuch werden ebenfalls Begriffe erklärt.

Übersetzerportale wie der US-Dienst PROZ bietet für seine Mitglieder ebenfalls die Option, sich für den jeweiligen Fachbereich das entsprechende Glossar herunterzuladen. Wer also einen Auftrag zum Übersetzen von schwierigen, technischen Texten wie etwa über Fluidtechnik oder Luftvorschriften vom Deutschen ins Englische zu übersetzen hat, kann hier in der Datenbank der Glossare suchen und fündig werden. Zudem bietet Proz seinen Mitglieder über die Forumsfunktion auch die Möglichkeit, an die Übersetzergemeinde Fragen zu zweifelhaften Begriffen zu stellen und diese zu diskutieren. Die Begriffe werden dann positiv und negativ bewertet, so dass der Suchende gleich einen Überblick hat, ob der vorgeschlagene Begriff von der Allgemeinheit angenommen wird. Neue Wörter oder Phrasen werden auf diese dynamische Weise im Forum und dem damit verbundenen Glossar ständig ergänzt.

Übersetzerkollegen stellen kostenlose Glossare zur Verfügung

Außerdem stellen viele nette Übersetzer auf Proz eigene Glossare zur freien Verfügung bereit. Diese sind in verschiedenen Sprachen und Fachgebieten erhältlich. Fleißige Übersetzer wie etwa Frank Dietz aus Texas haben wertvolle Übersichten mit Links zur Suche nach dem spezifischen Glossar zusammengestellt. Auf Dietz Website sind über 2.500 Links zu Glossaren in Englisch und Deutsch zu finden. Diese sind übersichtlich unterteilt nach Fachbereichen, in denen übersetzt werden muss. Die Fachbereiche reichen von A wie Agriculture bis – T wie Transportation and Travel. In Dietz Glossarsammlung findet man spezielle Glossare über Online-Poker, Versicherungsbegriffe, SEO-Terminologie oder auch Rechtskauderwelsch.

Online-Glossare sind dynamisch und immer aktuell

Auch die praktische Online-Übersetzungshilfe von Linguee hilft beim Anlegen und Verbessern eigener Glossare. Linguee arbeite ähnlich wie auch Proz nach dem Wiki-Prinzip, wobei die Mehrheit die vorgeschlagenen Übersetzungen per aufrechtem Daumen (positiv) oder abgesenktem Daumen (negativ) bewertet. Somit hat man als Übersetzer immer ein dynamische Vokabeldatenbank online zur Hand. Mitglieder können auch an Diskussionen über Vokabeln teilnehmen.

Linguee ist derzeit in den Sprachen Englisch-Deutsch, Englisch-Französisch, Englisch-Portugiesisch und Englisch-Spanisch verfügbar. 100 Millionen zweisprachige Texte können hier nach Wörtern und Ausdrücken durchsucht werden.

Doch ersetzt die Vokabeldatenbank nicht eine Liste feinsortierter Fachbegriffe wie sie beispielsweise für medizinische, technische, rechtliche oder spezielle Softwareübersetzungsprojekte nötig sind. Dazu kann man aber mit ein wenig Recherche im Internet selbst fündig werden. Wer übrigens zum Fachgebiet Übersetzen ein entsprechendes Glossar benötigt, kann sich bei Prolangua – einer Berliner Übersetzungsagentur umschauen. Hier werden alle Begriffe rund ums Übersetzen geklärt.

Glossare werden in Firmen von Profis angelegt und gepflegt

Jede große, international arbeitende Unternehmen beschäftigt eine eigene Übersetzungs- oder auch Lokalisierungsabteilung, wo die „Sprache“ des Unternehmens gepflegt wird. Mitunter wird für die Verwaltung von Glossaren sogar eigens ein sogenannter Terminologist – der Glossarverwalter - eingestellt. Dieser hat die Aufgabe die Dokumentationen sauber zu verwalten, damit sich bei größeren Übersetzungsprojekten mit mehreren Übersetzern in mehreren Sprachen etwa kein Begriffschaos ausbreitet. Ein Terminologist muss in mindestens zwei Sprachen bewandert und natürlich computergewandt sein, denn Übersetzungen werden ausschließlich an Computern gemanagt.

Glossare für politische Begriffe in der EU finden

Wer sich mit politischen und verwaltungstechnischen Begriffen herumschlagen muss, wird auf der Seite der Europäischen Union schnell fündig. Denn die EU hat die Verpflichtung, sämtlicher Verordnungen und Gesetzetexte in allen europäischen Sprachen anzulegen. Dementsprechend vielfältig sind die Glossare. Auf der Website Europa.eu kann man bequem nach den speziellen Begriffen in elf Sprachen suchen. Auch der Deutsche Bundestag unterhält ein eigenes Glossar für die oft verklausulierte Amtssprache der Politik. Hier kann man sich Begriffe wie Alterspräsident u.a. mit Definitionen näher erklären lassen. Die deutschsprachige Website des Bundestages gibt es auch auf Englisch – ein praktischer Doppelcheck auf der deutschen und englischen Seite liefert hier gleich die Übersetzung des richtigen Begriffs. Dazu teilt man idealerweise den Bildschirm in zwei Fenster auf und vergleicht die entsprechenden angezeigten Websites. Das erfordert allerdings erhebliche Eigenrecherche.

Quellen:

  • Linguee
  • Proz
  • Prolangua
Louis M. Blank, Blank

Louis Max Blank - Journalist auf Reisen

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