Was ist Glück? Welches Glück?

Ausstellung im Deutschen Hygiene Museum in Dresden

Die Frage nach Glück kann ganz verschiedene Antworten bieten. Eine Ausstellung Im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden begibt sich auf Spurensuche.

Glücklich sein ist einfach: Ein kleiner Zettel, so fünf mal acht Zentimeter groß, darauf ein paar Zeilen geschrieben mit dem persönlichen Wunsch und der ganz eigenen Vorstellung. Doch so einfach ist es dann doch wieder nicht. Die Suche nach Glück kann nämlich anstrengend sein. Mehr als hundert Meter schnurstracks in die Tiefe des Ozeans verschwinden, ganz ohne Sauerstoff: Für den Apnoe-Taucher bedeutet dies Glück. Oder liegt das Glück eher darin, nach dem Auftauchen zu wissen, der Beste zu sein, einen neuen Tiefenrekord geschafft zu haben? Die Frage nach Glück kann also ganz verschiedene Antworten bieten. Eine Ausstellung Im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden begibt sich auf Spurensuche.

Glück ab 80 000 Dollar im Jahr

In den Vereinigten Staaten hat das Streben nach Glück sogar Verfassungsrang. „Pursuit of Happiness“ soll den Bürgern garantiert werden, heißt es dort. Unter „Happiness“, das vermuten Historiker, verstanden die Verfasser des Textes vor allem wirtschaflichen Erfolg. Auf die amerikanische Verfassung gehen die Aussteller in Dresden zwar nicht direkt ein, doch auf den wirtschaftlichen Erfolg. US-Forscher, so heißt es bei der Führung die Räume, hätten herausgefunden, dass ab 80 000 Dollar Jahreseinkommen jemand glücklich sei. Wer mehr verdiene, ist nicht glücklicher, wer weniger verdient, für den sei Geld ein wesentlicher Bestandteil des Unzufriedenseins. Das paßt gut zu den vielen Glasbausteinen, die in einem Raum zu Mauern aufgeschichtet sind und von denen jeder Geldscheine einer anderen Währung beherbergt. Banknoten - zum Greifen nahe, doch unerreichbar eingeschlossen. Erst durch Zerstören des gläsernen Anblicks wäre der Zugang möglich. Kein Geld, ohne dass etwas kaputt geht, kein Glück ohne Anstrengung.

Singen in der Plüschkiste

Mühe zum glücklich sein - das gilt auch für die Karaoke-Box. Plüschiges, quietschbuntes Innenleben, in der Wand ein Fenster, das erlaubt den Außenstehenden den Blick auf den Karaoke-Sänger. Glück durch Zurschaustellung. Oder durch Musik hören und Singen. Das spricht unmittelbar Gefühle an, weckt die Erinnerung,kann Leiden und Schmerzen lindern und Gehirnbereiche blockieren, die Angst und Furcht vermitteln. In roten und blauen Leuchtlinien, die auf dem Boden verlaufen, wird dies verdeutlicht. Immer dann, wenn das Glück kommt. Denn Glück ist flüchtig. Dauerhaft ist es nicht. Das sorgt für Antrieb. Das sorgt aber auch für Desaster. Denn der Grat zwischen absolutem Wohlbefinden und Tod ist schmal. Siehe Apnoe-Tauchen.

Glück im Jenseits, Glück im eigenen Körper

Ist der Taucher religiös, könnte er das Glück auch im Jenseits suchen wollen. Dort ist das Paradies, die Welt, in der alle glücklich sind. Oder läßt sich dieser Zustand auch ins Diesseits holen? Utopisten sagen ja, später aber erst. Ganz nahe am Apnoe-Taucher sind die Körperkultler. Sie suchen Schönheit, und Gesundheit, inszenieren ihren Körper, mal so, mal anders. Das Angebot ist groß. Auch das ist Glück: Auswahl zu haben.

Die Dresdener Ausstellung berichtet davon. Welche Wahl der Besucher triff, überläßt er ihm. Und das bei Inhalt, Menge und Qualität. Vielleicht ist ja auch glücklich, wer sich bei der Suche nach Glück verweigert. Oder verweigern muß. Weil es Wichtigeres gibt. Antworten mag die Ausstellung geben.

Adresse

Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, D-01069 Dresden

Ausstellung geöffnet dienstags bis sonntags, jeweils zehn bis 18 Uhr.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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