Glück ist machbar!

Praktische Hilfe aus Glücksforschung und Philosophie

Schlüssel zum Glück - Uli Carthäuser - Pixelio
Schlüssel zum Glück - Uli Carthäuser - Pixelio
Dass man seines eigenen Glückes Schmied sei, ist eine uralte These der Philosophie. Die moderne Glücksforschung liefert neue Argumente und praktische Tipps dazu.

Lebensratgeber sind nicht neu. Schon vor mehr als 2000 Jahren stellten sich Menschen die Frage, wie man sein Leben ganz praktisch verbessern könne. Dabei mag es uns heute vielleicht seltsam erscheinen, dass aus der Anleitung für ein glückliches und erfolgreiches Leben gerade jene wissenschaftliche Disziplin entstand, die wir heute sicher nicht mit Spaß und Glück, sondern eher mit Zwang und Reglement verbinden würden: Die Ethik. Doch mit Ethik war die ganz pragmatische Suche nach dem richtigen Handeln gemeint.

Ein glückliches Leben als Ergebnis richtigen Handelns

Was kann ich tun um ein gutes Leben zu führen? Individuell gestaltet sich diese Frage wohl komplizierter, als im größeren Maßstab. Doch Aristoteles Antwort darauf lautet ganz klar: Halte Maß, richte dein Handeln an der Tugend aus. Sie ermöglicht dir ein gutes Leben, dass auch ein glückliches Leben sein wird. Die notwendige Bedingung des Lebensglücks ist eine Übereinstimmung von Wunsch und Handeln. Der tugendhafte Mensch will Gutes tun und tut es auch, sofern er nicht gehindert wird. Er bekommt, was er will und was er sich verdient: Ein glückliches Leben.

Diese Antike Auffassung könnte man nun vorschnell als veraltet und naiv bezeichnen. Doch auch moderne Glücksforscher wie der Psychiater Markus R. Pawelzik verbinden Tugend und Glück zu sehr pragmatischen Handelsanweisungen. Die Tugend ist der ideale Kompass für einen Charakter, der Glück leichter erreicht und selbst unter widrigen Bedingungen bewahren kann. Anders als der alte Grieche Aristoteles argumentiert man heute jedoch neurowissenschaftlich und handlungstheoretisch. An der Grundaussage ändert das nicht viel: Tugend ist in erster Linie nachhaltiges Handeln, dass sich selbst entfalten und die eigenen Wünsche verwirklichen will, doch dabei maßvoll bleibt. Man kultiviert seinen Genuss.

Die Tugend als Kompass zum Glück

So kommt der Spaß von ganz alleine, denn Tugend meint hier keinesfalls ein Leben mit dem Zwang zur ewigen Enthaltsamkeit. Es ist schließlich nicht etwa das Streben nach Lust, das einen Menschen schlecht macht, sondern die Lust am Schlechten. Für Markus Pawelzik ist dieses Schlechte alles, was uns auf Dauer nicht glücklich machen kann. Durch das Streben noch solchen Zielen beraubt sich der unumgängliche oder oberflächliche Mensch vieler glücksbringender Momente: Der sozialen Anerkennung etwa und der Wertschätzung persönlicher wie „transzendentalerer“ Freuden.

Es wird dabei schnell deutlich, weshalb unserer modernen Gesellschaftsordnung mit ihrem Materialismus dem glücklichen Leben eher entgegensteht, als ihm förderlich zu sein: Das Ideal eines glücklichen Lebens erfasst nur noch die extrinsische Motivation. Einfach gesagt geht es heute nicht mehr darum, was man tut, sondern was man sich kaufen und wie man sich darstellen kann. Der moderne Mensch wünscht nur noch ergebnisorientiert und deshalb verbringt er sein ganzes „Leben im Wartestand. Es ist, als würde man sich den ganzen Tag abrackern, ohne dem erstrebten Ziele näher zu kommen“, schreibt Pawelzik. In der Tat legen mannigfaltige Studien nahe, dass die uns so oft vorgegaukelte Korrelation von Reichtum und Glück nicht existiert. Trotz steigendem Wohlstand sinkt die allgemeine Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, denn Geld allein macht nicht glücklich. Dabei würde kaum jemand bestreiten, dass es einer gewissen materiellen Sicherheit als Grundbedingung für jedes glückliche Leben bedarf– aber ein Sportwagen macht seinen Besitzer nicht wirklich glücklicher als das Vorgängermodell, nur weil er einige Stundenkilometer schneller fährt.

Eigenmotiviertes Handeln macht glücklich

Intrinsische Motivation heißt das Stichwort. Nach jenen Zielen und Tätigkeiten sollte man sich ausrichten, die in ihrer Betätigung selbst zum Glück führen. Dabei kommt auch die Motivation, sie zu tun, aus den Dingen selbst. Man gerät in einen Zustand des „Flows“, der sich besonders leicht durch kreative und spielerische Tätigkeiten erreichen lässt, die den Handelnden quasi in ihren Bann ziehen. Doch intrinsische Motivation ist auch ein Kennzeichen der tugendhaften Handlung. Die Selbstbestimmtheit und Wirkungskraft, die man dabei in sich spürt und entfalten kann, erhöht stetig das eigene Glücksempfinden. Langfristig zum glücklichen Menschen macht es einen, wenn man lernt sein Leben nachhaltig durch diese Handlungsformen zu prägen. Auch hier gilt: Maß halten. Hat man dies erst gefunden, befindet man sich schnell im „Flow“ der Tugend – man handelt tugendhaft, weil es einen glücklich macht und umgekehrt. Ein Teufelskreis des Glücks.

Glück ist also im wahrsten Sinne des Wortes machbar. Solange man noch an den eigenen, freien Willen glaubt, bleibt auch das Handeln beeinflussbar und damit das Lebensglück. Natürlich ist dies noch längst keine Garantieerklärung. Selbst beste Absichten können fehl gehen, selbst der tugendhafteste Mensch kann an seiner Umwelt scheitern. Doch wer sein Glück aus dem eigenen Handeln zieht, ist gegen Schicksalsschläge besser gewappnet, als jeder Materialist. Gutes Handeln lässt sich einem schließlich weit schwieriger stehlen, als der neue Sportwagen. Einige antike Autoren sollen sogar davon ausgegangen sein, dass der wahrhaft tugendhafte Mensch noch unter den Qualen der Folterbank glücklich sein könne, aber das ist eine andere Geschichte…

Als Lektüre verwandt und empfohlen:

Markus R. Pawelzik, Glück ist machbar

Aristoteles, Nikomachische Ethik

Autor_Robben, Franziska Stube

Friedhelm Robben - Friedhelm Robben wurde 1983 im emsländischen Meppen geboren und lebt weder in Berlin noch Lissabon ohne Frau und Kinder. Er studierte ...

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