
- God Hates us All - Lascher Jugendbuch-Versuch - http://books.simonandschuster.com/God-Hates-Us-All
Das Buch hat ein Problem: Es existiert eigentlich gar nicht. Denn es ist ein geistiges Produkt der US-Fernsehserie "Californication". Autor Hank Moody (brilliant gespielt von David Duchovny) schrieb in dieser das autobiographische Werk, das in der fiktiven Serienwelt zum Bestseller avancierte. Wie kann das gehen: Aus der fiktiven in die reale Welt? Eigentlich gar nicht, aber zwecks Merchandising der erfolgreichen und erfrischend provokanten Serie wurde das Buch in den USA vor der dritten Staffel veröffentlicht.
Warum schrieb es kein Serienautor?
Der reale Autor ist Jonathan Grotenstein. Grotenstein, so wird auf diversen Literaturseiten gemunkelt, legte das scheinbar beste Skript vor. Unverständlich, dass sich gerade Grotenstein, Autor von einem bekannten Poker-Ratgeber, gegenüber anderen Autoren durchsetzen konnte. Denn ein Autor der Serie hätte der Verve des Buches sicher gut getan. Es bleibt daher die Frage, ob aus Kostengründen ein 'externer' Autor geholt werden musste.
Kein Fisch, kein Fleisch
Inhaltlich interessiert der rote Faden des Textes eigentlich gar nicht. Man ertappt sich äßerst schnell dabei sich gelangweilt durch die Seiten zu kämpfen. Ein Bisschen "Fänger im Roggen", ein wenig Bret Easton Ellis. Dennoch bleiben die Wendungen und Ereignisse oftmals vorhersehbar und abgedroschen. Weder Tiefe, noch pure Oberflächlichkeit. Kein Fisch, kein Fleisch.
Ein Handlungsstrang voller Belanglosigkeiten
Irgendwo dazwischen in großen Belanglosigkeiten der Handlungen gerät Moody ein wenig unfreiwillig in halbseidene Kreise und verdient sich in seiner großen Orientierungslosigkeit nach seinem College-Abruch seinen Lebensunterhalt als Drogendealer. Er zieht ins legendäre New Yorker Chelsea Hotel ein und trifft Rockbands und Models. Er verliebt sich in eins und fliegt nach dem Tod seiner Mutter hinter ihr her nach Süd Korea. Er wird enttäuscht und betrogen. Mittellos in New York versöhnt er sich mit seinem Vater, seiner Ex und führt ein bürgerliches Leben als Kellner. Seine Ex-Ex, Daphne, bricht psychisch zusammen und wird eingewiesen - Gott hasst uns alle.
"God hates us all" - Zahnloser Angriff aufs Establishment
"God hates us all" will ein Angriff aufs Establishment sein und wirkt dabei zahnlos und chaotisch. Eine Waffe ohne Kugeln ist eben kein echte Bedrohung. Die Kugeln fehlen hier komplett. Grotensteins Handlung verfängt sich in den nachvollziehbaren Klischees und wirkt dabei bereits nach zehn Seiten ausgelaugt und platt. Man fragt sich als Leser, wo das Buch hin möchte und erhält keine Antwort.
Hank Moody ohne Schärfe
Und auch der Stil ist letztlich enttäuschend. Denn wenn man Moody in der Serie als melacholischen Hedonisten durch Laster und Großstadtabenteuer waten sieht, so vermutet man einen Autor vom Stil zwischen Faulkner und Bukowski. Und es ist manchmal doppelt enttäuschend,wenn man merkt, dass sich Grotenstein größte Mühe gab, dies zu verwirklichen. Letztlich fehlt dem Stoff aber die sprachliche Schärfe und drastische Durchschlagskraft.
Jonathan Grotenstein schafft es immerhin den Leser seicht zu unterhalten und ihm hin und wieder ein Schmunzeln zu entlocken. Für alle Fans der Serie ist es wohl trotz der Schwächen ein Muss (Achtung: bisher nur auf Englisch erhältlich). Wer allerdings das tiefgründige Prosawerk eines gefeierten Jungautoren erwartet, der sei gewarnt: Denn man ertappt sich beim Wünschen, dass das Buch besser in der fiktiven Welt von "Californication" geblieben wäre.
Jonathan Grotenstein: God hates us all. Simon and Schuster, 2009. Paperback, 195 Seiten, 11,40 Euro.
