Ganz im Osten Deutschlands liegt eine Stadt, die ein lohnendes Reiseziel ist. Der 15. Längengrad östlich von Greenwich verläuft durch diese Stadt, die zunehmend wieder im alten Glanz erblüht. Görlitz ist der deutsche Name für diese Stadt. Polnisch heißt sie Zgorzelec. Und die Sorben schreiben Zhorjelc.

Schon 1907 wurde in Görlitz eine der ersten Denkmalschutzsatzungen im Deutschen Reich erlassen. Seither wurden in der Stadt 3.600 Baudenkmäler ausgewiesen. Mehr gibt es in keiner anderen deutschen Stadt. In der Zeit von 1945 bis 1990 nagte an vielen dieser Denkmäler und an den anderen alten Häusern der Stadt der Zahn der Zeit sehr intensiv. Aber ab 1990 wurde vieles von diesem Schatz gerettet. So gehört Görlitz heute wieder zu den besonders sehenswerten Städten in Deutschland. Aus allen Bauepochen seit dem Mittelalter gibt es hier außergewöhnliche Beispiele.

Die Sehenswürdigkeiten in Görlitz in Kürze

Mittelalter, Renaissance und Barock prägen die Altstadt und die Nikolaivorstadt. In der Innenstadt dominiert die Gründerzeit und es gibt geschlossene Straßenzüge im Jugendstil. Besondere Denkmäler sind die Peterskirche als wichtigster Sakralbau der Stadt sowie Ober- und Untermarkt mit Renaissancefassaden. Der 1526 erbaute Schönhof ist das älteste bürgerliche Renaissancegebäude Deutschlands. Auch aus neuerer Zeit gibt es einzigartige Bauwerke in Görlitz. Das Görlitzer Hertie-Warenhaus von 1913 hat die Zeiten ohne wesentliche bauliche Veränderungen überstanden. Seine Fassade erinnert an das Berliner Wertheim in der Leipziger Straße.

Eine Reihe von Türmen, die zur Stadtbefestigung gehörten, stehen noch. Da ist der Dicke Turm oder Frauenturm, der Nikolaiturm und der Reichenbacher Turm. Beim Reichenbacher Turm befindet sich die Kaisertrutz von 1490. Das Biblische Haus mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament auf der Sandsteinfassade beherbergt heute die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften.

Die Ratsapotheke mit den beiden Sonnenuhren von Scultetus wurde 1558 im Stil der Renaissance überformt. Der Rathauskomplex ist ein ganz besonderes Ensemble. Die Scultetus-Sternwarte bietet einen Blick in die Sterne. Seit 2004 ist die Altstadtbrücke wieder passierbar. Der Profanbau verbindet für Fußgänger die beiden Teile der Europastadt.

Kurze Geschichte von Görlitz

1071 wurde Görlitz erstmals urkundlich erwähnt und 1303 wurden die Stadtrechte verliehen. 1346 gründeten die Städte Bautzen, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau den Oberlausitzer Sechsstädtebund. Für Görlitz begann der Aufstieg und Wohlstand zog in die Stadt. Aus dieser Zeit stammen die bedeutendsten Bauten der Stadt, die heute noch den Betrachter erfreuen.

1520 erreichte die Reformation die Stadt. In den Schmalkaldischen Kriegen verhielten sich die Oberlausitzer Städte nicht so, wie der der böhmische König Ferdinand I. es erwartete. Die Folge war eine drastische Bestrafung der Städte, die als Pönfall bezeichnet wird. Mit dem Pönfall verlor Görlitz alle Zoll- und Wegrechtsprivilegien.

1815 wurde Görlitz mit Teilen der Oberlausitz auf dem Wiener Kongress dem Königreich Preußen zugesprochen. Die preußische Oberlausitz wurde in die Provinz Schlesien eingegliedert.

1847 erhielt Görlitz Anschluss an das preußische und sächsische Eisenbahnnetz. Die Stadt erlebte, insbesondere in den Gründerjahren ab 1871, einen neuen Aufschwung und wurde zu einem bedeutenden Industriestandort. Sie war aber gleichzeitig ein bevorzugter Wohnort wohlhabender Pensionäre, die ihre Villen in neuen Stadtvierteln errichteten.

Die Stadt Görlitz hatte den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise unzerstört überstanden. Allerdings sprengte die Wehrmacht auf ihrem Rückzug 1945 alle sieben Brücken über die Neiße, die mitten durch die Stadt fließt. Nun lief die Ostgrenze Deutschlands, die Oder-Neiße-Linie, mitten durch die Stadt. Sie war damit in das polnisches Zgorzelec und das deutsche Görlitz aufgeteilt. In der DDR blieb Görlitz ein bedeutender Industriestandort.

Aber mit der Wende kam nach 1990 ein rasanter Strukturwandel in die Stadt, der noch immer nachwirkt. Ganze Industriezweige, wie die Textilindustrie, wurden abgewickelt. Dafür blühte die wunderschöne Bausubstanz der Stadt wieder auf. Wie schon im 19. Jahrhundert ist Görlitz unter den Ruheständlern wieder zu einem beliebten Refugium geworden. Zgorzelec und Görlitz arbeiten als Europastadt nun eng zusammen.

Lage und Anreise

Görlitz liegt ganz im Osten Deutschlands im Bundesland Sachsen. Mit dem Auto ist Görlitz über die Autobahn A 4 (E 40) zu erreichen. Alternativ geht es über die Abfahrt Roggosen der Autobahn A 13 und die Bundesstraße B 115. Aus dem Süden führt die Bundesstraße B 99 von Zittau nach Görlitz.

Von Dresden, Zittau und Cottbus verkehren Regionalbahnen der Deutschen Bundesbahn oder der Lausitzbahn, meist im Stundentakt, nach Görlitz.

Die nächsten Verkehrsflughäfen sind Dresden (rund 100 km) und Berlin-Schönefeld (rund 220 km).

Für Radfahrer ist Görlitz ein attraktives Ziel. Der Oder-Neiße-Radweg und die Sächsische Städteroute führen direkt in die Stadt. Das Radwegenetz in Stadt und Umgebung wird stetig ausgebaut.