
- Johann Wolfgang von Goethe - Joseph Karl Stieler
Nach den stürmischen Jahren in Straßburg, Wetzlar und Frankfurt trifft Goethe am 7. November 1775 in Weimar ein. In der kleinen Residenzstadt des Fürstentums Sachsen-Weimar-Eisenach widmet er sich in den ersten Jahren vor allem der Regierungsarbeit. Er wird zum Geheimen Legationsrat ernannt und Mitglied der Kriegskommission. Außerdem ist er Direktor des Wegebaus und Leiter der Finanzverwaltung, und er holt seinen Freund Johann Gottfried Herder als Generalsuperintendenten nach Weimar.
Die Begegnung mit Charlotte von Stein
In Weimar lernt Goethe Charlotte von Stein kennen. Die Begegnung mit der kultivierten sieben Jahre älteren Hofdame hat großen Einfluss auf Goethe und sein literarisches Werk. Er verehrt sie sehr und hat mehr als 1.600 Briefe an sie geschrieben. Welche Form die Beziehung letztendlich angenommen hat, ist nicht eindeutig zu klären.
In den frühen Weimarer Jahren hat Goethe nur wenige Werke vollendet. Zu den bekannteren zählen „Harzreise im Winter“, „An den Mond“ und „Wanderers Nachtlied“. Darüber hinaus hat er wichtige Grundlagen für seine späteren Arbeiten gelegt und sich seinen naturwissenschaftlichen Studien gewidmet. Im Jahr 1784 entdeckte er den Zwischenkieferknochen.
Italienreise – Iphigenie auf Tauris, Egmont und Torquato Tasso
Im Jahr 1786 erkennt Goethe, dass er von seinem Leben enttäuscht ist. Seine Regierungsarbeit ist zermürbend, das Leben am Hof ist anstrengend, und er ist in einer unglücklichen Beziehung zu Charlotte von Stein gefangen. Daraufhin lässt er sich vom Herzog beurlauben und bricht in aller Heimlichkeit Anfang September 1786 zu einer Reise nach Italien auf.
Inkognito reiste Goethe nach Rom. Diese Reise wird für ihn zu einer künstlerischen Wiedergeburt. In der Gesellschaft anderer Künstler wie zum Beispiel Johann Heinrich Wilhelm Tischbein zeigt sich Goethe zutiefst von der Antike beeindruckt. Er widmet sich seinen Kunststudien, verbringt viel Zeit mit Malen und Zeichnen. In Italien vollendet Goethe endlich die Neufassung seiner „Iphigenie auf Tauris“ und den „Egmont“, außerdem nimmt er die Arbeit am „Torquato Tasso“ wieder auf. Nach zwei Jahren Aufenthalt kehrte er schließlich nach Weimar zurück.
Zurück in Weimar – Die Begegnung mit Christiane Vulpius
Nach seiner Rückkehr sind ihm seine Freunde – allen voran Herder und Charlotte von Stein – fremd. Die Distanz zu Charlotte von Stein wird durch Goethes Verhältnis mit der einfachen Christiane Vulpius noch größer. Vor allem sein uneheliches Zusammenleben mit der unstandesgemäßen Christiane ist im provinziellen Weimar ein Skandal. Fünf Kinder hat Christiane von ihm bekommen, aber nur sein Sohn August, geboren im Dezember 1789, überlebt. Erst 1806 legalisiert Goethe das Verhältnis zu Christiane.
Als Staatsbeamter konzentriert er sich vor allem auf künstlerische und wissenschaftliche Belange. Er übernimmt das Amt des Direktors des Weimarer Hoftheaters und befasst sich erneut mit der Knochenlehre. Seine literarische Arbeit aus dieser Zeit zeugt von den Erlebnissen seines Italienaufenthalts, es entstehen die „Römischen Elegien“, „Venezianischen Epigramme“ und die „Metamorphose der Pflanzen“.
Freundschaft mit Friedrich Schiller – Balladen, Xenien und Wilhelm Meisters Lehrjahre
Obwohl Schiller seit 1787 in Weimar lebt und durch Goethes Empfehlung 1789 eine außerordentliche Professur in Jena erhält, nähern sich Schiller und Goethe erst durch die gemeinsame Arbeit an Schillers Zeitschrift „Horen“ an, die 1794 beginnt. Zwischen ihnen entsteht eine kollegiale Freundschaft, die sich auf ihr Schaffen produktiv auswirkt. In dieser Zeit entstehen neben zahlreichen Balladen und den berühmten „Xenien“ wichtige Werke wie „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Außerdem hat Goethe mit „Hermann und Dorothea“ erstmals seit den „Leiden des jungen Werthers“ wieder Erfolg beim Publikum. Diese produktivste Phase in Goethes Leben endet mit Schillers Tod 1805.
Weltpolitik – Französische Revolution und Napoleon
Der Französischen Revolution steht Goethe im Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen wie Wieland, Schiller oder Herder skeptisch gegenüber. Sie widerspricht seiner Idee von einer Metamorphose in Natur und Geschichte, durch die sich die Dinge langsam verändern. Um so mehr bewundert er Napoleon, den er als Überwinder der Revolution und Ordnungsstifter ansieht.
Der späte Goethe – Faust II, Dichtung und Wahrheit und die Marienbader Elegie
Im Jahr 1806 schloss er für eine neue Gesamtausgabe seiner Werke endlich den ersten Teil des „Faust“ ab. Außerdem vollendete er 1809 seinen letzten Roman „Die Wahlverwandtschaften“ und beginnt mit der Niederschrift seiner autobiographischen Schriften, unter denen sicherlich „Dichtung und Wahrheit“ herausragt.
Im Jahr 1816 verstirbt Christiane nach langer Krankheit, und Goethe zieht sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück. 1823 erkrankt Goethe schwer und verbringt einige Zeit in Marienbad und Karlsbad zur Kur. Dort verlebt er seine letzte unglückliche Liebe, die literarischen Niederschlag in der „Marienbader Elegie“ der „Trilogie der Leidenschaft“ fand. 1830 kann er endlich den zweiten Teil des „Faust“ abschließen und damit das Werk beenden, das ihm jahrelang am wichtigsten erscheint und das er als sein poetisches Vermächtnis ansieht. Am 22. März 1832 verstirbt Johann Wolfgang von Goethe schließlich an den Folgen einer Lungenentzündung.
Zum Weiterlesen ist folgende Biographie zu empfehlen: Nicholas Boyle: Goethe. Der Dichter in seiner Zeit.. Insel-Verlag 2004. 2 Bände. Euro 42,00.
