
- Zeit zum Goldverkauf? - Miriam Luckhardt
Gold ist Geld. Aber wie bekommt man den besten Preis? Bei steigendem Goldpreis wird fleißig mit dem Goldankauf geworben, darunter sind auch viele schwarze Schafe, die eigene Gewinnmaximierung betreiben. Wer möglichst viel Geld für sein Gold möchte, muss sich informieren und vergleichen.
Grundsätzlich gilt für Privatverkäufer beim Goldverkauf:
- Jeder seriöse Goldkäufer bezieht sich auf den aktuellen Goldkurs.
- Private Verkäufer zahlen beim Verkaufen momentan keine Steuern oder Abgaben, es werden keine Mehrwertsteuern oder Abgeltungssteuern abgezogen.
- Ein seriöser Käufer ist gesetzlich verpflichtet, einen Ankaufbeleg zu schreiben (Ankaufspreis, Art der gekauften Artikel, Menge, Adresse des Käufers, persönliche Daten des Verkäufers).
- Der Verkäufer muss volljährig sein und sich ausweisen können (Personalausweis, Reisepass).
Wie hoch ist der Tagespreis für Gold?
Das Wichtigste ist zu wissen, wo der Goldpreis am Tag des Verkaufs steht – und wo er sich tendenziell hinbewegen könnte. Der Preis für Gold unterliegt einer hohen Schwankungsbreite und kann sich innerhalb von Minuten ändern! Der Goldpreis wird üblicherweise in Euro oder Dollar angegeben und bezieht sich meistens auf eine Unze. Ein Feinunze Gold sind genau 31,1034768 Gramm.
Über den aktuellen Goldpreis kann man sich auf diversen Webseiten informieren. Die An- und Verkaufspreise kann man im Internet abfragen, bei einem Goldkäufer telefonisch anfragen, bei einem Juwelier oder bei einer Bank. Oft hängen die tagesaktuellen Preise auch bei den Banken aus.
Was für Gold will man verkaufen?
Zuerst sollte man natürlich seine Verkaufsware möglichst gut kennen. Dazu gehören folgende Angaben:
- Gramm: Für die Gewichtsbestimmung benötigt man eine geeichte Waage. Diese hat ein Eichsiegel. Eine Briefwaage gibt Näherungswerte.
- Legierung: Bezahlt wird der Feingoldgehalt. Die meisten Schmuckstücke sind mit einem Stempel versehen, der den Goldgehalt angibt. Er wird entweder als Promille-Angabe oder in Karat angegeben. Bei einem Ring aus 585er Gold zum Beispiel sind 585 Teile von 1000 Teilen Gold. Der Feingoldanteil beträgt also 58,5 Prozent und wird zum tagesaktuellen Feingoldpreis berechnet. Bei Münzen ist der Feingoldgehalt eingeprägt oder in Katalogen nachzuschlagen. Sind keine Angaben verfügbar, muss man das Gold von einem Experten mit Prüfsäure bestimmen lassen.
- Art des Goldes: Barren, Münzen (zum Beispiel Maple Leaf, Panda), Schmuck, Zahngold, Bruchgold.
Wieviel ist das Gold wert?
Wenn man weiß, was man zu verkaufen hat und wo der Goldpreis steht, sollte man den Materialwert bestimmen. Dafür nutzt man einen Goldrechner (der unbedingt auf dem aktuellen Goldpreis basiert) oder den Taschenrechner. Beispielrechnung: Gewicht mal Feingehalt mal Goldpreis. Ein 20 Gramm schweres Schmuckstück aus 585er Gold und einem Tagespreis von 1.193 US Dollar je Unze ergibt einen reinen Materialwert von 448 US Dollar (20 mal 0,585 mal 1.193 geteilt durch 31,1034768 = 448,76).
Einen ersten Anhaltspunkt über den Ankaufspreis der Händler kann man im Internet erhalten oder durch eine telefonische Anfrage bei einem Goldankäufer: „Wie hoch ist der aktuelle Ankaufspreis für 20 Gramm 585er Gold in Form von Schmuck?“ Wichtig ist dabei eine genaue Angabe über die Art des Goldes, denn oft wird nur mit dem Höchstpreis geworben und der bezieht sich auf 999er Gold.
Bei stark steigenden Preisen und abnehmender Verfügbarkeit kann es passieren, dass sogar über dem Spot-Preis gezahlt wird. Deswegen sollte man bei größerer Verkaufsmenge unbedingt mehrere Angebote einholen.
Auf den Internetseiten von seriösen Goldhändlern sind tagesaktuelle Preislisten verfügbar. Hier kann man schnell sehen, wie viel zum Beispiel für einen 50 Gramm Goldbarren gezahlt wird. Wichtig ist neben dem Prüfen des korrekten Goldkurses ein Vergleich der Ankaufspreise und der möglichen Zusatzkosten.
- Goldmünzen: Bei dem Verkauf von Goldmünzen muss man einiges beachten. Der Preis wird hier nicht nur vom reinen Feingoldgehalt bestimmt. Wichtig ist hier auch der Sammlerwert, der Erhaltungswert, die Auflagenhöhe und der Stempelglanz. Der Goldankäufer zahlt in der Regel nur den reinen Goldwert (Schmelzwert), daher sollte man hochwertige Sammlermünzen lieber beim Fachhändler anbieten.
- Bruchgold, Zahngold: Bei der Bewertung fällt je nach Legierung und verkaufter Menge oft ein Abschlag auf den Tagespreis an. Dies sind die Kosten, die für das Verwerten entstehen (Scheidekosten).
- Schmuck: Bei dem Verkauf sollte man bei einen guten Juwelier anfragen. Denn bei dem Ankauf von Gold wird nur der reine Goldwert kalkuliert, weil das Gold eingeschmolzen wird, und ein Abschlag kalkuliert. Ein handwerkliches Meisterwerk sollte daher eher Liebhabern angeboten und verkauft werden.
Wo kann man sein Gold verkaufen?
Wenn man eine Preisvorstellung hat, kann man sich nun nach dem richtigen Käufer umsehen. Bei einem steigenden und hohen Goldpreis hat sogar der Schuster an der Ecke einen Aufsteller zum Goldankauf vor der Tür. Viele werben mit einer sofortigen Barauszahlung und Gebührenfreiheit, zahlen aber nicht unbedingt den besten Preis, der ja auf dem Goldkurs basiert.
Ein seriöser Händler orientiert sich also immer am tagesaktuellen Goldkurs und bemisst den Feingoldgehalt. Über den Preis wird daher nicht verhandelt. Da der Goldpreis stark schwankt, wird der Preis für den Zeitpunkt der Anfrage gelten.
- Banken und Sparkassen: Viele Geldinstitute kaufen und verkaufen Gold. Allerdings sollte man hier nicht unbedingt auf den besten Preis einfach vertrauen, sondern sich vorher informiert haben. Die Ankaufspreise können sich bei den Banken erheblich unterscheiden. Vor dem Vertragsabschluß sollte man sich vergewissern, dass es sich wirklich um den tagesaktuellen Goldpreis handelt und wie hoch die Ankaufsgebühr ist, die vom ermittelten Goldpreis abgezogen wird. Es kann auch vorkommen, dass noch einige Tage geprüft wird und die Bank dann nicht den Preis bezahlt, der bei dem Einzahlungstag vorlag. Die meisten Banken kaufen nur bestimmte Barren und Münzen an, die sich in gutem Zustand befinden, und natürlich kein Zahngold und Schmuck.
- Internet: Mit dem Verkauf über das Internet kann man unter Umständen einen besseren Preis erzielen als durch den Verkauf über Banken. Eine Ursache könnte zum Beispiel sein, dass der offizielle Goldkurs durch verschiedene Interessengruppen mit gesteuert wird und in manchen Zeiten Käufer bereit sind, über dem aktuellen Kurs zu kaufen, zum Beispiel weil das Angebot knapp wird. Im Internet kann man Gold unter anderem bei Auktionsplattformen wie ebay oder Goldforen verkaufen. Der Verkauf bei ebay ist natürlich ein Wagnis und man sollte sich die aktuellen Auktionspreise vorher ansehen. Selbstverständlich sollte der Versand entsprechend versichert werden.
- Scheideanstalten, Goldschmieden, Juweliere, Goldhändler: Bei dieser Verkaufsform kann man neben Barren und Münzen auch Gold anbieten, dass sich in einem schlechteren Zustand befindet sowie Zahn-, Schmuckgold und Goldreste. Der Preis wird nach dem Gewicht, dem Feingoldgehalt und dem aktuellen Goldkurs berechnet. Es fällt bei Schmuck und Bruchgold eine Gebühr an, da das Gold entsprechend verwertet werden muss. Es kann sich lohnen, den Zwischenhändler zu umgehen und bei den Scheideanstalten Angebote einzuholen. Dies lohnt sich aber erst bei etwas größeren Mengen.
- Post („Briefgold“): Wer sein Gold per Post versendet, sollte zwingend sicher sein, dass hier ein seriöses Unternehmen vorliegt. Die Vorgehensweise erscheint sehr unkompliziert, aber einen guten Preis erhält man nur, wenn man vorher die Konditionen geprüft hat und auch wirklich der Tagespreis bezahlt wird. Der Ankaufspreis sollte unbedingt vor dem Versenden schriftlich bestätigt werden, sonst bleibt der Preis bis zur Überweisung unklar.
- Zeitungsanzeigen: Oft stecken hinter Anzeigen in Tageszeitungen (“Sammler sucht“) Profis oder Schwarzhändler, die einen höheren Preis suggerieren. Auch hier gilt der Grundsatz des Preisvergleichs, die Ausgabe einer Quittung und das Festhalten der persönlichen Daten des Käufers. Von Hausbesuchen wird natürlich dringend abgeraten.
- Privat: Natürlich kann man sein Gold auch privat verkaufen - entweder im Bekanntenkreis oder als Angebot in Goldforen. Reisende Händler sind im Goldgewerbe übrigens durch das deutsche Gewerberecht verboten.
Generell gilt: Gold kaufen und Gold verkaufen ist in wirtschaftlich turbulenten Zeiten immer ein Risiko; der richtige Zeitpunkt ist nur im Rückspiegel zu erkennen. Gold ist eher eine Anlage für den langfristigen Investor und eine Krisenabsicherung. In wirtschaftlich schweren Zeiten kann es weitaus mehr als "Gold wert sein" und einfach nur das nackte Überleben sichern. Ob Hyperinflation oder Depression: Gold konnte bisher in den schwersten Zeiten eingetauscht werden.
