
- Von Goldgräbern und Geisterstädten - Wiesenburg Verlag
Die Geisterstadt Bodie nordöstlich des Mono Lake an der Ostseite der kalifornischen Sierra Nevada fasziniert viele Besucher, die auf der Fahrt vom Yosemite National Park in Richtung Death Valley das verwitterte Hinweisschild lesen, das den Weg zur verlassenen Goldgräberstadt weist. Wahrscheinlich lockt auch die Warnung vor der rauen Fahrt, die demjenigen bevorsteht, der sich dorthin wagt, abenteuerlich gesinnte Naturen in diese abgelegene Region Kaliforniens.
Bodie, eine der echten Geisterstädte in Kalifornien
Beim Autor Ingo Becker-Kavan war dies der Fall. 1974 besuchte er die Geisterstadt zum ersten Mal und seitdem immer wieder. Fasziniert ist er von den Geschichten, die die verfallenen und windschief in der Einsamkeit stehenden Gebäude der ehemaligen Boomtown des Goldrauschs in Kalifornien erzählen. Und diese Geschichten sind es wert, erzählt zu werden:
Geschichten von Goldgräbern, Glücksrittern, zwielichtigen Gestalten und Bordellwirtinnen
So berichtet er vom Blechschmied Waterman Bill Bodey, der zusammen mit vier Freunden nach zehn Jahren vergeblicher Suche auf den Goldfeldern westlich der Sierra Nevada in eine sehr abgelegene Region im Osten des Gebirgszug aufbrach, um dort noch einmal sein Glück zu versuchen. Bodey, nach dem der spätere Bergwerksort benannt wurde, fand wie so viele damals ein dramatisches Ende. Um mögliche Rivalen vom Fundort des Goldes fernzuhalten hatte er sich zusammen mit seinem indianischen Begleiter während eines Schneesturms auf den Rückweg zur Fundstelle gemacht. Er hoffte, die Schneeverwehungen würden seine Spuren überdecken. Seine Verfolger konnte er auf diese Weise zwar abschütteln, aber er selbst überlebte die Reise nicht. Er erfror während der Rückreise.
Trotzdem kamen im Laufe der Zeit weitere Goldsucher in die Region. Was folgte, war typisch für die Entwicklung von Bergwerkstädten im Kalifornien der Goldrauschzeit. Erst entstand ein Zeltcamp, dann wurden Bretterbuden zusammen gezimmert, bis schließlich massive Holz- und sogar Steinhäuser errichtet wurden.
Bodie lag so weit von den Zentren der Macht an der kalifornischen Westküste entfernt, dass Recht und Ordnung sich hier nie so recht etablieren konnten. Es gab zwar einen Sheriff, der aber ebenso wie seine Hilfssheriffs im Falle von Schießereien, Raubüberfällen und Raufereien eher wegsah, als dass er mit regelnder Hand eingriff. So erwarb sich Bodie bald den Ruf einer gesetzlosen Goldgräberstadt.
Diese zog daher bald ihr Soll an besonders zwielichtigen Gestalten und Damen des horizontalen Gewerbes an, von denen einige in dem Buch vorgestellt werden. So wird zum Beispiel die abenteuerliche Lebensgeschichte einer "Madame Moustache" geschildert, die die letzten Jahre ihres Lebens als Bordellwirtin in Bodie verbrachte. Mehrfach ist in den Zeitungsberichten aus der Stadt auch von einer Rosa Oalaque die Rede, die offensichtlich gern dem Alkohol zusprach und so mehrfach wegen öffentlicher Ruhestörung ins Gefängnis gesteckt wurde, um dort ihren Rausch auszuschlafen.
Vom Aufstieg, der Blütezeit und dem Untergang der Goldgräberstadt Bodie in Kalifornien
Anhand solcher Geschichten und Einzelschicksale erzählt der Autor vom Aufstieg, der Blütezeit und dem Untergang der Bergwerksstadt in der Wüste Kaliforniens. Er berichtet davon, wie sich die Stadt von einem wilden Zeltlager zu einer richtigen Stadt mit festen Häusern, Saloons, Kirchen und Zeitungen entwickelte. Während der besten Jahre lebten über 15000 Menschen in Bodie. Sie fanden Arbeit in 13 Goldbergwerken, konnten ihr schwer erworbenes Gold in 67 Saloons wieder loswerden, und sollten sie Opfer einer der vielen Schießereien werden, so standen 6 Leichenbestatter zur Verfügung, die für ihre Beerdigung sorgten. Interessant ist, dass die zwei Kirchen der Stadt erst gebaut wurden, als sich bereits die ersten Anzeichen des Untergangs bemerkbar machten.
Interessante Geschichten, aber ...
So faszinierend die Geschichten sind, die der Autor zu erzählen hat, er schafft es nicht, dies in einem gut lesbaren Stil zu tun. Umständliche Formulierungen, Ausdrücke, die fehl am Platz wirken und Gedankensprünge machen es dem Leser nicht leicht, seinen Geschichten zu folgen. Schade, denn der Stoff wäre es wert, besser präsentiert zu werden.
Ingo Becker-Kavan, Von Goldgräbern und Geisterstädten, Das alte Bodie in Kalifornien, Wiesenburg Verlag, 1. Auflage 2009. Gebunden, 119 Seiten mit Farbfotos, Euro 19,80 (D)
Mehr über Bodie und seine Geschichte gibt's online.
