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GolfCross – sportliche Fusion von Golf und Rugby

Neuseelands Sport, bei dem der Ball ein Ei und das Loch ein Tor ist

GolfCross: Neuseelands Erfindung, jetzt in Europa - www.golfcross.eu
GolfCross: Neuseelands Erfindung, jetzt in Europa - www.golfcross.eu
Wem das Putten beim Golfspiel Schwierigkeiten bereitet, kann es auch mal mit dem Ableger des Golfens versuchen, bei dem ein eiförmiger Golfball in ein Netz gespielt wird

Mit nur einem Handgriff kann der Traum der meisten Golfer wahr werden: Nie mehr den Ball beim Abschlag mit Inbrunst – und den natürlichen Feinden des vor allem männlichen Spielers namens Hook und Slice – in den Wald neben der Spielbahn zimmern. Zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs, doch wie immer hat die Sache einen Haken, auch wenn er in diesem Fall oval geformt ist und beim Flug ungewöhnliche Geräusche macht. Denn wer endlich zuverlässig gerade abschlagen und die Fairways treffen will, muss den klassisch runden Golfball auf seinem Tee mit dem beim GolfCross verwendeten Ei vertauschen – oder aber Tage und Wochen auf der Driving Range an seinem Schwung arbeiten.

GolfCross, Erfindung neuseeländischen Ideenreichtums von Burton Silver

Neuseeländer waren schon immer erfindungsreich, wenn es um sportliche Freizeitinvestitionen an der frischen Luft ging. Neben den klassischen Outdoor-Sportarten wie Segeln, Surfen, Golf und Rugby wurden in der Abgeschiedenheit am anderen Ende der Welt auch unzählige Extrem- und Funsportarten erdacht und getestet, die in erster Linie Spaß machen sollen. Das letzte Ergebnis des unbändigen Drangs, dem Spiel mit dem Ball immer neue Facetten abzugewinnen, stellt diese frische Fusion des Golfspiels mit Elementen des Rugby dar, deren geistiger Vater der neuseeländische Cartoonist, Autor und Erfinder Burton Silver ist. GolfCross basiert auf den Regeln des klassischen Golfspiels und wird auf vergleichbaren Plätzen gespielt, allerdings mit folgenden feinen Unterschieden:

Beim GolfCross ist der Ball ein Ei – und das Loch ein Tor

Die zwei wichtigsten Neuerungen gegenüber dem bekannten Golfspiel und seinen Varianten wie dem Crossgolf betreffen das Spielgerät beim GolfCross. Während mit Ausnahme des Putters alle anderen regulären Golfschläger Verwendung finden, ist der Spielball gar keiner, sondern ein ovales Flugobjekt, welches nur in Farbe, Oberflächenstruktur, Größe und Gewicht in etwa dem Golfball gleicht. Allerdings wird durch die dem Rugby-Ei entlehnte Form eine dem Golfball überlegene Aerodynamik erziehlt, die für zuverlässig gerade Schläge sorgt. Denn gegenüber Golfbällen weist die Flugcharakteristik des GolfCross-Ufos zwei Rotations-Achsen auf, die durch ihre gegenläufigen Kräfte eine gerade Flugbahn garantieren – und nebenbei ungewöhnliche Geräusche verursachen, die dem Golfball tatsächlich so fremd sind wie ein außerirdisches Flugobjekt. Eine weitere grundlegende Änderung erwartet den Spieler am Ende jeder Bahn, wo nicht ein Loch im Grün, sondern ein sogenannter Yard mit einer Art Rugby-Tor auf die golferische Annäherung wartet. Das Tor ist auf einem Pfahl drehbar montiert, insgesamt etwa 240 Zentimeter hoch und mit einem Netz und gleich zwei Fähnchen versehen. Jedem Ballsport-versierten Zeitgenossen wird klar sein, was mit dem GolfCross-Ei zu tun ist: Mit je weniger Schlägen das Ei im Netz zappelt, desto besser.

Spielerische Techniken und Tee-Feinheiten des GolfCross

Beim Abschlag wird das GolfCross-Ei auf einem speziellen, nun ja, Gummi-Eierbecher aufgeteet – und schon hier beginnt die taktische Kunst des GolfCross. Denn Flugbahn und -Geräusch des Golfzäpfchens hängen nicht nur mit der Schlägerwahl und dem Schwung des Spielers zusammen, sondern eben auch und besonders mit der Weise, wie aufgeteet wird. Fünf Basispositionen werden unterschieden, die jeweils ganz eigene Flug-Charakteristiken bewirken:

  • Upright: Aufrecht wie das Frühstücksei im Becher wird der Schlag das Fluggerät in Backspin versetzen und eine schnurgerade, mit hohem Summen begleitete und mit wenig "Roll" endende Flugbahn nehmen, die auch mit dem Driver gespielt deutlich kürzer als beim Golfball ausfällt.
  • Reflected: Wie zuvor beschrieben, aber so geneigt, dass das GolfCross-Ei in leichte Rücklage gerät, trifft die Schlagfläche parallel auf die Längsseite des Eies, der Loft des Schlägers wird so ausgeglichen. Das sorgt für minimalen Backspin, weite Flubahnen und viel "Roll".
  • Torpedo: Horizontal auf das Tee gelegt, mit einer Spitze in Zielrichtung weisend, trifft der Schläger das spitze hintere Ende und produziert so jede Menge Topspin und eine sehr flache und weite Flugbahn, die allerdings in heftigem Verspringen bei der Landung enden kann.
  • Angled: Das Ei wird aus der Upright-Position nach rechts oder links geneigt, um die Längs-Rotations-Achse aus der Senkrechten zu verschieben. Resultat: kunstvolle und vor allem beherrschbare Hooks und Slices. Je schräger die Position auf dem Tee, desto flacher der Flug.
  • Horizontal: Die volle Breitseite trifft die Schlagfläche dann, wenn das Ei in natürlicher Position zum liegen gekommen ist oder gelegt wurde. Nicht nur für jenen Fall, wenn das Tee laut Platzregel nicht auf den Fairways benutzt werden darf, können damit hoch und kurz fliegende Annäherungen gespielt werden – allerdings reicht eine leichte horizontale Abweichung, um das GolfCross-Ei unkontrolliert abdrehen zu lassen.

Der sogennante Fangle, ein missglückter Schlag mit extrem reduzierter Länge und unvorhersehbarer Flugbahn, kommt immer dann zustande, wenn die Position des Reflected shots mit dem des Angled shots kombiniert wird.

Wo und wie GolfCross gespielt werden kann

GolfCross wird also auf golfähnlichen Spielbahnen gespielt, wobei die Grüns durch Yards ersetzt werden, in deren Mitte der Tormast steht. Sobald ein Spieler mit seinem Ei den Yard erreicht hat, darf er das Tor in eine von drei festen Positionen drehen (lassen), um ins Netz spielen zu können – auch hier ist der geübte Umgang mit kurzen Schlägern wie dem Wegde unabdingbar, und zwar nicht nur für die Annäherung. Besonders der "Country Punt", ein Lobshot von hinten in die obere Netzöffnung, erfordert viel Ei-Gefühl. Auch Field-Goals von außerhalb des Yards sind möglich, gekrönt übrigens vom "Goal-in-one" direkt vom Abschlag.

Die in diesem Jahrtausend entwickelte Form des Schlagspiels gehört wohl zu den vielen neuseeländischen Erfindungen wie dem Jetboat und dem Bungee-Sprung, die nicht unbedingt nötig sind, die sportliche Freizeit aber durchaus bereichern können – zum Beispiel auf Europas erster GolfCross-Anlage bei Wiemersdorf nördlich von Hamburg.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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