
- Was macht einen guten Golfplatz aus – das Grün? - Rainer Sturm / Pixelio.de
Gibt es überhaupt so etwas wie gute Golfplätze? Zweifellos – schöne, exklusive und anspruchsvolle Plätze gibt es weltweit viele. Zudem hat jeder Golfer zumindest vorübergehend seinen Lieblingsplatz, auf dem er beispielsweise sein erstes Hole-in-One versenkte, HCP 36 unterspielte oder wo das Abendlicht besonders schwungbefördernd auf dem Spiegel des liquiden Ballgrabes an der 9. Spielbahn glitzert. Eine persönliche Beziehung zu einem Golfplatz ist schnell aufgebaut, doch welche Kriterien spielen dabei eine Rolle? Platzzustand, Tagesform, Flightpartner, Wetter – oder gar der Score? So eindimensional sind Golfer nun wirklich nicht, und doch ist Golf wohl tatsächlich das Spiel der Individualisten. Es soll beispielsweise Mitbewerber geben, denen ein leichter Schauer an einem ansonsten heiteren Turniertag neuen Auftrieb gibt. Und andere, denen durch eine solch dezente Änderung der Platzverhältnisse der Flow abhandenkommt – jenes fragile Phänomen, das die Abschläge wie am Schnürchen in Birdie-Lagen befördert und selbst 20-Meter-Putts wie ferngesteuert fallen lässt. Ist nun jeder Platz gleich gut geeignet für jenen Golfertraum, von dem man noch viele Runden zehren kann?
Golfplätze und ihre Spitznamen: Blaues Monster, Hundezähne und die Nase des Dekans
Es gibt Golfplätze, denen eilt ein gewisser Ruf voraus: Besonders eng, lang, unfair gar, mit Grüns wie ein Kugellabyrinth bei Schluckauf. Manche Golfplätze tragen sogar offizielle und nicht immer einladende Spitznamen wie das Blue Monster von Doral, Miami, Austragungsort des WGC Cadillac Championship. Oder The Teeth of the Dog im Südosten der Dominikanischen Republik, die sich die Drives in Form von heftigen Passatwinden schnappen und unkontrolliert über den Platz des Casa de Campo GC verreißen, wie der Karibik-Course eigentlich heißt. Doch auf so manchen Golfer und seinen Ball wirken auch schon kleinere Teile eines Golfplatzes anziehend genug, um ihnen mit einem eigenen Spitznamen Respekt zu zollen: Von The Devil’s Bathtub in Bay Hill bis zum Bunkerkomplex der 16 des Old Course in St. Andrews namens The Principal‘s Nose wird besonders leidenschaftlich benannt, was nachdrücklichen Einfluss aufs eigene Spiel nahm. Die weltberühmte Feldsteinbrücke und Sinnbild des schottischen Home of Golf hingegen, die auf Fotos immer besonders warm im Abendlicht leuchtet, hat indes keinen Spitznamen, sondern heißt schlicht Swilcan Bridge nach dem Flüsschen darunter. Also scheint ein blumiger bis dorniger Spitzname kein hinreichendes Kriterium für die Qualität geschweige denn Güte einer Golfanlage zu sein.
Professionelle Hassliebe zwischen Golfer und Platz: Martin Kaymer und Augusta
Besonders Golfpros hegen häufig eine ausgeprägte Hassliebe zu speziellen Turnierplätzen. Kein Wunder, kann doch ein überaus abgründig platzierter Topfbunker mal schnell ein sechs- oder doch nur fünfstelliges Preisgeld bedeuten. Doch manche solcher schwierigen professionellen Beziehungen sind eben dauerhafter als ein siegreicher Flirt. Martin Kaymer ist nun einmal kein Freund von Augusta, was ja den Platz wie auch das Masters selbst für uns Deutsche nicht weniger begehrenswert erscheinen lässt. Doch ist es hier nicht auch die Exklusivität, die Unerreichbarkeit, die den legendären Golfplatz des Augusta National aus der Ferne und keineswegs erst im sanften Abendlicht besonders reizvoll in Grün und dem Weiß der Bunker erstrahlen lässt? Eines ist sicher: Golfplätze solchen Kalibers fordern schon eine gewisse Leidensfähigkeit vom Spieler, egal ob Pro oder Am des Golfspiels. Sind sie vielleicht gerade deshalb exemplarisch für die Lebensaufgabe Golf – und darum gut?
Kriterien für das Gute im Golfcourse und warum Pflege nicht nur in die Geriatrie gehört
Das erste Kriterium, was dem Golfer auf einem fremden Platz ins Auge fällt, ist meist der Zustand der begrünten Spielbahnen – wenn er denn, von lauter Nachbar-Flights in die Zange genommen, überhaupt einen Blick für die Fairways und Grüns hat. Denn bekannte Plätze ziehen natürlich zahlreiche Exemplare der Spezies Greenfee-Spieler an, denen – so hört man gelegentlich – eine gewisse Verwandtschaft mit scharrendem Schwarzwild nachgesagt wird. Ist also ein guter Platz einer, dessen exklusive Startzeiten im Dreiviertelstundentakt vergeben werden? Und erwartet man dann, zumindest unbewusst, saftiges Grün von der Akkuratesse eines Rekrutenskalps, natürlich ohne Divot-Narben und Schussverletzungen der Pitchmarken im Gras? So ist man es schließlich von Fernsehübertragungen und den fernwehenden Fotostrecken der Golfmagazine gewohnt. Doch in heimischen Breiten, wo es durchaus so etwas wie Jahreszeiten gibt, sieht es regelmäßig etwas anders aus.
Vom guten Gras: Qualität unter Golfern
Denn hierzulande schwelt ein Glaubenskrieg zwischen heimgekehrten Exilgolfern und heimischen Greenkeepern um das, was sich rasentechnisch gehört: Leuchtend grüne Floridagräser wie im Augusta National bzw. Agrostis-Grünsaaten für das besondere Farberlebnis, oder doch lieber heimische Sorten wie der Horst-Rot-Schwingel (Festuca nigrescens), der sich nicht so schnell vom Greenkeeper-Feind, dem einjährigen Rispengras (Poa annua), verdrängen lässt – aber eben auch mal für braungebrannte Fairways im Sommer sorgt. Doch tatsächlich kann auch das bei wohlwollenden Golfern schon mal den Eindruck eines von Sonne und Wind bestrichenen Links Courses an Strandhafer wecken, was dem wahren Ursprung und der guten alten Tradition des Golfspiels vielleicht ohnehin näher kommt als Bermudagras in Niederflor-Qualität. Und auch dieses natürliche Farbspiel kann ja manchmal, nach schweißtreibender Runde beim Kaltgetränk auf der Clubhausterrasse, ganz reizvoll wirken – wenn, sehr richtig, das Abendlicht stimmungsvolle Schattierungen auf die Schnittstufen um das 18. Grün zaubert. Dann könnte man sich fast einigen, dass Golf gut ist, egal auf welchem Platz.
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