Golfplatztest: Golfclub Grömitz im ältesten westdeutschen Seebad

Meisterschaftsplatz Golfclub Ostseeheilbad Grömitz - FxReid
Meisterschaftsplatz Golfclub Ostseeheilbad Grömitz - FxReid
Das Ostseeheilbad Grömitz gehört nicht zu den sportlichsten Urlaubsorten, doch einen Golfplatz gibt es. Lohnt eine Runde, oder ist der Strand vorzuziehen?

Das Ostseebad Grömitz kam seit 1813 ohne Golfplatz aus, galt doch die nicht zu übersehende Ostsee mit all ihren Reizen als ausreichendes Kriterium für einen Besuch. Doch traditionell gibt es in Grömitz Tage mit Strandwetter und solche mit gehaltvollerem Klima, an denen die zahlreichen Stammgäste und Tagesurlauber aus ganz Norddeutschland schlagkräftige Alternativen zum Sonnenbad suchen. So hielt man es 1989 – noch vor der großen Seebadkonkurrenz zum neuen Osten – für eine kapitale Idee, einen Golfclub samt Spielbahnen in Nähe des Ortskerns zu etablieren.

GC Grömitz an der Ostsee – Golfanlage mit Handicap?

Es dauerte aber noch bis ins Jahr 2000, bis der 18-Loch Meisterschaftsplatz des GC Grömitz fertiggestellt war. Doch die Betreibergesellschaft GmbH & Co. KG, an der auch die Gemeinde (mit insgesamt 550.000 Euro) und etwa ein Viertel der Clubmitglieder als Kommanditisten beteiligt sind, geriet durch den weiteren Ausbau einer benachbarten Reithalle zum Clubhaus und Restaurant in finanzielle Schwierigkeiten, die sogar in einem Bürgerentscheid gegen weitere Beteiligungen der Gemeinde Grömitz gipfelten. Somit musste der Gemeindebeschluss vom Oktober 2008, den Betrieb des Golfplatzes zu übernehmen, zurückgenommen werden. Doch die mittlerweile komplett ausgestattete Golfanlage ist weiterhin bespielbar. Zwar liegt das Clubhaus des GC Grömitz ziemlich genau 1.468 Meter von der Grömitzer Seebrücke entfernt und damit tatsächlich recht ortsnah – und doch ist der Golfplatz eine Randerscheinung des Seebades, die man bei einer Fahrt über die Bundesstraße 501 nach Cismar einsehen kann. Ungünstig dabei, dass die meisten Urlauber bei ihrer Anreise nach Grömitz über jene Landstraße am benachbarten und länger etablierten Golfclub in Brodau vorbeikommen, der für sein abwechslungsreiches Platzdesign, anspruchsvolles Golf und etwas Meerblick bekannt ist.

Vom Parkplatz zum ersten Abschlag der Golfanlage in Grömitz

Vom Parkplatz führt der Weg am öffentlichen Putting-Grün vorbei zum Sekretariat samt Pro-Shop, wo man sich auch gleich den etwas unübersichtlichen Weg zur Driving Range erklären lassen kann. Dort angekommen mag man sich darüber wundern, dass zwar zahlreiche Abschlagmatten – teilweise überdacht – vorhanden sind, aber keine Möglichkeit vorgesehen ist, von natürlichem Untergrund zu trainieren. Über-natürlich und noch irritierender war im Sommer 2011 das Problem der heimatlos umherschwärmenden Wespen, deren Nest von der Driving Range-Box entfernt wurde. Über einige Kleinigkeiten kann man sicher hinwegsehen, bevor der erste Ball auf die schmale, doch ausreichend ausgestattete Driving Range verschickt wird, die Übungsbälle mit der Aufschrift »Not your ball« wirken aber doch auf aufmerksame Golfer wenig einladend – auch wenn`s genau genommen stimmt. Also doch lieber ans Meer, wo die mietbaren Strandkörbe ja auch nicht mit der Aufschrift »Not your beach chair« versehen sind? Nein, denn durchaus versöhnlich stimmt der Anblick des ersten Abschlags samt der Tafel mit erfreulich detaillierter Bahnübersicht, wie sie an allen Tees des 18-Loch Golfplatzes Orientierung schaffen – übrigens gleich neben einem Strandkorb ohne Warnhinweis.

Wichtig ist auf dem Platz – der in Grömitz gar nicht schlecht ist

Letztlich trifft die alte Ballsportler-Weisheit auch hier zu, dass das geschejen auf dem Platz wichtig ist. Denn die Spielbahnen selbst bieten durchaus geeignete Grundlage für einen schönen Golftag inklusive der einen oder anderen sportlichen Herausforderung – die sich besonders immer dann offenbart, wenn es die Aussicht vom Abschlag nicht tut. Nicht umsonst gehören die langen, teils scharf abknickenden Doglegs der Bahnen 4, 8, 10 und 14 mit ihren seitlich wegbrechenden Fairway-Gefällen zu den schwierigeren Löchern. Das liegt meist an den blinden Grüns – einmal gespielt, verlieren sie allerdings einen Teil ihrer Tücke, was je nach Geschmack für oder gegen die Eignung des Par73-Meisterschaftsplatzes als Gastspielort spricht.

Durchaus ungewöhnlich startet man vom Tee 1 auf ein langes Par3, das neben einem einzelnen Wächterbaum zwischen Abschlag und Landezone über zwei Fairwaybunker verfügt, die das Anspiel des abfallenden Grüns per Holz erschweren. Doch schon auf dem recht langen Weg zum zweiten Tee durch das zentrale Knick-Labyrinth der 18-Loch-Anlage zeigt sich die Schwäche des engen Platzdesigns, das den Greenfee-Spieler manchmal etwas ratlos vom Grün schreiten lässt, bis er den nächsten Wegweiser erspäht. Doch über die Bahnen 2 und 3, beides eher unspektakuläre Par4 mit etwas Gefälle und etwas Wasser, öffnet sich der Platz mit Blick auf die umgebenden Felder – doch leider nie ganz bis zur 1,5 Kilometer entfernten Ostsee. Trotzdem ergeben sich auf den eher durchschnittlichen 5.767 Metern, die der Platz für Herren misst (4.909 Meter für Damen) durchaus ermunternde Aussichten auf die Wellen des golferischen Holsteiner Hinterlandes.

Die Acht, vielleicht die charakteristischste Bahn des Golfcourse Grömitz

Loch Nummer 8 lässt aus den nackten Fakten noch nicht erkennen, wie sehr die charakteristischen Eigenheiten des Grömitzer Golfplatzes hier vereint sind. Das erste Glied des Doglegs endet an einer engen Schneise, die zusätzlich von zunächst verborgenen, eingerückten Bunkern verteidigt wird – ortsfremde Herren legen also besser vor. Und zwar ebenso beim zweiten Schlag, der das frontale Wasserhindernis höher würdigen sollte als die überschaubaren Grünbunker und den Wassergraben, der sich unauffällig den Rest des Fairways entlang zieht. Wenn man die sicheren Landezonen kennt, ist dieses Loch wie die meisten des Platzes dann »nur noch« eine Sache der Schwungkonstanz. Weiterhin zeichnet sich die exemplarische Bahn durch sparsamen, aber spielentscheidenden Einsatz von Hindernissen aus, wobei man es weniger mit Bäumen als mit Knicks, Buschwerk und Schilf zu tun bekommt. Das Grün selbst ist bei durchschnittlichem Pflegezustand meist nicht besonders erwähnenswert, so aber doch die Aussicht vom selben. Denn von der 8. Fahne hat man einen offenen Blick auf das etwas gerümpelige Hinterteil eines Hühnerhofes und Brachflächen, bevor man wieder in das Dickicht der zentralen Knicklandschaft eintaucht. Also könnte man zusammenfassend am Beispiel der Bahn 8 feststellen, dass die Vorzüge des Grömitzer Platzes klar auf den Spielbahnen liegen, während das Drumherum manchmal nicht ganz dazu passen will.

Golfclub Ostseeheilbad Grömitz e.V.

  • Am Schoor, 23743 Grömitz, Ostholstein. Tel.: 04562 - 22 26 50
  • Startzeit-Reservierungen empfohlen. Keine Hunde auf dem Platz gestattet.
  • Der GC Grömitz gehört zu den acht im Rahmen des »Golfpakets Ostsee« bespielbaren Plätzen.
  • Greenfee 18-Loch: Wochenende & Feiertage 52 Euro, sonst 30 bis 44 Euro.
  • Greenfee 9-Loch-Platz »Strandidyll« (Par60 – mit Bahnen bis zu 257 Metern länge, kein typischer Kurzplatz): Wochenende & Feiertage für die doppelte Runde 42 Euro, sonst 30 Euro. Einfache Runde über 9 Löcher durchweg 23 Euro.
FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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