Google Inc.,Mountain View, USA, ist nach wie vor die führende Suchmaschine in der Welt des Internets. Nach neuesten Zahlen hält sich der Marktanteil in den USA bei rund 70%, mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenzmaschine Microsofts, Bing. In Europa ist der Marktanteil sogar deutlich höher.

Im Kerngeschäft Suchmaschine ist die Welt in Ordnung

Hier sind es lediglich regional begrenzte Konkurrenten, die Google auf einigen Märkten das Leben schwer machen. In China ist es Baidu, das nach dem freiwilligen Rückzug Googles aufgrund der Zensurproblematik den Markt beherrscht. Baidu hat in der vergangenen Woche sogar eine Zusammenarbeit mit Microsoft angekündigt, um englischsprachige Suchanfragen abdecken zu können. In Russland wird der Markt derzeit von Yandex beherrscht, die ebenfalls an der New York Stock Exchange gehandelt werden.

Auf den anderen Geschäftsfeldern, auf den Google Marktanteile ausweiten bzw. zurückerobern will, befindet sich der Konzern demgegenüber in heftigen Streitigkeiten mit gleich mehreren Konkurrenten.

Android Betriebssystem auf dem Vormarsch

Im Smartphonesektor hat Google mit seinem kostenlosen Betriebssystem Android ein Eisen im Feuer. Hier konnte der Internetgigant aus Palo Alto in den vergangenen Monaten massiv Marktanteile gewinnen. In den USA hielt Android im vergangenen Monat einen Marktanteil von 49% gegenüber dem großen Konkurrenten iOS (Apple), der lediglich auf rund 28% kam. Ähnlich sieht es in allen relevanten Märkten aus ( Deutschland - Android: 41% gegenüber iOS 18%). Am stärksten ist Google in Japan vertreten, wo Android auf einen Marktanteil von 64,7% kommt. Dort hat die Entwicklung dazu geführt, daß Nokia in der vergangenen Woche mit seinem Symbian-Betriebssystem den Rückzug aus diesem Markt angekündigt hat. Google bietet sein Betriebssystem zur kostenlosen Verbreitung an, um über diesen Weg die Internetsuche auf Smartphones zu unterstützen.

Probleme bereiten Google zunehmend Patentstreitigkeiten. Oracle hat den Suchmaschinengiganten vor einem US-Gericht auf Schadensersatzforderungen wegen angeblicher Lizenzverstöße in Höhe von rund 8 Milliarden Dollar verklagt. Entgegen der von Google geäußerten Erwartung ist diese Klage vom Gericht zumindest angenommen worden; eine Entscheidung wird nicht vor November erwartet.

Die Situation wird für Google nicht dadurch leichter, daß das Gebot für die rund 6000 Patente des insolventen Telekomausrüsters Nortel, das Google in Höhe von rund 900 Millionen Dollar abgegeben hatte, durch ein Konsortium der beiden "Erzfeinde" Apple und Microsoft mit 4,5 Millarden Dollar überboten. Die Patente gelten als Schatztruhe, da es dabei um wichtige Technik im Bereich der Mobilkommunikation, des WLAN und auch der Online-Netzwerke geht.

Google Chromebook - Googles Angriff auf die Netbooks

Sehr spät hat Google mit dem jetzt vorgelegten Chromebook auf die Entwicklung bei den Netbooks reagiert. Es handelt sich dabei um ein Notebook, das offline lediglich aus einem Explorer besteht und sämtliche erforderlichen Textverarbeitungsprogramme für die Büroarbeit auf dem Internet bezieht. Google macht damit mit der Idee der Wolke, also der Auslagerung sämtlicher Daten in die vielzitierte Cloud, konsequent ernst. Das Chromebook startet deshalb erheblich schneller. Auch ist die Idee, das Netbook für Businesskunden per Leasing zur Verfügung zu stellen, offensichtlich gut angekommen: die ersten Verkaufszahlen in den USA sind derart hoch, daß es für Samsung als Hersteller bereits Lieferschwierigkeiten gibt.

Momentan ist noch nicht absehbar, ob das Chromebook sich durchsetzen kann. In ersten Rezensionen wurde durchweg negativ aufgefasst, daß das Chromebook einen Internetzugang benötigt, um arbeiten zu können. Die New York Times kommentierte dies mit einem lapidaren: "Dead on arrival". Google hat in einer ersten Reaktion die Möglichkeit der offline-Arbeit verstärkt.

Google+ - eine Antwort auf Facebook

Die stärkte Entwicklung aber ist in den letzten Wochen durch die Markteinführung von Google+ zu sehen gewesen. Google gibt hier Nutzern die Möglichkeit, in selbst definierten Freundeskreisen Nachrichten etc. zu teilen. Dies ist nicht zu Unrecht als Angriff auf Facebook gewertet worden. Google zielt auch ganz ausdrücklich mit der Einführung von Google + auf die in den letzten Monaten verstärkte Kritik an Facebook, es mit der Datensicherheit und der Abgrenzung, welche Nachrichten an wen weitergegeben werden könnne, nicht zu genau zu nehmen. Momentan ist Google+ nur auf Einladung für einen begrenzten Personenkreis nutzbar. Der Testbetrieb ist aber bereits geradezu euphorisch angenommen worden. Ob es Google gelingt, hier Marktanteile wettzumachen, bleibt abzuwarten.

Jedenfalls zeigen die Anstrengungen und Ausweitungen der Bemührungen Googles in andere Bereiche des Internets, daß Google die Herausforderungen durch die Konkurrenten ernstnimmt. Dazu passt auch, daß Google seinen -auf Linked In und Groupon gezielten- Dienst Google Offer jetzt offiziell in den USA auf eine Reihe von Großstädten erweitert.

Die Ausweitung dieser Dienste auf eine Reihe von Kampfzonen wird den Konzern viel Geld kosten. Auch deshalb ist der Aktienkurs im vergangenen Jahr unter Druck geraten und liegt noch immer gut 17 Prozent unter dem bisherigen Höchstkurs. An flüssigen Mitteln aber dürfte es Google nicht mangeln: Der Konzern verfügt über eine Kampfkasse von fast 40 Milliarden US-Dollar.