In der "ZDF heute"-Sendung und in der 3 SAT-Kulturzeit am 1. Februar 2011 wurde ein neues Angebot von Google vorgestellt: Beim Art Project filmt - ähnlich wie bei Streetview - ein Kamerawagen in siebzehn der bedeutendsten Museen der Welt, darunter die Alte Nationalgalerie und die Gemäldegalerie in Berlin (als einzige deutsche Vertreter), die National Gallery in London, das Museum of Modern Art in New York, die Eremitage in St. Petersburg und das Van Gogh Museum in Amsterdam.

Der virtuelle Gang durch das Museum

Eine Funktion ermöglicht dabei den virtuellen Gang durch die Museumsräume aus der Perspektive der Streetview-Kamera. Dabei entsteht aber eher eine Abfolge von scheinbar willkürlich gewählten Ausschnitten und weniger der Eindruck, durch die Ausstellung zu promenieren - man "ruckelt" von Bild zu Bild. Die Streetview-Technologie kann in diesem Fall einen realen Besuch und die Betrachtung durch das menschliche Auge wohl kaum ersetzen. Es fehlt ganz einfach der Gesamteindruck und die Raumwirkung. Auch auf die besondere Atmosphäre in einer Bildergalerie muss der Internetnutzer natürlich verzichten. Immerhin wird durch das virtuelle Museum die Umwelt geschont, da sich die Anfahrt erübrigt.

Botticellis Venus besonders scharf

Schon eher überzeugt die Darstellung einzelner Gemälde wie etwa Botticellis "Geburt der Venus" , die in den Uffizien in Florenz ausgestellt wird - einem weiteren Partner von Art Project. Mit einer Vergrößerungsfunktion werden dank der extrem hohen Auflösung der Bilder auch kleinste Details sehr scharf dargestellt. Die Tiefenwirkung ist hier stärker als beim Betrachten in Natura und auch verschiedene Lichteffekte sind möglich.

Meister der Renaissance und des Impressionismus

Den Schwerpunkt der ausgewählten Gemälde bilden vor allem Werke des 16. und des 19. Jahrhunderts. So werden etwa aus dem Bestand des Metropolitan Museum of Art einige bedeutende Bilder von Paul Césanne, Vincent Van Gogh und Georges Seurat gezeigt. Die Alte Nationalgalerie bietet eine Auswahl von Caspar David Friedrich, Adolph Menzel, Carl Blechen, Edouard Manet ("Im Wintergarten") und Arnold Böcklin ("Selbstbildnis mit Tod"). Die National Gallery bietet als eine ihrer Attraktionen die "Dornenkrönung" von Hieronymus Bosch.

Google Art Project liefert auch zu jedem Bild die wichtigsten Informationen über die Entstehungsgeschichte und den jeweiligen Künstler.

Werbung oder Konkurrenz für Museen?

Schon seit längerem präsentieren Museen und Kunstsammlungen ihre Objekte auch im Netz. Die Museumsbetreiber sehen im Google Art Project keine Konkurrenz, sondern erhoffen sich eher einen Werbeeffekt für ihre Häuser, indem breitere Schichten Zugang zu großen Kunstwerken erhalten. Das virtuelle Museum ist eine Bereicherung und Ergänzung für Kunstinteressierte, echte Museen wird es aber sicher auch in Zukunft geben.